LUXEMBURG
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„City Museum“ zeigt eine besondere Leihgabe aus der Wiener Albertina

Luxemburg Wie viele Stunden Wenzel von Callot wohl damit verbracht haben muss, vom Fort Obergrünewald aus eine Panoramasicht der Festungsstadt Luxemburg zu zeichnen? Auf 213 mal 35 Zentimetern hielt der österreichische Artillerieoffizier und spätere Generalmajor „Auf Hohen Befehl Ihro Durchlaucht General Feld Maréchal Fürsten von und zu Lichtensteinn“ detailreich mit Feder und Tinte fest, was sich ihm zeigte. Nicht ohne allerdings das zu tun, was viele Zeichner seiner Zeit machten: die Festungswerke noch imposanter, die Kirchtürme noch höher und die Gärten und Parks noch schöner zu zeichnen.

Erst vor kurzem wurde das Panorama mit dem Titel „Prospect dr Niederlaendischen Haupt= und Graentz Vestung Luxembourg“ im Wiener Kunstmuseum Albertina entdeckt, das mit über einer Million Werken eine der bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt beherbergt.

Die österreichische Zeit

Nun ist Callots Zeichnung noch bis zum 19. April in der ständigen Sammlung des „Lëtzebuerg City Museum“ zu bestaunen. Gestern stellten Direktor Guy Thewes und Kurator Gilles Genot die besondere Leihgabe aus Wien im Beisein von Bürgermeisterin Lydie Polfer und Mitgliedern des Schöffen- und Gemeinderats die besonders Leihgabe aus Wien vor. Anschließend gab Thewes eine Konferenz über den Alltag in der Festungsstadt im 18. Jahrhundert. Damals herrschten hier die Habsburger, die nach dem Spanischen Erbfolgekrieg 1714 die Gebiete der heutigen Niederlande, Belgiens und Luxemburgs dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation einverleibten.

Die Festung Luxemburg bliebt österreichisch bis zur Eroberung und Annexion durch Frankreich 1794. Das erlebte Wenzel von Callot nicht mehr. Er war 1785 im Alter von 80 Jahren verstorben.

Von bürgerlicher Herkunft, trat Wenzel Callot mit 30 Jahren in die Dienste der österreichischen Artillerie, wo er 1753 Major wird. Zusammen mit seinem Bruder Karl wurde er 1765 durch die Kaiserin Maria-Theresia geadelt. Nachdem er sich im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) ausgezeichnet hatte, wurde er zum Oberstleutnant befördert und wird Befehlshaber des Bezirks Mechelen in den ehemaligen Niederlanden. 1767 wurde er in den Generalsrang erhoben.