LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Ein Überblick über das, was sich im Land in Sachen Startups tut

Luxemburg will eine Startup-Nation sein - und befindet sich damit im Wettbewerb mit anderen. Vor allem attraktive Städte wie London, Paris, Berlin, Dublin oder Barcelona buhlen um die jungen Gründer, immer in der Hoffnung, dass die die Wirtschaft diversifizieren, junge Leute anziehen und für Arbeitsplätze sorgen, die es auch morgen noch gibt. Bislang ist besonders London sehr attraktiv. Ob das mit dem Brexit so bleibt?

Luxemburg arbeitet jedenfalls seit langem daran, mehr Unternehmen anzuziehen. So zieht Anfang April das erst vor einem Jahr gegründete „Luxembourg House of Financial Technology“ in das neue „House of Startups“, das außerdem auch noch „Nyuko“ und den „Luxembourg City Incubator“ empfängt. Hier sollen mal 150 bis 200 Startups logieren. Darüber hinaus haben die Handelskammer und die Handwerkskammer eigene Beratungsstrukturen, gibt es halb öffentliche und private Initiativen und Inkubatoren wie den Technoport und jede Menge weiterer Initiativen. Die reichen vom „Fintech Award“ von KPMG über den „Startup World Cup“ von EY bis zum „House of Biohealth“ oder dem „House of Training“. Mit „Silicon Luxembourg“ haben die Startups auch so etwas wie eine Plattform. Das Netzwerk „InnoHub Luxemburg“ soll darüber hinaus aus dem Großherzogtum einen regelrechten Brutkasten für Startup-Unternehmen machen. Schon sehr lange ist „Luxinnovation“ aktiv, das sich mit Clustern auf bestimmte Branchen konzentriert. Programme wie „Bee Creative“ und „Fit4Entrepreneurship“, „Startup Box“, „Fit4Start“ oder „Plug&Play“ dienen zur Förderung des Unternehmergeistes und zur Unterstützung von angehenden Unternehmensgründern. Seit Januar 2018 gibt es den „Innovation Hub Diddeleng“, der sich auf Umwelttechnologie konzentriert. Auch Differdingen ist längst auf den Geschmack gekommen: dort steht der Inkubator „1535°“. Für Sozialunternehmen ist „6zero1“ in Differdingen gedacht. Hinzu kommen Initiativen wie der „InCub“ von Paul Wurth, letzterer zielt auf die Industrie ab. Seit März dieses Jahres hat die Universität ihren eigenen Inkubator für gründungswillige Studenten, den „Luxembourg Incubator“. Vodafone hat 2016 gemeinsam mit dem Technoport den Inkubator „Tomorrow Street“ gegründet.

Gleichzeitig gibt es Anstrengungen, genug Geld zur Verfügung zu stellen. Die Europäische Investitionsbank ist mit dem „Venture Debt Summit“ aktiv, aber auch das „Luxembourg Business Angel Network“, „Expon Capital’s Digital Tech Fund“ und der „Luxembourg Future Fund“ sind Anlaufstellen. Der Staat schuf 2016 den „Digital Tech Fund“. Der rechtliche Rahmen ist solide und stellt mit der „s.à r.l. simplifiée“-Rechtsform, einer vereinfachten GmbH, ein weiteres Instrument zur Verfügung. Auch die Nationale Kredit- und Investitionsgesellschaft (Société nationale de crédit et d’investissement, SNCI) hat Angebote für junge nationale und internationale Startups.

Das zeitigt Ergebnisse. Gab es laut offiziellen Zahlen 2003 noch rund 2.400 Startups, stieg der Wert bis 2014 auf 3.500. Unklar ist hierbei, was als Startup gerechnet wird und wieviel von diesen tatsächlich überleben. Dennoch verweisen offizielle Stellen gern darauf, dass das Wachstum von 9,1 Prozent in diesem Zeitraum das von Deutschland mit sieben Prozent und Belgien mit fünf Prozent überstieg. Stärker waren Großbritannien mit 14,1 Prozent und Dänemark mit elf Prozent.

