LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Fortsetzung im Wasserbilliger Drogen-Prozess: Angeklagte

Am zweiten Verhandlungstag im Wasserbilliger Drogenprozess haben am Mittwoch 13 weitere Angeklagten ausgesagt. Insgesamt 21 Angeklagte sollen in der luxemburgischen Drogenszene vor mehr als einem Jahr kräftig mitgemischt haben und mehrmals Kokain und Heroin kiloweise erworben und weiterverkauft haben.

Laut Anklage nutzte einer der Hauptbeschuldigten seine Wohnung in Wasserbillig als Hotel, Drogen- und Geldlager. Nach monatelanger Ermittlungsarbeit griffen die Drogenfahnder im Oktober 2015 in Wasserbillig zu. 21 Männer wurden verhaftet, eine Menge Rauschgift und Geld wurden damals sichergestellt.

Schickten andere zum Dealen auf die Straße

Die Staatsanwaltschaft wirft zwei Hintermännern vor, seit 2014 Drogen aus Belgien und den Niederlanden nach Luxemburg gebracht und damit gehandelt zu haben. Bei den Hintermännern handelt es sich um zwei bekannte Nigerianer aus dem Milieu, die von einer 37-jährigen Frau unterstützt wurden. Sie soll als Verwalterin im Haus in Wasserbillig gearbeitet und Miete von den Bandenmitgliedern kassiert haben. Das haben jedenfalls alle 13 Angeklagten am Mittwoch vor Gericht bestätigt.

Die beiden mutmaßlichen Hintermänner Paul Henri und Joseph E. wollten sich ihre Finger aber offenbar nicht schmutzig machen und schickten andere zum Dealen auf die Straße oder in Lokale wo diese die Drogen „gewinnbringend weiterverkauft“ haben sollen. Laut Anklage soll das „Fußvolk“ einer kriminellen Vereinigung angehört haben, deren Spitze die beiden Dealer gebildet haben sollen. Am Dienstag hatten die beiden mutmaßlichen Hintermännern sowie die Frau und fünf weitere Angeklagte vor Gericht ausgesagt. Wie am Dienstagmorgen haben auch die dreizehn anderen Angeklagten am Mittwoch im Prinzip gestanden, wenn auch nicht in der Vielzahl der ihr vorgeworfenen Fälle. Sie haben zweifellos eine nicht unerhebliche Drogenmenge bewegt, doch sie erzählten alle, die Drogen in den Straßen am Bahnhof gekauft und weiterverkauft zu haben.

Moderne Form der Sklaverei

Außerdem kenne man sich eigenen Aussagen zufolge nur vom Sehen. Manche wollen nicht mal eine Woche im Haus in Wasserbillig gewohnt haben. Keiner will Drogen von Paul Henri bekommen haben. Obschon die chemische Zusammensetzung der psychotropen Substanzen dieselbe ist wie bei den Drogen die im Haus von Paul Henri beschlagnahmt wurden. Keiner von den Angeklagten hat laut ihren Aussagen mit Paul Henri in einem telefonischen Kontakt gestanden. Obschon nachweisbar ist, dass sie alle - hunderte von Malen - mit Paul Henri telefoniert hatten. Wie sie an das viele Geld kamen, das bleibt der Fantasie überlassen. Ein Teil des Geldes kam, laut ihren Aussagen, aus dem Drogenverkauf. Einen Teil der Summe wollen einige in einem Restaurant in Italien verdient haben. Andere behaupten, Geld beim Glücksspiel gewonnen zu haben. Andere wiederum wollen Handys an schwarze Mitbürger verkauft haben. Der Angeklagte Jude I. erklärte, sein Onkel aus Nigeria hätte ihm 15.000 Euro nach Luxemburg geschickt - mit der Auflage einen Bus zu kaufen. Die meisten der Angeklagten hatten Geld via die Geldüberweisungsdienste Western Union oder Money-Gram nach Nigeria überwiesen. Mit Drohen und Drogen ist es den Hintermännern offensichtlich gelungen, ihr Geschäft auf mehrere Schultern zu verteilen. Auf Schultern von Menschen, die von ihnen ausgenutzt werden. Die zu ihnen aufschauen und es niemals wagen würden, sie zu verraten.

Am Mittwoch wurden die 13 weiteren Beschuldigten gehört. Und alle mauerten wie am Tag zuvor. Einzige Anhaltspunkte für Verbindungen der Männer untereinander sind die Telefongespräche die im September und Oktober 2015 von den Ermittlern überwacht wurden. Unklar ist weiterhin, was eigentlich im „Drogenbunker“ in Wasserbillig passiert ist, das von dem Eigentümer Joseph E., einem 46-jährigen Mann, der zur Selbstüberschätzung neigen soll und der 37-jährigen Frau T. für die Übergabe des Rauschgiftes genutzt worden war. Deshalb soll bei einem der nächsten Verhandlungstage mindestens einer der Polizisten gehört werden, die bei der Hausdurchsuchung dabei waren.
Der Prozess wird am Donnerstag mit den Aussagen der Ermittler fortgesetzt.