LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Katasteramt stellt neueste digitale Karten auf Basis von LiDAR-Daten vor

Wo vor 200 Jahren noch die Geometer über Land zogen und mit gutem Auge, Peilstäben und mathematischen Tricks Landkarten erstellten, seit gut hundert Jahren dank Flugzeugen Luftbilder als Grundlagen für Landkarten dienten und noch bis gestern Orthofotos (digitale Luftbilder mit einer Genauigkeit von 10 cm) als das Nonplusultra für Katasterämter und Topograhiedienste galten, bildet heute eine „Punktwolke“ die Basis aller nationalen Geodaten. Dieses LiDAR genannte Verfahren ermöglicht im Zusammenspiel mit den Orthofotos superdetaillierte Karten.

Brutal vereinfacht wird für dieses System ganz Luxemburg mit einem Netz von 80 Milliarden - kein Schreibfehler - Punkten überzogen, um das Land so detailliert wie möglich darstellen zu können. Die Presseerklärung des Katasteramtes (Administration du cadastre et de la topographie) erklärt das System ganz genau: „Ein LiDAR-System (Light Detection And Ranging), auch noch als „Airborne Laserscanning“ bezeichnet, besteht aus einem (Infrarot-)Laser sowie einem Sensor und bestimmt mittels Laser- Entfernungsmessung die dreidimensionalen Punktkoordinaten der Erdoberfläche in Dezimetergenauigkeit. Die Erdoberfläche wird mit Hilfe eines gebündelten Laserspots mit max. 0,3m Ausdehnung am Boden abgetastet. Die Messung der Signallaufzeiten ermöglicht die Berechnung der dreidimensionalen Position aller reflektierenden Objekte. Die digitale Darstellung vom ganzen Land zählt somit ungefähr 80 Milliarden 3D-Punkte, mit im Mittel 15 Punkten pro Quadratmeter ausgehend vom Laser (ein Laserimpuls ergibt mehrere Punkte in der Auswertung).“

Grundlage einer gesicherten Raumplanung

Innerhalb von acht Tagen wurden dafür 5.595 Flugkilometer über Luxemburg zurückgelegt. Diese hohe Zahl kam dadurch zustande, dass das Land in Streifen von 500 Meter Breite erfasst wurde. Das entspricht 144 Überflügen in Nordwest-Südost-Richtung in Höhe von etwa 1.100 Metern. Die Laserpunkte scannen nicht nur Boden und Gebäude, sie erkennen auch was sie scannen: Boden, Gebäude, Vegetation (in drei Höhen), Brücken, Wasser, Hochspannungsleitungen und „nicht klassifiziert“.

Warum betreibt man nun diesen Aufwand? Nicht nur weil man es kann. Präzise Geodaten und Karten sind Grundlage einer gesicherten Raumplanung, bei den Vereinten Nationen (UN) geht man noch weiter und spricht von „sustainable development goals“. Nur gute Pläne sind eine ordentliche Basis für politische Entscheidungen. Der Clou an der Sache liegt darin, dass diese superpräzisen Daten in Luxemburg nicht nur ein paar Planungsbeamten zur Verfügung stehen oder teuer an Stadtplaner verkauft werden. Ganz im Gegenteil: Über das nationale Geoportal (geoportal.lu) stehen die Daten jedermann zur Verfügung, ebenso wie über die offene Datenplattform des Staates (data.public.lu).

Das Katasteramt hat als eine der ersten Verwaltungen voll auf online-Dienste gesetzt. So kann man beispielsweise Katasterauszüge - die auch der Normalbürger gelegentlich braucht - gratis über das Geoportal anfordern. Das digitale Dokument entspricht dabei dem Papierauszug.

www.geoportal.lu - www.act.public.lu