LUXEMBURG
MARCO MENG

Unterschiedliche Ansichten prallten gestern bei der Stahltripartite aufeinander

In trauter Einigkeit verlief sie nicht, die gestrige Stahltripartite-Sitzung. Für geraume Zeit hatten sich Vertreter von ArcelorMittal, Gewerkschaften und Regierung gestern wieder zu Gesprächen getroffen. Dabei wurden zum Teil sehr unterschiedliche Auffassungen gewahr, wie aus den danach abgegebenen Stellungnahmen hervorgeht.

Laut LCGB-Verhandlungsführer Robert Fornieri hat die zweistündige Unterredung nicht viel mehr ergeben als dass für die kommenden Wochen mehrere Verhandlungsrunden zwischen ArcelorMittal und den Arbeitnehmervertretern anstehen, um sich bis zur nächsten Tripartite Mitte oder Ende Oktober doch noch anzunähern.

Neue Vereinbarung nötig?

Ziel der immer wieder stattfindenden Treffen ist, die Stahlbranche in Luxemburg und die Arbeitsplätze zu sichern. ArcelorMittal ist mit knapp 4.200 Mitarbeitern der zweitgrößte private Arbeitgeber im Land. Bis Anfang des Jahres war der Stahlhersteller noch der größte Arbeitgeber. Einer der Knackpunkte ist nun, ein neues Abkommen auszuhandeln, das nach Wunsch der Gewerkschaften LCGB und OGBL die ArcelorMittal-Standorte in Luxemburg sichern soll. 2012 war die dieses Jahr ablaufende Vereinbarung „Lux2016“ geschlossen worden, in der sich ArcelorMittal verpflichtete, bis zu 400 Millionen Euro in die luxemburgischen Werke zu investieren, während der Staat rund 60 Millionen Euro zur Sicherung der Arbeitsplätze beisteuerte.

Für ein neues Abkommen mit dazugehörigem Investitionsprogramm sieht der Stahlkonzern im Gegensatz zu den Gewerkschaften keinen Anlass. Das Unternehmen selbst wollte gestern keinen Kommentar zu den Gesprächen abgeben, sondern verwies auf seine Stellungnahme vom Sommer, wonach sich ArcelorMittal im Plan mit seiner „Strategie 2020“ sieht. Die Beschäftigungslage sei stabil, auch sei keine Änderung bei der Vorruhestandsregelung nötig, so der Konzern. Während in die Standorte Belval und Differdingen kräftig investiert wurde und die Werke gut laufen, seien andere Standorte wie Rodingen, Düdelingen oder Dommeldingen aber nicht ausgelastet, erklärte gestern OGBL-Sekretär Jean-Claude Bernardini dem „Journal“. Bernardini verwies dabei auf die Tatsache, dass inzwischen das größte „Werk“ von ArcelorMittal in Luxemburg die Verwaltung sei.

Wenn sich der Konzern nun international umstrukturiere - was, wenn das zu Einschnitten in der Administration oder gar einer wie auch immer gearteten Auslagerung führe? Laut Bernardini ist es jedenfalls zu früh zu sagen, „wir brauchen keine neue Vereinbarung“. Ob die nun „Lux2020“ oder „Lux2017“ heiße, bleibe dahingestellt, auch sei klar, dass in den nächsten Jahren wohl keine riesigen Investitionen mehr in Luxemburg getätigt werden. Laut Bernardini liegen die Positionen zwar noch auseinander, es gebe aber Möglichkeiten, zur Einigung zu finden.