LUXEMBURG
MARCO MENG

Deutsche Airline gibt Beteiligung an Luxair auf und erhöht den Konkurrenzdruck

Viele waren überrascht, als gestern bekannt wurde, dass die Lufthansa, die mit 13 Prozent am Kapital der Luxair beteiligt ist, diesen Anteil abstoßen möchte. Das Transportministerium war es nicht. Die Absicht der Lufthansa sei Minister Bausch schon telefonisch mitgeteilt und jetzt per Brief formell bestätigt worden. Tatsächlich will die Lufthansa bereits im Winterflugplan 2015/16 ihr Angebot ab Luxemburg ausbauen und will dann täglich vier Flüge von hier nach Frankfurt und München mit A320-Maschinen anbieten. Flüge auf Strecken, die für Luxair lukrativ sind.

Die größte europäische Airline ist seit 1993 an der Luxair Group beteiligt. „Wir überprüfen regelmäßig alle von uns gehaltenen Beteiligungen daraufhin, ob diese angesichts sich ändernder Rahmenbedingungen nach wie vor in unser Portfolio und die strategische Ausrichtung der Lufthansa Group passen“, erklärte auf Nachfrage Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow dem „Journal“. Die Lufthansa habe daher die Möglichkeit eines Verkaufs der von ihr gehaltenen Luxair-Anteile mit den übrigen Anteilseignern erörtert, dazu gehört auch der Staat Luxemburg.

Hoffnung auf den Staat?

Als die schweizerische Panalpina 2012 ihre Beteiligung an der Luxair aufgab, übernahm Luxemburg die Anteile und stockte damit seinen Anteil an der Luxair deutlich auf - wird er nun die 13 Prozent der Lufthansa-Aktien auch übernehmen? Nun mag in Luxemburg reflexartig gedacht werden, das sei die Lösung, aber ganz so einfach ist es nicht, denn ein staatlicher Anteil von dann mehr als 52 Prozent wird wettbewerbsrechtlich durchaus heikel. Und das Problem des neuen starken Konkurrenten beseitigt das auch nicht. Die Lufthansa, die durch ihre Töchter Germanwings und der neuen Eurowings den Billigflugmarkt erobern will, hat nicht erst seit dem Germanwings-Absturz mit Ungemach zu kämpfen: Zahlreiche Streiks schwächten das Unternehmen, die Aktie gab spürbar nach. Seit längerer Zeit ist die Gesellschaft nun dabei, sich neu auszurichten: Dazu gehört eine eigene Billigfluglinie, Kosteneinsparungen, und - strategisch gesehen - die Aufgabe von Beteiligungen an Unternehmen, wo sie keinen Einfluss ausüben kann. Zwar wird, wie zu erfahren war, die bestehende Partnerschaft im Rahmen der „Star Alliance“ zwischen Luxair und Lufthansa bestehen bleiben, doch hat die Luxair bereits jetzt in der Lufthansa eine starke Konkurrenz: Die Lufthansa-Tochter Eurowings, die ausgebaut werden soll, wird fraglos ein weiterer ernstzunehmender Wettbewerber im Regionalflugverkehr für die Luxair werden.

Kooperation geht weiter

Luxair-Sprecher Jean Lasar erklärt dazu, dass demnächst Gespräche mit der Lufthansa beginnen werden, wobei es um Kooperationsmöglichkeiten auf der Strecke nach Frankfurt gehen soll. Schon heute kooperiere man auf vielfältige Weise, sei es bei Versicherungen, dem Vielfliegerprogramm „Miles and More“ oder der Maintenance. Die Strecke nach München allerdings wolle man sich nicht nehmen lassen. „München geben wir nicht preis“, sagt Lasar.

Bereits gestern beschäftigte die Sache die Politik. CSV-Präsident Marc Spautz wollte vom Transportminister wissen, welche Auswirkungen dies auf die Luxair und ihren Standort Luxemburg haben werde. Bausch verwies darauf, dass er sich nicht in einer öffentlichen Sitzung zu Verhandlungen eines privaten Konzern äußern könne.

Auch der LCGB hat schon beim Minister „dringlich nach einem Treffen ersucht“. Dabei will sie vor allem erfahren, ob es geeignete Kandidaten für die langfristige Übernahme des 13-prozentige Aktienpakets gebe. Luxair und die LuxairCargo seien systemrelevant für den Findel. Die Gewerkschaft fordert den luxemburgische Staat darum als Hauptaktionär auf, eine „Stabilisierung des Aktienbesitzes von Luxair“ zu garantieren und endlich eine Tripartite für den Lufttransportsektor zu starten.

Dass der Konkurrenzdruck zunehmen wird, hatte Luxair-Chef Adrian Ney bereits bei der Vorlage der Bilanz im Mai erklärt, wo eine Verbesserung des Geschäftsergebnisses auf netto 9,7 Millionen Euro vermeldet werden konnte. Wie Lasar ausführt, ist Luxemburg ein attraktiver Markt, darum drängten auch Low Cost-Airlines hierher. Vueling und andere hatten aber - entgegen mancher Unkenrufe - der Luxair nicht das Wasser abgegraben.