PASCAL STEINWACHS

Die Paneelen verschandeln zwar schon seit einigen Wochen die Landschaft, mit Plakaten bestückt werden dürfen sie aber erst ab diesem Wochenende. Die Kandidaten von politischen Freibeutern wie den Piraten, die - ebenso wie die KPL, die PID und die „déi Lénk“ - das Europawahlkampfabkommen gar nicht erst unterschrieben haben und sich deshalb auch nicht an jenes halten müssen, strahlen ihre potenziellen Wähler derweil schon seit längerem von den Plakaten an. Richtig los geht’s dann am Montag, wenn der offizielle Auftakt der Wahlkampagne erfolgt, aber so richtig vom Hocker reißen die Europawahlen die Wählerschaft immer noch nicht, auch wenn diese, die bis jetzt ja immer nur als Anhängsel der Legislativwahlen angesehen wurden, diesmal - dank der Neuwahlen - hierzulande zum ersten Mal getrennt von den Parlamentswahlen abgehalten werden. Wer den ein oder anderen der insgesamt 54 um die Wählergunst buhlenden Kandidaten auch mal live erleben möchte, dem bieten sich in den drei noch verbleibenden Wochen bis zum Wahlgang vom 25. Mai noch allerhand Gelegenheiten, tingeln die Parteien doch auch im Zeitalter des Internets und der sozialen Medien immer noch brav durch die Kulturzentren und Mehrzweckhallen dieses Landes, das bei den Europawahlen ja sowieso nur in einen einzigen Wahlbezirk aufgeteilt ist.

Interessieren dürfte die Luxemburger indes in erster Linie, ob die CSV, die sich im Falle ihrer brachialen In-die-Pension-schicken-Aktion ihrer langjährigen Stimmenfängerin Astrid Lulling unfassbar unglücklich angelegt hat, am Wahlabend tatsächlich ihres dritten Sitzes verlustig gehen wird, und wenn ja, wer diesen Sitz bekommen wird. Die besten Chancen werden hier der DP, die mit Charles Goerens über den beliebtesten Europapolitiker überhaupt verfügt, oder aber der LSAP nachgesagt.

Noch mehr interessieren dürfte das Land aber der Ausgang des Duells zwischen EVP-Spitzenkandidat Jean-Claude Juncker und seinem sozialdemokratischen Herausforderers Martin Schulz für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten, zumal beide in den wichtigsten Fragen mehr oder weniger die gleiche Meinung vertreten. Nichtsdestotrotz liefern sich Juncker und Schulz dann aber auf Twitter & Co. ein krampfhaftes tagtägliches Rennen um die Anzahl der „Gefällt mir“-Angaben („I was the one who got rid of banking secrecy in Luxembourg“, so Juncker dieser Tage) - wahrscheinlich um solcherart ihre Dynamik und Jugendlichkeit unter Beweis zu stellen. Nach dem 25. Mai dürften die diesbezüglichen Accounts dann wieder bis zu den nächsten Wahlen eingemottet werden.

Für Lacher sorgte der bislang gähnend langweilige Europawahlkampf aber auch bereits, nämlich als ausgerechnet der Fraktionschef der Konservativen im Europaparlament, Joseph Daul, die Vorzüge der Europäischen Union dahingehend anzupreisen versuchte, dass er in seinen jungen Jahren, als die Grenzen noch nicht offen waren, immer viel zu viel Zeit verloren habe, um vom damals anscheinend prüderen Frankreich ins freizügigere Deutschland zu kommen, um sich im dortigen Pornokino Sex-Filmchen ansehen zu können. Europa hat eben doch auch seine guten Seiten...