PASCAL STEINWACHS

Wer diese Woche trotz Karnevalsferien die Nachrichten verfolgt hat, der sollte nicht enttäuscht werden. So wurde er gleichzeitig Zeuge des ersten Papstrücktritts seit mehr als 700 Jahren, wie auch des Ekel erregenden und kriminellen Pferdefleischskandals (das den Anhängern des Fastens ihren Einstieg in die gleichnamige Zeit gehörig erleichtert haben dürfte) sowie der Einigung auf eine Finanztransaktionssteuer.

Letztere Abgabe, die von manchen ja als Robin-Hood-Steuer verschrieen wird, da sie die Banker zu ihrem überfälligen Beitrag zur Krisenbewältigung zwingen könnte, ist jedoch alles andere als in trockenen Tüchern, müssen die elf EU-Mitgliedstaaten, die mitmachen wollen, sich doch zuerst einmal einig werden, wie das Ganze denn nun in der Praxis ablaufen soll. Wir erinnern dabei nur an die Haltung von Jean-Claude Juncker, der sich zuerst ganz begeistert für die Einführung einer solchen Steuer stark gemacht hatte, um dann doch lieber dagegen zu sein, obwohl er sie ja eigentlich immer noch sympathisch findet, aber... So oder so ähnlich funktioniert auch Europa.

Dass Benedikt XVI. sich nun nach acht Jahren auf sein Altenteil zurückzieht, ist hingegen eine gute Nachricht, hat der Mann zwar viele Skandale über sich ergehen lassen müssen, doch letztlich wenig bewegt, und in der Dritten Welt, wo seine Sprüche wenigstens noch zum Teil ernst genommen werden, mit seinem Verhütungsverbot für viel Unheil gesorgt. Wer nun aber glaubt, mit einem neuen Papst, und sei es erstmals auch einer aus Afrika oder aus Lateinamerika, werde alles besser, der sollte sich besser nicht zu viel erwarten, ansonsten er enttäuscht werden könnte, ist das Amt doch schon von der „job description“ her nicht gerade auf Progressivität ausgelegt. Von einem gewissen Mut zeugt indes das freiwillige Ausscheiden von Joseph Ratzinger, der es ebenso gut hätte machen können wie sein illustrer Vorgänger aus Polen, dem die Welt monatelang beim Wegdämmern zuschauen konnte.

Apropos ehrenvoller Rückzug: Den hat Jean-Claude Juncker zumindest als Luxemburger Regierungschef ganz klar verpasst, sind 18 Jahre Premierminister und 30 Jahre in der Regierung doch definitiv des Guten zu viel. Angenommen, Juncker würde bei den nächstjährigen Landeswahlen noch einmal derart gut gewählt, dass seine Partei weiterhin den Staatsminister stellen könnte, dann säße der Mann, der jetzt, und seit langem schon keine Lust mehr hat, ein Vierteljahrhundert ununterbrochen auf dem Chefsessel des Großherzogtums. Nicht auszudenken! Sogar die Tram könnte eines Tages tatsächlich fahren, und Juncker wäre immer noch Premier. Unter Demokratie stellt man sich wahrlich etwas anderes vor.

Aufhorchen lässt aber auch die Ankündigung Junckers, als Tresorminister, der er ja auch noch ist, weiterhin an den Sitzungen der Eurogruppe teilnehmen zu wollen, wenn ihm danach sei. So richtig scheint der gewesene Eurogruppenchef seinem Finanzminister und erklärtem Dauphin Luc Frieden seit dessen Budgetdesaster nicht mehr zu trauen. Vielleicht kann Juncker aber auch partout nicht loslassen...