LUXEMBURG
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Der Künstler Ebel und seine Leidenschaft für Buchstaben

Obwohl Ebel, auch noch Eric Bel genannt, die Kunst förmlich in die Wiege gelegt bekommen hat, hatte der heute 34-jährige ganze zehn Jahre lang eine kreative Blockade. Heute macht sich der junge Künstler einen immer größeren Namen in der Kunstszene Luxemburgs, was er unter anderem seinem kreativen Duo „The Lost Boys“ zu verdanken hat, mit dem er bereits größere Arbeiten an Land ziehen konnte. Aber auch als Solokünstler startet er voll durch. Im Interview erklärt der gebürtige Luxemburger, wie es ist als Künstler in Luxemburg zu leben und woher seine Leidenschaft für Buchstaben, Rechtecke und Labyrinthe herkommt.

Wie ist es dazu gekommen, dass Du Dich für den Weg des Künstlers entschieden hast?

Ebel Nach meinem Studium habe ich lange Zeit als Grafiker gearbeitet und war in unterschiedlichen Agenturen eingestellt. Ich merkte jedoch schnell, dass meine Kreativität hier so aufgebraucht wurde, dass ich nach der Arbeit keine Zeit mehr zum Malen fand. Auch persönliche Probleme haben dazu beigetragen, dass ich zehn Jahre lang nicht malte. Als ich dann vor etwas mehr als einem Jahr meinen jetzigen kreativen Partner Mano kennengelernt habe und zusammen mit ihm das Projekt „The Lost Boys“ ins Leben gerufen habe, hat sich das Blatt endlich gewendet.

Woher kommt denn Dein malerisches Talent?

Ebel Teilweise habe ich dieses Können in die Wiege gelegt bekommen. Meine Mutter hat zum Beispiel sehr viel gemalt. Sie hat es jedoch nie professionell gemacht. Meine Schwester hat Kunst studiert und ist sehr talentiert. Leider hat auch sie diese Leidenschaft zum Teil aufgegeben. Das Leben kostet nun mal Geld, und das Arbeiten in der Kunstszene ist dann nicht unbedingt von Vorteil. Ich bin jetzt eigentlich derjenige in der Familie, der seinen Mut zusammennimmt und versucht, sein Leben in der Kunst zu machen. Ich will einfach das machen, was mir Spaß macht. Ich habe keine Lust mehr, für Kunden zu arbeiten, die mir vorgeben, was ich wie zu machen habe.

Du verdienst Dein Geld also lediglich mit der Kunst?

Ebel Zum größten Teil schon, jedoch mache ich auch immer wieder Grafikarbeiten, zum Beispiel Flyers für musikalische Kollegen. Viele dieser Arbeiten mache ich aber auf freiwilliger Basis: meine Liebe zum Hip-Hop ist so groß, dass ich diese Szene hier in Luxemburg dann auch voll unterstützen möchte.

Welche Techniken benutzt Du für Deine Arbeiten?

Ebel Ich versuche eigentlich so viele unterschiedliche Techniken zu benutzen wie möglich. Für viele Arbeiten benutze ich jedoch die des asemischen Schreibens. Es geht hier darum, Buchstaben ohne inhaltlichen Sinn, also in ganz abstrakten Mustern aneinander zu gliedern. Zudem interessiere ich mich im Moment auch sehr für Vierecke. Ich mag es, mit denen zu experimentieren und zum Beispiel Labyrinthe zu zeichnen, die aus ihnen bestehen. Es ist ein bisschen die Idee vom Lost Boy der sich seinen Weg durch das Labyrinth sucht.

Woher kommt denn die Liebe für die Buchstaben?

Ebel Genau weiß ich das auch nicht. Als Kind habe ich es gehasst zu schreiben, vor allem in der Schule wo ich viele Strafen schreiben musste. Durch den Hiphop hat sich diese Liebe zum Graffiti und zu den Buchstaben dann entwickelt. Der im Hiphop gängige Egotrip seinen Namen überall hin zu schreiben hat mir irgendwie auch ein bisschen mehr Selbstvertrauen verleiht: man kann überall seinen Namen hinschreiben und die Leute wissen nicht, dass du das warst. Die Liebe zu den Buchstaben finde ich allerdings auch in Büchern wieder: ich habe schon immer viel gelesen und liebe das auch heute noch.

Woher nimmst Du die Inspiration für Deine Arbeiten?

Ebel Was das Schreiben angeht finde ich die Inspiration in der ganzen Stadt. Immer wenn ich herumschlendere entdecke ich neue Namentags oder Graffitis. Die unterschiedlichen Styles schaue ich mir genau an und versuche sie dann in meinen eigenen Arbeiten anzuwenden. Die Inspiration für meine Labyrinthe kommt zum Teil von Piet Mondrian. Ich arbeite zwar nicht mit seinen Farben, aber fühle mich durch die rechteckigen Labyrinthe inspiriert. In meinen Arbeiten sind diese jedoch etwas chaotischer, weniger rigide. Ich mag es sehr, unkontrolliert zu arbeiten: ich benutze zum Beispiel alte Stoffreste um Leinwände zu bemalen oder lasse die Farbe unkontrolliert über das Bild spritzen. Meine Arbeiten sollen spontan sein.

Wie empfindest Du die Kunstszene in Luxemburg?

Ebel Das ist eine schwierige Frage. Wenn ich alleine arbeiten würde, wäre es nicht einfach für mich, da ich mich schwer damit tue, meine Arbeiten einem Publikum zu präsentieren. Ich muss über meinen eigenen Schatten springen, um Arbeiten zu veröffentlichen. Auch ist es nicht immer leicht, auf dem aktuellsten Stand der Dinge zu bleiben. Zum Glück arbeite ich hier viel mit einem Kumpel zusammen, der mich immer über neue Projektausschreibungen auf dem Laufenden hält. Ich muss hier noch etwas selbstbewusster werden und verstehen, dass es schlimmeres gibt als ein „Nein“ zu bekommen. Generell über die Kulturszene denke ich, dass sie sich momentan sehr weiterentwickelt. Auch die Kunst im Freien wird immer größer, was mich sehr freut: Kunst findet man nicht mehr nur in Galerien, sondern auch öfters auf der offenen Straße. Sie ist somit für jeden zugänglich und der junge Künstler hat somit mehr Chancen, sich und seine Arbeiten zu präsentieren.

Woran arbeitest Du gerade?

Ebel Aktuell arbeite ich an einer Serie von limited edition artprints, die nächstes Jahr in einem online Shop verkauft werden sollen. Hier konzentriere ich mich wieder auf meine Labyrinthe. Zudem arbeite ich gerade auch viel an privaten Aufträgen. Ich bleibe außerdem stets offen für Neues und bin gespannt, was noch auf mich zukommen wird.

www.facebook.com/ebel.tlb