LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Während Trump in Vietnam ist und dort mit Nordkoreas Machthaber Kim, den er vor gar nicht langer Zeit noch als „Rocket man“ verunglimpft hat, ganz freundlich über die nukleare Abrüstung spricht, geht es auch in seiner Heimat um Vietnam.

Dort steht aber die Vergangenheit im Mittelpunkt, denn Trumps ehemaliger Anwalt und „Ausputzer“, Michael Cohen, der gut zehn Jahre lang für Trump gearbeitet hat und zuletzt Vizepräsident von dessen Unternehmen war, sagte gestern vor dem Kongress aus. Dabei bezeichnete er es als „ironisch“, dass Trump ausgerechnet in Vietnam sei. Cohen vermittelt in einem vorab veröffentlichten Statement den Eindruck, dass Trump sich während des Vietnam-Krieges vor dem Militärdienst gedrückt haben könnte. Die USA unterstützten Südvietnam während des Vietnamkrieges militärisch.

Darüber hinaus äußerte sich Cohen zu den Schweigegeldern für zwei Pornostars, die er vorgestreckt habe, den Russland-Verwicklungen, Geldzahlungen an russische Diplomaten und Firmen, die Pleiten dieser Trump-Firmen und falsche Angaben zu Trumps Vermögen, das dieser für die „Forbes“-Reichenliste hoch- und für die Steuer heruntergerechnet habe. Auch habe Trump vorab von Wikileaks und den Mails von Hillary Clinton gewusst. Trump habe niemals damit gerechnet, Präsident zu werden und das Ganze als Marketingmaßnahme gesehen.

Die Aussagen wurden mit Interesse erwartet und live verfolgt, weil Cohen Insiderwissen hat. Andererseits ist es für Trump leicht, seinen Ex-Fixer als Lügner hinzustellen. Denn schon im August 2018 bekannte der Anwalt sich vor Gericht wegen Verstößen gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung und anderer Anklagepunkte schuldig. Im November bekannte sich Cohen zudem schuldig, den Kongress belogen zu haben. Dabei ging es um den geplanten Bau eines Trump-Towers in Moskau, der letztlich nicht zustande kam. Cohen war im Dezember zu drei Jahren Haft verurteilt worden und soll seine Strafe im Mai antreten. Seine Anwaltslizenz verlor er diese Woche. Merkwürdig mutet hingegen Trumps Versuch an, Cohen via Twitter als einen Anwalt unter vielen darzustellen.

Cohen reiht sich ein in eine ganze Schar ehemaliger Mitarbeiter von Trump, die diesen belasten. Ihm selbst wird das nicht mehr wirklich helfen, genau so wenig wie seine laut verkündete Scham. Er mag Trump einen Lügner, Betrüger und Rassisten nennen. Was der Anwalt ausführt, ist erschreckend. Er zeichnet das Bild eines Menschen, den keiner als Chef und erst recht nicht als Präsidenten will. Doch die Befürworter von Trump wird das nicht überzeugen.

Während früher eines dieser Vergehen gereicht hätte, um einen Präsidenten zum Rücktritt zu bewegen und seine Partei dazu, selbst nachzuforschen, gilt jetzt die Regel: Der gehört zu unserem Lager und wird ohne Wenn und Aber verteidigt. Das zeigt, wie sich die politische Kultur in den USA verändert hat. Sie ist vertwittert, das Land gespalten, Versöhnung schwierig.

Dennoch sprechen Kommentatoren immer wieder vom Fall Nixon. Doch bis zum „You are fired“ ist es noch weit. Leider.