LONDON
NIC. DICKEN

Roadshow der Fondsvereinigung ALFI im Zeichen der AIFM-Direktive

Mehr als 700 Anlageberater und Fondsexperten, darunter etwa 160 aus Luxemburg, hatten sich gestern zur ganztägigen Konferenz der luxemburgischen Fondsvereinigung ALFI eingefunden, die erstmals im Queen Elizabeth II Conference Center mitten im Regierungsviertel der britischen Hauptstadt veranstaltet wurde. Diese Roadshow der ALFI in London hat schon eine längere Tradition und allein die Zahl der Jahr für Jahr steigenden Teilnehmer macht deutlich, dass Luxemburg mit seinen Finanz- und Fondsaktivitäten am mittlerweile größten Finanzzentrum der Welt durchaus ernst genommen wird.

Die Tagung stand ganz besonders im Zeichen der neuen AIFMD (Alternative Investment Managers Directive) der EU. Die im Juli dieses Jahres in Kraft treten soll, die aber zuvor wie üblich von den jeweiligen nationalen Parlamenten gutgeheißen werden muss. Zur Eröffnung der gestrigen Konferenz hatte sich einmal mehr auch der luxemburgische Finanzminister Luc Frieden eingefunden, der denn auch klarmachte, dass sich die entsprechende EU-Verordnung in Luxemburg auf dem Instanzenweg befinde und die Umsetzung der für den Fondsplatz Luxemburg sehr wichtigen Bestimmungen rechtzeitig vorgenommen werden kann.

Frieden betonte, diese AIFM-Direktive, die vor allem Private Equity- (nicht börsennotiert Beteiligungen), Immobilien- und Hedgefonds umfasst, ergänze wirkungsvoll das bereits bestehende Regulierungsinstrumentarium der UCITS-Bestimmungen. Sie hätten für die weltweite Vermarktung der entsprechenden Fonds zu einem großen Erfolg geführt. Vor allem auch Luxemburg habe früh davon profitieren können.

Fondsbranche mit Standhaftigkeit

Logischerweise erwarte man sich nun ebenfalls die Erschließung neuer Geschäftsfelder, die aber in erster Linie den interessierten Anlegern eine größere Sicherheit bieten sollte. Ganz kurz nur streifte Frieden die massiven Vorwürfe, die in den letzten Tagen gegen den Finanzplatz Luxemburg erhoben wurden und die eher medialen Hirngespinsten als der realen Sachlage entsprächen.

Eher beschwichtigend und versöhnlich gab sich Daniel Godfrey von der britischen IMA (Investment Management Association), der daran erinnerte, dass sich die Fondsbranche nach der Finanzkrise relativ schnell wieder erholt habe und sich weiterhin im Wachstum befinde, was Erträge und auch Steueraufkommen garantiere. Sie nutze zudem der ganzen Wirtschaft und deshalb komme es darauf an, die Aktivitäten der Branche nicht mit übertriebenen Einschränkungen und Besteuerungen zu behindern und alles zu tun, um das Vertrauen der Anleger zu stärken.

ALFI-Präsident Marc Saluzzi erinnerte an die mannigfachen Veränderungen in der Finanzwelt seit 2008. Er unterstrich, seine Vereinigung sei bemüht dafür zu sorgen, dass die ganze Branche die für 2013 anstehenden regulatorischen Veränderungen möglichst gut verdauen kann. Die bisherige Politik und Arbeit der ALFI könne so schlecht nicht gewesen sein, denn Luxemburg nehme mit einem Marktanteil von 27% einen respektablen Platz im europäischen Fondsgeschäft ein.

Aus einem ersten Rundtischgespräch ergab sich die Einsicht, dass vor allem die individuellen Anleger im Mittelpunkt der Veränderungen und Innovationen der Branche stehen müssen und es vor allem darauf ankommt, den Wünschen und Ansprüchen dieser Kunden gerecht zu werden. Sie waren bislang von einzelnen Fondsprodukten ausgeschlossen und es sei wichtig, ihnen die Produkte möglichst gut zu erklären. Ein zweites Diskussionspanel unter Leitung von Claude Niedner, Partner der Kanzlei Arendt & Medernach, befasste sich als erstes mit der Frage nach den Auswirkungen der AIFMD-Bestimmungen auf die Branche und auf Luxemburg im besonderen. Martin Dobbins, Country Head bei State Street Bank Luxembourg, erklärte dazu, die luxemburgischen Behörden hätten für die gesetzgeberische Umsetzung der Direktive sehr eng und zufriedenstellend mit ALFI und ABBL zusammengearbeitet. Für Alain Kinsch, Country Managing Partner bei Ernst & Young Luxembourg, kommt es vor allem darauf an, die bestehenden Produkte weiterzuentwickeln und einen neuen gesetzlichen Rahmen für AIFM zu schaffen. Wichtig sei, dass sich die Gesetzvorlage eng an die Direktive hält. Den Gesetzentwurf könne man angesichts der neuen steuerlichen Transparenz als Gesamtpaket bezeichnen, das allen Aspekten gerecht werde.

John Siena, Leiter für regulatorische Fragen bei BNY Mellon London bescheinigte der luxemburgischen Regierung ein „weises Vorgehen“. Die neuen Produkte würden sich zu den bestehenden SIF’s gesellen und den Stellenwert der luxemburgischen Fondsbranche insgesamt stärken.

Neue reelle Chance für Luxemburg

Für Alex Nightingale, Direktor für Rechtsfragen bei Black Rock IM London, deckt die neue Direktive verschiedene Produkte ab. Weil die internationale Kundschaft die luxemburgischen Produkte hoch einschätze, könnte der Standort auf diese Weise zu einem neuen „hub“ für AIFM-Produkte werden. Für Peter Salvage, Managing Director bei Citi London, bedeutet die neue Direktive eine Stärkung der gesamten onshore-Fondsplätze. Dies sei besonders wichtig für die Domizilierung der Fonds, wo gerade jene Standorte punkten könnten, die über bestehende Personalreserven und fachliche Kompetenz verfügen.

Einig war man sich am Ende, dass die Fondsmanager selbst eine wichtige Rolle spielen werden bei der Lokalisierung der Fonds, dass aber auch die Kosten ein wesentlicher Entscheidungsfaktor sein werden. Am Ende komme es aber auch darauf an, wer der internationalen Kundschaft den kompetentesten und komplettesten Service zu bieten habe.