GILLES BAUM

Der DP-Politiker Gilles Baum ist Präsident des parlamentarischen Familien- und Integrationsausschusses und war Berichterstatter des Jugendgesetzes, das unter anderem die Kinderbetreuung reformiert. Ein wichtiger Baustein dieser Reform ist auch die Förderung der Mehrsprachigkeit bei Kleinkindern, ein entsprechendes Konzept soll zur Rentrée 2017 eingeführt werden, Pilotprojekte laufen bereits. Der parlamentarische Ausschuss informierte sich noch vor einigen Tagen über den Fortschritt eines der Pilotprojekte in einer Kindertagesstätte in Esch/Alzette vor einer Interpellation zum Thema in der „Chamber“. Bei der Gelegenheit kam wieder Kritik auf, Luxemburgisch werde zugunsten des Französischen vernachlässigt. Unbegründete Ängste, sagt Gilles Baum.

„Um es ganz klar zu sagen: Luxemburgisch ist und bleibt DIE Integrationssprache hierzulande und die Hauptsprache in den Kindertagesstätten und das soll noch gestärkt werden. Deshalb macht das neue Jugendgesetz den Betreuungsstrukturen die Auflage, dass sie ab September 2017 auf luxemburgischsprachiges Personal zurückgreifen müssen.

Es geht hier darum, dass auch die Kinder, die zuhause kein Luxemburgisch lernen, Kontakt mit der Sprache bekommen, damit sie später einen schnelleren und besseren Zugang zu unserem Bildungssystem und der Gesellschaft insgesamt finden.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass besonders Kinder im Alter bis drei Jahren eine große Auffassungsgabe für Sprachen haben, deshalb legt die Regierung besonders viel Wert auf eine qualitativ hochwertige Sprachförderung in diesem Alter.

Wir müssen aber auch die Realität in Betracht ziehen, dass die Kommunikation in anderen Sprachen, und vor allem auf Französisch, im Alltag immer wichtiger wird. Deshalb möchten wir auch das Französische in Betreuungsstätten fördern. Aus dem gleichen Antrieb heraus, wie wir Luxemburgisch fördern: Damit die Kinder später besser vertraut werden mit dieser Sprache und im schulischen und beruflichen Leben später besser damit klarkommen.

Diese Vertrautheit soll in den Betreuungsstrukturen nicht durch einen strammen Lehrplan gefördert werden, sondern auf spielerische Art und Weise, durch Reime, Singen oder Rollenspiele in der jeweiligen Sprache. Den Kindern soll geholfen werden, ein Gefühl, ein „Ohr“ für Sprachen zu entwickeln. Auch heute wird das bereits zum Teil in der Vorschule gefördert.

Wir konnten in der am Pilotprojekt beteiligten Betreuungsstruktur in Esch/Alzette sehen, wie die Muttersprache gefestigt, Luxemburgisch als Integrationssprache gefördert wird und kurze Aktivitäten auf Französisch eingebaut werden. Die Profis aus dem Betreuungsbereich sind jedenfalls sehr an dem neuen Konzept interessiert und das gleiche gilt für zahlreiche Eltern, die mich darauf ansprechen.

Es ist keinesfalls so, dass den Kindern eine riesige Last auferlegt wird und sie beispielsweise dauernd von Betreuern korrigiert werden. Die Lust an Sprachen soll vermittelt und nicht die Angst vor Fehlern geschürt werden. Und es ist keinesfalls so, dass das Luxemburgische in den Betreuungsstrukturen zugunsten des Französischen vernachlässigt wird.“