LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

Ist Luxemburg fit für Krypto? - „Crypto-Challenge“ im Tramschapp

Vor nicht allzu langer Zeit wurde die Kryptoszene noch als „Geek“-Ressort belächelt, Bitcoin und Blockchain galten nahezu als Fremdwörter. Doch dies hat sich in den vergangenen Jahren drastisch geändert. So spricht nun jeder von Kryptowährungen und der Blockchain-Technologie, welche das neue Zeitalter des digitalen Seins einläuten sollen - oder besser gesagt, bereits eingeleitet haben. Nun gilt es also, den Anschluss nicht zu verpassen, und auf den Zug der Innovationen mit aufzuspringen. Schafft Luxemburg das? Kennt Luxemburgs Szene sich genug aus? Premierminister Xavier Bettel wies sich in seiner Rede am Dienstagabend bei einem Event der Anwaltskanzlei „Allen & Overy“ hoch zuversichtlich, dass das Großherzogtum sich als dieser Aufgabe gewachsen erweisen wird. Allerdings wollte man auch nicht Raum für einen „Krypto-Dschungel“ schaffen, mahnte Bettel, sodass sich für ihn die systematische Auseinandersetzung mit der digitalen Innovation und deren Regulierung als zentral erweisen.

Der Mythos Krypto

„Allen & Overy“ hatte eine „Cryptochallenge“ im hauptstädtischen „Tramschapp“ organisiert, um bezüglich des „Mythos Krypto“ aufzuklären. Michael Jackson, Keynote-Speaker des Abends und Partner bei Mangrove Capital, wusste es jedoch, den Finger in die offene Wunde Luxemburgs zu legen. In einem ansprechenden Vortrag berichtete er über die ersten Anfänge und Bewegungen der Krypto-Systeme, vor allem, was die Tokenisierung und die „Initial Coin Offerings“ (ICO) anbelangt. Eine ICO beschreibt eine Art der Kapitalbeschaffung, die bezüglich der Ausführung von Projekten, wie beispielsweise Kryptowährungen und „Utility Coins“, vorgenommen wird. Ähnlich wie bei einem Börsengang bietet eine Firma Investoren einen Teil ihrer „Token“ zum Kauf an, die zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht öffentlich gehandelt werden können. Durch diesen finanziellen Vertrauensvorschuss kann für die weitere Entwicklung des Projekts entsprechendes Kapital gesammelt werden.

Das Großherzogtum hinkt hinterher

Jackson präsentierte nun einige solcher Projekte, die es schafften, von einer anfänglichen, waghalsig erscheinenden Grundidee zu einem laufenden und gewinnbringenden Business zu werden. Als bestes Beispiel hierfür nannte er „Safecoin“, dessen Initiator Jackson vor Jahren zunächst belächelte. Mittlerweile konnte das Projekt aber Finanzmittel von circa sechs Millionen Dollar einbringen. Dies nur als Beispiel für die Chancen, die mit der neuen Welle von „Tokens“, „Coins“ und „Blockchain“ rüberschwappen. Dass seit kurzer Zeit immer mehr Leute das Potential dieser neuen Digitalität entdecken, konnte Jacksons geografische Darstellung der bis dato 1.500 lancierten ICO’s weltweit deutlich unterstreichen. Insgesamt wurden bereits rund sechs Milliarden Dollar durch ICO’s aufgebracht, vorwiegend in Asien, Nordamerika und Europa. „Wo bleibt da Luxemburg?“, fragt Jackson. „Warum gibt es noch keine großherzoglichen Tokens? Das Großherzogtum hinkt hinterher“, gibt Jackson zu bedenken. Dabei gäbe es hierzulande doch auch gute Möglichkeiten, um Geschäftsmodelle rund um Handelsplattformen, digitale Vermögensverwaltung oder auch Regulierungsberatung für ICOs und ähnliche Bedürfnisse der Kryptowelt auf die Beine zu stellen. „Die Jugend Luxemburgs muss nachziehen, sie muss sich der Ausarbeitung neuer Projekte und Produkte widmen, damit ihr Land in der kommenden Zeit als zukunftsfähig, innovativ und wohlstandssichernd gelten kann.“

Doch einiges tut sich dennoch hierzulande. So haben sich mit „Bitstamp“ und „Bitflyer“ bereits zwei Handelsplattformen einen Sitz in Luxemburg gesichert, wodurch sich reger Austausch mit den States oder Japan ergibt. Die Geschäftsführer von „Bitflyer“ präsentierten ihrerseits im „Tramschapp“ ihr Unternehmen, und Alexandre Azoulay von „SGH Capital Paris“ und Yannick Arbaut, Anwalt bei ‚Allen & Overy“, gaben Wissenswertes bezüglich der Risikokapitalverwaltung anhand des „Fluid“-Sicherheitstokens preis. Motivation für die nahezu unerschöpflich erscheinenden Möglichkeiten des digitalen Geldes 2.0.