MONT ST. MICHEL
HELMUT WYRWICH

Die Fluggesellschaft ist nicht nur durch Italien-Flüge vom Coronavirus betroffen - IATA warnt

Was heute gilt, ist morgen nicht mehr richtig. Fliegen auf kurze Sicht ist angesagt in der Luftfahrtbranche. So waren am Mittwochvormittag bereits 20 Flüge auf dem Luxemburger Flughafen Findel gestrichen. Ob alle 20 für den Nachmittag geplanten Flüge wirklich stattfinden würden, war so sicher nicht.

Von den 20 gestrichenen Flügen entfielen alleine zehn auf die Luxair. Kopenhagen, Mailand, Genf und London City wurden nicht mehr angeflogen. Nach Italien führt die Luxair in dieser Woche noch zwei Flüge durch. „Wir müssen die Leute da rausholen“, sagte der Sprecher der Gesellschaft, Joe Schroeder. Danach werden die Destinationen Rom, Mailand, Venedig bis zum 3. April nicht angeflogen. Wer Flüge für diese Orte für diesen Zeitraum bei der Luxair gebucht hat, der „bekommt sein Geld zurück“, versichert Schroeder gegenüber dem „Journal“.

Streichungen von Flügen

Neben Luxair hatten am Mittwoch die Lufthansa, Swiss und Alitalia Flüge nach München, Frankfurt, Zürich gestrichen. Die Luxair strich Flüge nach Genf, nach Kopenhagen, nach Rom, nach Mailand und drei Flüge nach London City. Sie halbierte damit ihr tägliches Angebot nach London City. „Die Leute fliegen nicht mehr. Die Auslastung der Maschinen ist nicht mehr gegeben“, sagt Schröder. London, Genf, Kopenhagen werden Collateralschäden der Coronavirus-Epidemie.

Noch nicht betroffen zeigten sich Gesellschaften wie Ryanair, Easy Jet, Volotea, Lot oder British Airways, die ihre Flüge nach London, Warschau oder Barcelona am Mittwoch früh noch plangemäß durchführen wollten.

Luxair ist in vielfältiger Weise von der Epidemie betroffen. Schroeder: „Bei Luxair Tours haben sich die Buchungen verlangsamt. Es sieht aber nicht so aus, als ob es einen drastischen Einbruch bei den Buchungen gibt. Die Leute buchen weiter ihre Reisen, auch Tunesien und Ägypten werden weiter gebucht.“ Schroeder gibt sich allerdings keinen Illusionen hin: „Die Situation ist schwierig. Die Airline leidet und der Tourismus leidet“.

Cargo und Flughafen betroffen

Es leiden auch der Cargobereich und der Flughafen. Nach Luxair-Angaben hat es zweitweise Einbußen bis zu 20 Prozent im Cargogeschäft gegeben, die im wesentlichen auf das China-Geschäft zurückgehen. Cargolux selbst war am Mittwoch nicht zu erreichen, um Auskünfte über die Entwicklung des Geschäftes zu geben.

Italiens Flughäfen am stärksten betroffen

Die Flughäfen selber verzeichnen erhebliche Einbußen. Nach Aussage der Vereinigung der europäischen Flughäfen (ACI) hat es 13,5 Prozent weniger Passagiere im ersten Vierteljahr 2020 gegeben. Die Vereinigung ist die Dachorganisation für 500 Flughäfen in 46 Ländern. Am meisten ist Italien betroffen. Schon vor der Abschottung des Landes haben die italienischen Flughäfen 60 Prozent weniger Passagiere als im Vorjahr abgefertigt. Generaldirektor Olivier Jankovic meint, dass Italien darauf achten müsse, nicht gänzlich vom internationalen Flugverkehr abgehängt zu werden. „In ganz Europa breitet sich eine Schockwelle für unsere Industrie aus“, sagt er. Die Organisation hatte für 2020 noch eine Steigerung von 2,3 Prozent bei den Passagierzahlen vorausgesagt. Jetzt geht sie davon aus, dass es einen Einbruch von 7,5 Prozent gibt.

In Luxemburg herrscht Ahnungslosigkeit über die wirtschaftlichen Auswirkungen beim Flughafen. Über Zahlen zur Entwicklung des Passagieraufkommens im ersten Vierteljahr 2020 verfüge sie nicht, bedauerte eine Sprecherin der Flughafengesellschaft gegenüber dem „Journal“. Auch über die Gebühren, die auf die Luxair zukommen, wenn eine Bombardier Q400 einen ganzen Tag auf dem Vorfeld geparkt steht, gab es keine Auskunft.

Lufthansa streicht 23.000 Flüge weltweit

Während die Fluggesellschaft Luxair nach Aussage ihres Sprechers mit einer Sichtweite von „Tag zu Tag“ arbeitet, gehen internationale Fluggesellschaft völlig anders vor. Die deutsche Lufthansa kündigte am Mittwoch für die Zeit vom 29. März bis zum 25.9. April die Streichung von insgesamt 23.000 Flügen für alle Gesellschaften der Lufthansa-Gruppe an. Die Flug-Streichungen gelten für Europa, Asien und den mittleren Orient. Mit der Aufteilung auf die gesamte Gruppe mit Brussels Airline, Swiss und Austrian Airline soll, so eine Mitteilung des Unternehmens, bewirkt werden, Ziele auf allen Kontinenten mit einer Gesellschaft der Gruppe von den Hubs in Brüssel, Frankfurt, München, Zürich und Wien bedient werden können. Lufthansa hat überdies bereits etwa die Hälfte der Flotte außer Dienst gestellt. So bleibt die gesamte Flotte der Airbus 380 auf dem Boden. Einstellungen werden vorerst nicht vorgenommen angesichts des Virus sind die Fortbildungskurse gestoppt worden. Wer immer will, kann bei der Lufthansa ab sofort in einen unbezahlten Urlaub gehen. Bei Air France/KLM geht man davon aus, dass es zwischen Februar und April eine Mindereinnahme von bis zu 200 Millionen Euro geben wird. Air France hat wie Lufthansa die Einstellungen, Dienstreisen, Seminare, Beratertätigkeiten eingestellt. Werbe- und Marketing- Aktionen werden verschoben.

IATA: Milliardenverluste

Für die großen Fluggesellschaften stehen Milliardenverluste ins Haus. Die internationale Luftfahrt-Vereinigung (IATA) hatte in einer ersten Verlautbarung für 2020 mit Verlusten von 28 Milliarden US Dollar allein im asiatisch-pazifischen Raum gerechnet, sich dabei aber auf Berechnungen der SARS-Epidemie gestützt, die allerdings nicht einen den Globus umspannenden Wirkungskreis hatte wie dies nun beim Corona Virus der Fall ist.

Neuerdings geht die IATA von zwei unterschiedlichen Szenarien aus. Bei einer begrenzten Epidemie sollte der Schaden bei etwa 63 Milliarden US Dollar liegen, sprich einen Verlust von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. In einem wahrscheinlicheren Szenario geht die IATA von einer Situation wie während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 bis 2009 aus. Der Verlust würde demnach bei 19 Prozent liegen. Die Fluggesellschaften weltweit müssten mit Einbußen von 113 Milliarden US-Dollar rechnen. Das wiederum könnte bedeuten, dass Fluggesellschaften in den Konkurs gehen würden und vom Markt verschwänden.