PASCAL STEINWACHS

Fanden in den letzten Wochen vor den Wahlen jeden Tag mindestens zehn bis 15 Pressekonferenzen statt, zu der sich fast immer auch genauso viele Regierungsvertreter oder sonstige Spitzenpolitiker um den Platz in der ersten Reihe balgten, auch wenn es sich dabei nur um die Grundsteinlegung eines Klohäuschens handelte, so liegt das politische Luxemburg seit dem 14. Oktober im Dornröschenschlaf - und sitzen die politischen Journalisten auf dem Trockenen.

So treffen sich die das Koalitionsabkommen zusammenbastelnden Verhandlungsteilnehmer von DP, LSAP und „déi gréng“ nun zwar schon seit über einem Monat regelmäßig in großer Runde, um sich über die Detailfragen einer Neuauflage von Blau-Rot-Grün auszutauschen, aber was hinter den dicken Mauern des Außenministeriums wirklich passiert, das wissen natürlich nur die Verhandlungsteilnehmer selbst, haben diese doch ausgemacht, bis zum Abschluss der Verhandlungen eisern zu schweigen und nichts nach außen dringen zu lassen.

Den draußen in der Kälte vor dem Außenministerium ausharrenden Medienvertretern, die immer noch dem Irrglauben verfallen sind, vielleicht doch noch etwas aufzuschnappen, was von Interesse sein könnte, bleibt somit nichts anderes übrig, als immer wieder mehr oder weniger das Gleiche zu schreiben, nämlich über was möglicherweise gesprochen wurde, und wer vielleicht welchen Posten ergattern wird.

Der vom „Luxemburger Wort“ am Mittwoch zum Außenministerium entsandte Journalist war dann auch derart verzweifelt, dass er die Hälfte seines Artikels mit der Geschichte des Mansfeldgebäudes zu bestücken gezwungen war, in dem ja vor 331 Jahren sogar Ludwig XIV. übernachtet haben soll, und zwar im gleichen Raum, wo sich heute das Büro des Außenministers befindet. Hausherr Jean Asselborn selbst nimmt übrigens nicht an den Koalitionsverhandlungen teil, und dürfte auch sonst ganz froh sein, wenn er endlich wieder seine Ruhe hat.

Gestern sollen sich die Verhandlungsteilnehmer indes über Änderungen an der Kilometerpauschale und über die Einführung des kostenlosen öffentlichen Transports unterhalten haben, aber vielleicht haben die Vertreter von DP, LSAP und „déi gréng“ ja auch einfach nur Däumchen gedreht, da offiziell immer noch Stillschweigen herrscht.

Das einzige, was einigermaßen sicher ist, das ist, dass die neue Regierung pünktlich zum Nikolaustag stehen soll, soll die letzten Sitzung in großer Runde doch am 5. Dezember stattfinden. Alles andere ist zum jetzigen Zeitpunkt immer noch pure Spekulation.

Die Gutheißung des Koalitionsabkommens und der Postenbesetzung dürfte derweil nur eine Formsache werden. Zumindest bei der DP, wo das „Comité directeur“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit entscheiden wird, sowie bei den Grünen, wo die Landesversammlung, die sich aus allen Mitgliedern zusammensetzt, grünes Licht geben muss. Sogar bei der LSAP, wo der Landeskongress abstimmen muss, dürfte es geordnet über die Bühne gehen, wird doch nicht einmal die Parteilinke so blöd sein, die Koalition in letzter Sekunde zu sprengen...