LUXEMBURG
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193,7 kg jährlich pro Einwohner: Insgesamt hat das Restabfallaufkommen in Luxemburg abgenommen

Auch wenn das Restabfallaufkommen, also alle gemischten Abfälle, die im Rahmen der öffentlichen Müllabfuhr über die „Schwarze Tonne“ erfasst werden, im Jahr 2018 im Vergleich zu 2013 um rund 13,2 Prozent abgenommen hat, so lag es aber immer noch bei 193,7 kg pro Einwohner.

„Würden alle Gemeinden und Syndikate die obligatorischen Wertstofferfassungssysteme erfolgreich einführen, könnten bis zu 63,5 Prozent der Abfälle im Restmüll vermieden werden“, sagt Carole Dieschbourg, Umweltministerin - Lëtzebuerger Journal
„Würden alle Gemeinden und Syndikate die obligatorischen Wertstofferfassungssysteme erfolgreich einführen, könnten bis zu 63,5 Prozent der Abfälle im Restmüll vermieden werden“, sagt Carole Dieschbourg, Umweltministerin

Gemeinden und Syndikate gefordert

Von den 193,7 Kilo, die jeder Bürger des Landes im Durchschnitt wegwirft, sind allerdings 31 Prozent organischer Abfall, 18 Prozent Papier, Pappe und Karton sowie 17 Prozent Plastik, also alles Müll, der eigentlich getrennt werden sollte, wie Stéphanie Goergen von der Umweltverwaltung auf einer gestrigen Pressekonferenz unterstrich, auf der die Restabfallanalyse 2018/2019 vorgestellt wurde. Da sei also noch Luft nach oben, den Restmüll zu reduzieren.

Besonders auffallend auch der enorme Anteil an Kaffeekapseln im Restmüll, wurden - hochgerechnet - in den Jahren 2018/2019 doch 956 Tonnen Kaffeekapseln eingesammelt, was in etwa 55 Millionen Kapseln entspricht.

Würden alle Gemeinden und Syndikate die obligatorischen Wertstofferfassungssysteme erfolgreich einführen, könnten bis zu 63,5 Prozent der Abfälle im Restmüll vermieden werden, so das Fazit von Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi gréng).

Auf die Abfallwirtschaft eingegangen wird aber auch schon im Koalitionsabkommen von 2018, wo es unter anderem auf Seite 176 um die Kreislaufwirtschaft geht: „L’économie circulaire innovante sera promue, pour que les produits et les ressources soient utilisés aussi longtemps que possible. À l’avenir, les déchets doivent être considérés comme une ressource. La réparation, la réutilisation et le recyclage de produits doivent devenir la règle“.

„Null Offall Lëtzebuerg“-Strategie

Und auch im vor kurzem vorgestellten nationalen Energie- und Klimaplan spielt die Abfallwirtschaft eine Rolle. So würden bereits heute Recyclingquoten für Verpackungen von 70 Prozent für das Jahr 2022 angestrebt werden. Eine Überarbeitung der gesetzlichen Grundlagen der Abfallwirtschaft werde die nötigen Impulse liefern. Weitere strategische Aspekte würden in einer „Null Offall Lëtzebuerg“-Strategie beziehungsweise einer Kreislaufwirtschaft-Strategie festgelegt. Die Arbeiten bezüglich der „Null Offall Lëtzebuerg“-Strategie hätten bereits begonnen und würden durch öffentliche Anhörungen begleitet, wie es im Energie- und Klimaplan heißt. Diese Strategie soll die heutige Abfallwirtschaft zu einer Wirtschaftsweise führen, in welcher das Ressourcenmanagement verstärkt im Mittelpunkt stehe.

Foto: Shutterstock - Lëtzebuerger Journal
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Was in der schwarzen Tonne landet

193,7 Kilo Abfall pro Einwohner und Jahr waren es 2018 laut Hochrechnung im Durchschnitt. 2013 waren es 223,2 Kilo, 2009 245,6 Kilo und 2004 260,6 Kilo

17 Prozent Kunststoffe
(32,4 Kilo, -7,3 Kilo gegenüber Restabfallanalyse 2013)

31 Prozent Bioabfall
(61,2 Kilo, -6,7 Kilo gegenüber 2013) 

10 Prozent Körperhygieneartikel
(18,6 Kilo, +1,9 Kilo gegenüber 2013)

18 Prozent Papier, Pappe oder Karton
(34,7 Kilo, -8,5 Kilo gegenüber 2013)

24 Prozent „Sonstiges“
Metalle, Problemstoffe, Textilien, Bauschutt... (46,8 Kilo, -8,9 Kilo gegenüber 2013)


Was ist die Restabfallanalyse?
Das Umweltamt führt seit 1992 in regelmäßigen Abständen eine Restabfallanalyse in Luxemburg durch. Hierbei werden die Restabfälle repräsentativer Gemeinden manuell sortiert, um anschließend Aussagen über das Abfallverhalten der Luxemburger Haushalte treffen zu können. Ein besonderes Augenmerk wird natürlich auf die Abfälle gelegt, wo separate Sammelsysteme bestehen. Diese sollten demnach über diese Wege getrennt eingesammelt werden, um sie später stofflich oder thermisch wieder zu verwerten oder zu recyceln.  Die Analyse erstreckt sich über sechs Monate. Stichprobenartig wurden während dieser Zeit die Inhalte Schwarzer Tonnen in 16 verschiedenen Gemeinden analysiert und in 29 verschiedene Kategorien klassiert.