Auf nach London

Trotz Brexit: London behält Europas Startup-Krone vor Berlin

Frankfurt/Berlin Trotz Unsicherheit um den Brexit bleibt London laut einer Studie Europas erste Adresse für Startups. Investoren steckten 2017 rund 4,9 Milliarden Euro in junge Wachstumsfirmen in der britischen Hauptstadt.

Damit lag London klar vor der deutschen Gründermetropole Berlin (3,0 Milliarden), die aber Paris hinter sich ließ mit 2,0 Milliarden. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Beratungsgesellschaft EY hervor. Mit München auf Platz neun sei eine zweite deutsche Stadt in Europas Gründerspitze.

Im vergangenen Jahr pumpten Kapitalgeber demnach die Rekordsumme von 19,2 Milliarden Euro in europäische Wachstumsfirmen - 84 Prozent mehr als im Vorjahr. „Die Bereitschaft, auch sehr hohe Summen in Startups zu investieren, ist spürbar gestiegen“, sagte EY-Experte Peter Lennartz. Das liege auch an den starken Börsen, die Investoren lukrative Ausstiegschancen böten, wenn sich Firmen durchsetzen.

2017 behauptete sich Großbritannien auch im Landesvergleich an der Spitze. Die Investments in britische Wachstumsfirmen stiegen auf 6,4 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr (2,7). Derzeit werde in die breit aufgestellte Startup-Szene sogar mehr investiert als vor dem Brexit-Votum, erklärte Lennartz. Wenn die Folgen des EU-Ausstiegs klar seien, könne sich das aber ändern.

Deutsche Gründer warben mit rund 4,3 Milliarden Euro deutlich mehr ein als im Vorjahr mit 2,3 Milliarden. Damit lagen sie vor der Konkurrenz aus Frankreich (2,6 Milliarden). Hierzulande stecken Konzerne zunehmend Geld in Startups, um neue Ideen und Technologien zu gewinnen. So bekam der Berliner Lieferdienst Delivery Hero 2017 große Finanzspritzen vor seinem Börsengang. Am Dienstag wurde zudem bekannt, dass die Online-Bank N26 rund 160 Millionen Dollar von Investoren erhält, darunter der Versicherer Allianz. DPA

Fintech-Awards: Jetzt bewerben

Luxemburg Startups aus dem Fintech-Bereich sind aufgerufen, sich für die „Fintech Awards“ zu bewerben. Neben Preisen gibt es auch Zugang zu interessanten Netzwerken und führenden Köpfen. Mitgründer Georges Bock, der bei KPMG für den Bereich Steuern verantwortlich ist, freut sich über die dritte Auflage der Ausschreibung. „Das ist zu einem Event in der Szene, im Land und darüber hinaus geworden.“ Der zweite Ausrichter neben KPMG ist das „Luxembourg House of Financial Technology“ (LHoFT). Dessen CEO Nasir Zubairi weiß: „Die Luxemburger Finanzindustrie hungert nach Lösungen im Zusammenhang mit Fonds, Versicherungen, Privatbanken, Daten, künstlicher Intelligenz und dem regulatorischen Rahmen.“ Die Preise sorgen auch für Sichtbarkeit, unterstreicht Bernadette Wijnings, die vergangenes Jahr den „Women in Fintech Award“ erhielt.

Bewerber können sich noch bis zum 1. Mai 2018 melden. Ende Juni findet eine Auswahlrunde statt, bei der sieben Finalisten übrig bleiben. Diese kämpfen dann um den Titel „Fintech Startup des Jahres“. Auch die Teilnehmer auf Platz zwei und drei werden ausgezeichnet. Die Gewinner werden am 20. Juni in Anwesenheit von Premier Xavier Bettel und Finanzminister Pierre Gramegna bekannt gegeben. Organisiert werden die „Fintech Awards“ von KPMG Luxemburg und LHoFT.

Adressen für Gründer

In Luxemburg gibt es immer mehr Adressen für Gründer - so viele, dass der Platz hier nicht reicht.

