LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Aus „Konschthaus Beim Engel“ wird „Casino Display“ für die junge Kreation

Im Jahr 2017 hatte das Kulturministerium ein neues Konzept vorgestellt, um der Kreation aus Luxemburg eine Plattform zu bieten und für mehr Sichtbarkeit zu sorgen. Mit diesem Ziel war am 1. Juni 2017 der Startschuss einer Ausstellungsreihe namens „Intro“ in der vom Kulturministerium geführten Galerie
„Konschthaus Beim Engel“ gefallen. „Mit dieser Reihe gehen wir neue Wege, um zu zeigen, was sich in unserer Kunstszene alles so tut. Neben den etwas klassischeren Kunstgattungen, öffnen wir die Galerie auch für Sparten, die bislang noch nicht hier vertreten waren“, hatte der damalige Kulturstaatssekretär Guy Arendt bei der Eröffnung der ersten Gruppenausstellung gesagt. Seither wechselten die „Intro“-Ausstellungen monatlich und richteten den Fokus jedes Mal auf eine andere Kunstgattung. Die Reihe wurde auch unter Kulturministerin Sam Tanson fortgesetzt, jetzt aber eingestellt. Das Ministerium hat entschieden, die Programmgestaltung an das „Casino Luxembourg - Forum d’Art Contemporain“zu übergeben.

„Casino Luxembourg“ übernimmt Programmgestaltung

Bereits bei der Vorstellung der Ausgabe 2020 der „Triennale Jeune Création“ vor wenigen Wochen wurde das
„Konschthaus Beim Engel“ neben den Rotondes als Triennale-Austragungsort in Aussicht gestellt, gestern gab es bei der Programmpräsentation 2020 des „Casino Luxembourg“ weitere Details zu der „neuen“ Galerie, mit der Direktor Kevin Muhlen und sein Team ab dem zweiten Trimester nächsten Jahres einiges vorhaben.

„Dieses zweite Trimester werden wir der jungen Kreation widmen. Um diese Komponente auszubauen und der noch jüngeren Generation eine Tür zu öffnen, haben wir ein komplett neues Programm auf die Beine gestellt, das wir an diesem neuen Ausstellungsort präsentieren. In Absprache mit dem Kulturministerium werden wir die Galerie ab 2020 übernehmen und unter dem Namen ‚Casino Display‘ weiterführen“, informierte Muhlen. „Display“ deshalb, weil es sich um eine erste Vitrine handele, die jungen Künstlern zur Verfügung gestellt werde, um sich erstmals einem Publikum zu zeigen. „Es ist wirklich ein zusätzliches Projekt zum Casino, es soll keineswegs ein Nebengebäude oder ein zweiter Ausstellungsraum sein, in dem wir das Gleiche machen wie hier. Es soll wirklich als Ausstellungsraum angedacht sein, in dem es in eine andere Richtung geht, der eine andere Bestimmung hat“, unterstrich er.

Nische besetzen

„Das Projekt basiert auf einer bereits länger zurückliegenden Feststellung, die noch immer aktuell ist, dass es nämlich in Luxemburg keine Kunsthochschule gibt, außerdem kaum Möglichkeiten für diejenigen, die eine künstlerische Karriere anstreben, dies im Großherzogtum zu tun. Abgesehen von einem BTS fehlt es am Angebot. Woran es außerdem mangelt, sind Gelegenheiten, bei denen man die sehr junge Kreation entdecken kann“, gab Casino-Mitarbeiterin Christine Walentiny zu bedenken. Aufgrund unserer geografischen Lage seien wir nun aber von einer lebendigen Kunstszene umgeben. Die Großregion verfüge über ein sehr dichtes Netzwerk an Kunstschulen, „demnach auch über eine Kunstszene, die nur darauf wartet, entdeckt zu werden“. „Da uns das Kulturministerium nun die Programmgestaltung dieser Galerie anvertraut und uns dafür auch ein Budget zur Verfügung stellt, werden wir die Gelegenheit nutzen, um der jungen Kreation eine Plattform zu bieten. Gleichzeitig entwickeln wir eine unserer Missionen weiter, die uns sehr wichtig ist, nicht nur als Sprungbrett für junge Künstler zu agieren, sondern sie auch in ihrer weiteren künstlerischen Laufbahn zu begleiten“, erklärte sie.

Zusammenarbeit mit Kunstschulen der Großregionund Raum für Künstlerresidenzen

In einer nächsten Etappe hat sich das „Casino Luxembourg“ mit vier Kunstschulen aus der Großregion zusammengesetzt, um das Konzept zwecks künftiger Kollaboration zu besprechen: ESAL (École supérieure d’art de Lorraine, Metz/Épinal), ENSAD (École nationale supérieure d’art et de design, Nancy), HEAR (Haute école des arts du Rhin Strasbourg, Mulhouse) und HBK Saar (Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken). „Diese vier Partnerschulen werden uns einen privilegierten Einblick gewähren, regelmäßig werden wir uns dort Ausstellungen anschauen, uns mit ihren Schülern austauschen und so mit Sicherheit ein breites Spektrum an talentierten Künstlern entdecken. Daraus soll dann eine jährliche Gruppenausstellung im ,Casino Display‘ resultieren, eine erste im November 2020. Wir werden die jungen Künstler aber nicht nur ausstellen, sondern wirklich mit ihnen arbeiten und diese Expo gemeinsam schaffen“, berichtete Christine Walentiny.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt des neuen Ausstellungsortes werden Künstlerresidenzen sein. Eine Hälfte des Jahres im „Casino Display“ wird für dieses Programm reserviert. Die Künstler, die davon profitieren, werden in der Galerie untergebracht, will heißen, zu diesem Zweck wird ein Studio eingerichtet. „Das Gebäude wird renoviert, oder nennen wir es vielleicht eher, einer Neutralisierung unterzogen. Einige Basteleien werden entfernt, und das bisherige Büro wird zu einem Studio umgebaut. Während der Künstlerresidenzen werden die Ausstellungsräume in ein Atelier umfunktioniert, in dem der Künstler arbeiten kann, das aber zwischendurch auch immer mal wieder für ein Publikum, beziehungsweise Schulen zugänglich sein wird. Auch Workshops werden wir dort anbieten. Wir sind gerade dabei, das alles zu planen“, so Walentiny.

Einweihung mit Expo von Marie-Luce Theis

Als neuer Expo-Ort eingeweiht wird das „Casino Display“ derweil mit einer Ausstellung, die Teil der „Triennale Jeune Création“ ist. Die Luxemburgerin Marie-Luce Theis, Jahrgang 1985, wird die erste Künstlerin sein, die ihre Installation „Etat des lieux“ dort zeigen wird, dies ab dem 15. Mai 2020.

Marie-Luce Theis hat in Wien an der Universität für angewandte Kunst studiert sowie am „Wimbledon College of Arts“ in London. Seit 2013 arbeitet sie als Bühnen- und Kostümbildnerin für verschiedene Theaterhäuser in Luxemburg und im Ausland. „Sie wird ein Ausstellungskonzept entwickeln, für das sie verschiedene Erzähltechniken aus dem Bereich der Medien und des Theaters benutzt. Für ihre Arbeit wird sie sich in die Vergangenheit begeben, auf die Suche nach der Geschichte dieses emblematischen Ortes“, beschrieb Christine Walentiny.


Auf das eigentliche Jahresprogramm des „Casino Luxembourg“

werden wir in einem kommenden Artikel eingehen