Viel zu viele Folien
50 Prozent des Kunststoffabfalls im Restmüll besteht aus unterschiedlichsten Sorten Folien, davon machen Einweg-Plastiktragetaschen 7,7 Prozent aus. Schätzungsweise 24,2 Millionen PET-Flaschen landen jährlich im Restabfall. Dabei gehören sie den Valorlux-Kreislauf. Positiv ist, dass weniger Verpackungen in der Schwarzen Tonne landen. 2004 waren es noch 84,25 Kilo, 2018 49,17 Kilo. Wohl auch Zeichen eines Umdenkens in der Verpackungsindustrie.

Das Kreuz mit den Kapseln
Bei der Restabfallanalyse 2009/2010 waren sie lediglich vereinzelt im Restabfall aufgefallen, 2013/2014 bereits viel deutlicher: Kaffeekapseln. Von den durchschnittlich rund 10 Kilo Abfällen pro Jahr pro Einwohner, die als „Sonstiger Materialverbund“ in der schwarzen Tonne landen, entfiel rund ein Kilo auf die oft aus Aluminium bestehenden Kapseln. Also zehn Prozent.Dieser Anteil ist mittlerweile auf 18 Prozent gewachsen. 2018/2019 wanderten schätzungsweise 54,6 Millionen Kaffeekapseln in den Müll, gegenüber 40,8 Millionen in 2013/2014.

Pillen gehören nicht in die Tonne
Rund zwei Kilo „Problemstoffe“  landen jährlich im Durchschnitt im Restmüll. 85 Prozent davon entfallen auf vier signifikante Problemstofffraktionen: Medikamente (42,64 Prozent), Kosmetika (15,12 Prozent), Farben oder Lacke (12,66 Prozent) und Spraydosen (10,26 Prozent). Obwohl bekannt sein dürfte, dass man abgelaufene Medikamente bei der „Superdreckskëscht“ und in den Apotheken abgeben kann- 2018 wurden über diese Wege übrigens 178 Tonnen Medikamente und Kosmetika erfasst – steigt der Anteil der Arzneien im Restmüll: Um 5,6 Prozent im Vergleich zu 2013/2014. Es dürften um die 400 Tonnen Medikamente sein, die so jährlich in der Schwarzen Tonne landen.

Geldgrube
Gemäß der Geldfunde in den Restabfallstichproben landen jährlich Münzen und Scheine im Wert von 100.000 Euro im Restabfall. Also besser zweimal hinschauen.

Lebensmittel-Verschwendung
Wir werfen nach wie vor viel zu viele Lebensmittel weg – und das auch noch falsch. Während durchschnittlich 44 Kilo nicht vermeidbare Küchenabfälle anfallen (Schalen, verdorbenes Gut...), wären 10,7 Kilo vermeidbar, müssten also gar nicht weg. Immerhin insgesamt 6.442,6 Tonnen. Die gute Nachricht: 2013/2014 fanden sich noch 20,6 Kilo vermeidbare Küchenabfälle im Biomüll, der in der Schwarzen Tonne landete. Darunter 1.895 Tonnen Brot und Backwaren, 884 Tonnen Fleisch, 662 ganze Früchte und Gemüse und 477 Tonnen Milchprodukte. Fast 3.000 Tonnen sind Lebensmittel in einer Verpackung oder einer bereits geöffneten Verpackung,deren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) vor oder erst nach dem Wegschmeißen abgelaufen ist. Das MHD gibt lediglich den Zeitpunkt an, bis zu dem das Lebensmittel bei richtiger Aufbewahrung seine spezifischen Eigenschaften – wie Geruch oder Geschmack– behält. Es ist also nicht so, dass sie nach diesem Datum ungenießbar werden.

Abermillionen Dinge aus Einwegplastik
Eco-Sac, Ecobox, Plastiktütenverbote, wiederverwendbare Teller,Becher und Besteck: die Initiativen zur Reduzierung von Einwegplastik sind zahlreich. Dennoch landet noch enorm viel davon im Restmüll. Das Umweltministerium hat hochgerechnet, dass 2,1 Millionen Plastikteller, 6,8 Millionen Rührstäbchen, 8,4 Millionen Plastiklöffel, -messer oder –gabeln, 23,3 Millionen Trinkhalme und 75,98 Millionen Wattestäbchen im Restmüll landen. Auf 12,9 Millionen wird die Zahl der Getränkebecher im Restmüll geschätzt. Auf 2,2 Millionen die Anzahl der Luftballons, die sich dort finden. Macht alles zusammen genommen 230 Tonnen Abfall.

Die grüne Tonne
Bei der Sortierung des Restabfalls fällt den Experten sofort auf, welche Gemeinden eine Biotonne anbieten und welche nicht. In Gemeinden, in denen eine Bioabfallabfuhr angeboten wird, ist nämlich die Menge an Bioabfällen im Restabfall um rund 6,4 Prozent des Gewichts niedriger als in Gemeinden ohne Anschluss an die Biotonne. Oder in Kilo ausgedrückt: In den Kommunen mit Biotonne gelangen 57,13 Kilo Bioabfall in den Restmüll, in den anderen Gemeinden sind es 75,83 Kilo.  

Das Stummelproblem
Schätzungsweise 547,35 Millionen Reste von Tabakprodukten –vor allem Zigarettenstummel -  wandern in den Restmüll. Besonders die Filter der Zigaretten beinhalten bekanntlich Schadstoffe. Summa summarum wiegt diese Art Abfall fast 159 Tonnen.