LUXEMBURG/STRASSBURG
LJ MIT DPA

Bislang noch kein Fall von Coronavirus im Großherzogtum

Die Tatsache, dass der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, den Ausbruch des neuen Coronavirus am Dienstag auf einem Expertengipfel in Genf als „Notlage für China, aber auch eine ernsthafte Bedrohung für den Rest der Welt“ bezeichnet hatte, bewog den CSV-Abgeordneten und gelernten Apotheker Jean-Marie Halsdorf dazu, sich umgehend mit einer parlamentarischen Dringlichkeitsanfrage an die Gesundheitsministerin zu richten. Sorgen machen Halsdorf vor allem die fehlenden Kontrollen auf Findel, zumal wenn man wisse, dass Luxemburg viele Besuchergruppen aus China und Asien empfange.

Paulette Lenert versuchte den CSV-Abgeordneten zu beruhigen, indem sie bemerkte, dass es momentan in Luxemburg keinen Grund gebe, in Panik zu verfallen, zumal Luxemburg keine direkte Flugverbindungen zu China habe und bei der Cargolux keine Passagiere mitfliegen würden. Fiebermessen am Flughafen mache keinen Sinn. Auch halte Luxemburg sich an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und stehe in permanentem Kontakt zu internationalen Experten. Es habe zwar eine Reihe von Verdachtsfällen gegeben, die sich aber nicht bestätigt hätten, so die Gesundheitsministerin, die sich überzeugt zeigt, dass Luxemburg bestmöglich vorbereitet ist.

EVP fordert Fragebogen bei Einreisen

Am heutigen Donnerstag nimmt Paulette LenertSondertreffen der EU-Gesundheitsminister zum Coronavirus in Brüssel teil. Die Europäische Volkspartei (EVP) hat ihrerseits gestern vor diesem Treffen im Europaparlament eine einheitliche Reaktion der EU auf das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 gefordert. Einzelne Mitgliedsstaaten gingen unterschiedlich vor, doch brauche man eine gemeinsame Strategie, sagte Fraktionschef Manfred Weber in Straßburg. Die Fraktion schlug vor, dass jeder bei der Einreise in die Europäische Union einen Fragebogen ausfüllen muss, um einer weiteren Verbreitung des Virus besser vorzubeugen. In dem Fragebogen sollten beispielsweise neben grundsätzlichen Kontaktdaten auch Reisen nach China und Asien eingetragen werden, erklärte der italienische EVP-Abgeordnete Antonio Tajani. Auch ob in den 30 Tagen vor Einreise Grippe-Symptome vorlagen, solle festgehalten werden. Falsche Angaben müssten geahndet werden, sagte Tajani.

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides betonte in Brüssel, das heutige Treffen der Gesundheitsminister könne die Koordinierung voranbringen. Alle in der EU müssten ihre Anstrengungen erhöhen und mehr Klinik- und Laborkapazitäten, Diagnosefähigkeiten und Schutzkleidung organisieren. „Viren kennen keine Grenzen und es ist Zeit, dass die EU auf diese Herausforderung eng koordiniert und geeint reagiert“, erklärte die Gesundheitskommissarin. Die EU hat bei der Reaktion auf die Virus-Epidemie generell nur wenig Kompetenz, diese liegt primär bei den Mitgliedsstaaten selbst.

Fast 100 weitere Tote in China

Das neuartige Coronavirus hat derweil in China innerhalb eines Tages erneut fast 100 weitere Todesopfer gefordert. Wie die Nationale Gesundheitskommission gestern in Peking mitteilte, kamen landesweit 97 Todesfälle hinzu. Die Zahl der Ansteckungen stieg um 2.015 Fälle. Sowohl der Anstieg der Todesfälle als auch der neu bestätigten Infektionen fiel den offiziellen Angaben zufolge etwas niedriger aus: Am Vortag waren noch 108 Todesfälle und 2.478 neue Infektionen offiziell gemeldet worden. Auf dem chinesischen Festland sind jetzt insgesamt 1.113 Tote zu beklagen.

Die Zahlen aus China sind allerdings wenig aussagekräftig, generell wird von Experten eine sehr hohe Dunkelziffer vermutet. So sind die Möglichkeiten begrenzt, auf das neue Virus zu testen. Verschiedene Verfahren werden dabei angewandt, wobei häufig auch falsche negative Ergebnisse vorkommen, wie vielfach beklagt wird. Ferner erscheint das sich wandelnde Berichterstattungssystem Chinas mit unterschiedlichen Definitionen der einzelnen Fälle besonders für lokale Stellen kompliziert. Die täglich berichteten Zahlen repräsentieren laut Experten somit eher die Fähigkeiten, Fälle zu identifizieren und zu melden, als dass sie das wirkliche Ausmaß der Epidemie darstellen.

RKI hält Pandemie für möglich

Nach Einschätzung des deutschen Robert Koch-Instituts (RKI) könnte der Erreger international in größerem Ausmaß um sich greifen. „Die globale Entwicklung legt nahe, dass es zu einer weltweiten Ausbreitung des Virus im Sinne einer Pandemie kommen kann“, heißt es in einem RKI-Bericht. Davon seien Länder mit geringen Ressourcen im Gesundheitssystem besonders stark betroffen.