Deshalb haben wir eine Auswahl zusammengestellt. Mehr Informationen und Links gibt es bei fast allen dieser Anlaufstellen. Allein in den ersten Monaten dieses Jahres kam es zu mehreren Eröffnungen, weitere stehen an.

House of Entrepreneurship - One-Stop Shop

14, rue Erasme | L-1468 Luxemburg

Tel. 42 39 39 - 330

www.houseofentrepreneurship.lu

Eine Anlaufstelle für alle Fragen: Das ist die Idee. Hierher kommt, wer Pläne für Gründung oder Übernahme, neue Tätigkeiten oder Entwicklungen hat. Angesprochen sind Selbständige ebenso wie Unternehmen oder Gründer. Auch bei Fragen des Exports, der Digitalisierung oder bei Bürgschaften gibt es Hilfe. Landesweite Förderung des Unternehmertums und des Unternehmergeistes einerseits und die Vereinfachung des damit verbundenen Verwaltungsaufwands andererseits sind das Ziel. Partner der im Oktober 2016 eröffneten Einrichtung sind die Handelskammer und das Wirtschaftsministerium. Auf der Webseite gibt es bereits viele Informationen in drei Sprachen.

Team „Contact Entreprise“ der Handwerkskammer Luxemburg

2, Circuit de la foire internationale | L-1347 Luxemburg-Kirchberg

contact@cdm.lu

Die Anlaufstelle für Unternehmer aus dem Handwerk, die sich Fragen stellen zur Übernahme, Finanzierung oder Gründung. Auf der Webseite finden sich bereits viel Information auf Französisch und Deutsch sowie konkrete Ansprechpartner.

House of Startups

Rue du Laboratoire | Luxemburg

www.host.lu

Das „House of Startups“ ist eine Initiative der Handelskammer und der Stadt Luxemburg. Es soll eine gemeinsame Struktur werden, die im April in die Räume des „Dôme“-Gebäudes nahe des Bahnhofs zieht und im Juni eröffnet werden soll. Geplant sind Räume für 150 bis 200 Startups auf 4.200 m². Das seit einem Jahr bestehende „Luxembourg House of Financial Technology“ (LHoFT) soll hier ebenso einziehen wie der Inkubator „Nyuko“ und der „Luxembourg City Incubator“.

Luxembourg House of Financial

Technology (LHoFT)

14, rue Erasme | L-1468 Luxemburg

Tel. 27 75 02 10

www.lhoft.com

Die „LHoFT Foundation“ ist eine Initiative aus dem öffentlich-privaten Sektor, die Technologieinnovationen für die Finanzdienstleistungsbranche in Luxemburg fördert. Weitere Partner der LHoFT-Initiative sind die Handelskammer, die Stadt Luxemburg sowie die Universität Luxemburg. Zudem wird die Initiative vom Finanz-, Wirtschafts- und Staatsministerium unterstützt. Das LHoFT ist seit einem Jahr aktiv und zieht ins „House of Startups“. Bislang beherbergt es 15 Startups bei sich und betreut insgesamt 30 unter der Leitung von Nasir Zubairi.

Nyuko

121, rue de Hollerich | L-1741 Luxemburg

Tel. 28 84 08-1

www.nyuko.lu

Das „Public Private Partnership“ entstand vor über 15 Jahren aus den Initiativen „1,2,3 GO“ und“ 1,2,3 GO Social“ der Handelskammer sowie des „Coworking-Space“ „Impactory“. Unter der der Leitung von Martin Guérin hat es über sieben Millionen Euro an Kapital aufgetrieben und mehr als 400 Projekte unterstützt. Es wird in das „House of Startups“ ziehen.

House of Training

7, rue Alcide de Gasperi | L-2014 Luxemburg

Tel. 46 50 16 - 1

www.houseoftraining.lu

Entstand 2015 aus der Fusion der Aus- und Weiterbildungsstrukturen der Handelskammer mit denen des Bankenverbandes („Association des Banques et Banquiers Luxembourg“ (ABBL)), nämlich der LSC und der IFBL.

House of BioHealth

29, rue Henri Koch | L-4354 Esch-Sur-Alzette

Tel. 26 68 73 17

www.houseofbiohealth.lu

Das „House of Biohealth“ ist das Resultat der Zusammenarbeit zwischen dem Wirtschaftsministerium, dem Gewerbegebiet ZARE, bei dem drei Gemeinden betroffen sind, und privaten Investoren und bietet Unternehmen aus dem Bereich Biohealth Platz. Geplant sind drei Gebäude. Ein erstes ist zu 90 Prozent ausgelastet, ein zweites wurde im Januar 2018 eingeweiht.

Luxinnovation

5, Avenue des Hauts-Fourneaux | L-4362 Esch-sur-Alzette

Tel. 43 62 63-1

www.luxinnovation.lu www.start-up.lu

Die staatliche Agentur für Innovation arbeitet mit Clustern zu verschiedenen Sektoren, bietet aber auch spezielle Programme für Gründer an, ebenso wie Wettbewerbe. Genannt seien hier „Fit4start“, „Start-up-Box“ und „Plug&Play“.

InnoHub

21, rue de Pont-Rémy | L-2423 Luxemburg

www.innohub.lu

Die Privatunternehmen „Exxus“, „MindForest“ und „Ines Media“ haben diesen Inkubator mit der Unterstützung von zehn weiteren Unternehmen gegründet. Von der luxemburgischen Regierung und dem „Interdisciplinary Centre for Security, Reliability and Trust“ (SnT) der Universität Luxemburg unterstützt, richtet sich diese Initiative an junge Unternehmen, die die erste Phase der Unternehmensgründung bereits hinter sich haben. Die Idee ist es, weltweit interessante Start-ups zu finden, sie zu kontaktieren und sie gegebenenfalls zu unterstützen.

Paul Wurth InCub

5, rue de l’industrie | L-1811 Luxemburg

indu.tech

2016 vom Anlagenbauer entwickelt, umfasst „InduTech“ Unternehmen, bei denen auf die Industrie angewendete innovative Lösungen im Mittelpunkt stehen. Das reicht von der Industrie 4.0 (Internet der Dinge, „Big Data“, „Clouds“) über „Clean Tech“ (Wasseraufbereitung, Rückgewinnung von industriellen oder chemischen Nebenprodukten) bis hin zur Robotik und zum Management natürlicher Ressourcen. Es besteht eine Partnerschaft mit der „Banque Internationale à Luxembourg“.

Technoport

9, Avenue des Hauts-Fourneaux | L-4362 Esch-sur-Alzette

Tel. 54 55 80 - incubator@technoport.lu

www.technoport.lu

Inkubator für technologische Unternehmen, der 2012 aus der Zusammenlegung des Inkubators des Forschungszentrums Henri Tudor von 1998 und der 2004 vom Wirtschaftsministerium gegründeten Strukturen „Ecostart“ I und II entstand.

Luxembourg Incubator (Universität)

6A, Avenue des Hauts-Fourneaux | L-4365 Esch-sur-Alzette

incubator.uni.lu

Im März 2018 in Belval eröffnetes Gründerzentrum, das interessierte Studierende und Forscher der Universität dabei unterstützen will, unternehmerische Fähigkeiten und Kompetenzen zu entwickeln, ihre eigenen Geschäftsideen zu entwickeln und ihr eigenes Unternehmen in Luxemburg zu gründen.

Nationale Kredit- und Investitionsgesellschaft (SNCI)

7, rue du Saint Esprit | L-1475 Luxemburg

Tel. 46 19 71-1

www.snci.lu

Staatliche Finanzierungs- und Beteiligungsgesellschaft, die eigentlich mittel- und langfristig finanziert, aber auch Programme für Start-ups hat. Gemeinsam mit dem Europäischen Investmentfonds (EIF) wurde das Programm „Luxembourg Future Fund“ finanziert.