LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Michel Wurth nimmt „ein bisschenAbschied“ von ArcelorMittal

Er ist seit dreieinhalb Jahrzehnten auf höchster Ebene und sehr eng mit der luxemburgischen, europäischen und weltweiten Stahlindustrie verbunden: Etwas überraschend, aber dafür keineswegs konzeptlos kündigte Michel Wurth, Mitglied im Direktionsrat des weltgrößten Stahlkonzern ArcelorMittal mit Sitz in Luxemburg seinen Rücktritt aus dem Tagesgeschäft des Unternehmens an. Er werde demnächst 60 Jahre alt und wolle dementsprechend seine Lebensgestaltung ein wenig verändern.

Dass es eher ein Abschied auf Raten wird, lässt sich sehr schnell bei der Durchsicht der entsprechenden Unternehmensmitteilung erkennen: Michel Wurth wird, gemäß Vereinbarung mit Konzernchef Lakshmi Mittal, im nächsten Jahr in den Verwaltungsrat der Gruppe aufgenommen und wird weiterhin den Vorsitz von ArcelorMittal Luxembourg behalten.

Abschied auf Raten

Das hänge damit zusammen, dass er sich enger um den Stahlstandort Luxemburg kümmern will, so sagte er gestern den Kollegen von RTL Radio Lëtzebuerg in einem Interview, in dem er auch auf die dynamische Entwicklung der luxemburgischen Stahlindustrie in den letzten Jahrzehnten einging, die sich vor allem seit den 90er Jahren grundlegend verändert habe und trotzdem mit hochspezialisierten Produkten weiterhin auf dem Weltmarkt Erfolge verzeichnen kann. Die Erhaltung und Stärkung dieses Standortes, so ließ er wissen, liege ihm auch in Zukunft besonders am Herzen.

Engagement für Luxemburg

Seine weiteren Ziele, die vielleicht auch das auslösende Momentum für seine neuerliche Karriereentscheidung gewesen sein dürften, betreffen seine Position an der Spitze des Dachverbands der luxemburgischen Unternehmer (UEL), der er sich weiter sehr eng verpflichtet fühle, wie er gestern deutlich machte. Die Tatsache, dass der bisherige Generaldirektor der Handelskammer zum neuen Finanzminister mutierte, gebe ihm auch Anlass, sich stärker in die offizielle Berufsvertretung der luxemburgischen Unternehmen einzubringen.

Michel Wurth erklärte auch seine formelle Bereitschaft, an der wirtschaftlichen Erneuerung, die das Land dringend brauche, aktiv mitzuwirken und sich gemeinsam mit anderen Akteuren für den erforderlichen Wandel in den verschiedenen Aktivitätsbereichen - und er beschränkte sich dabei keineswegs auf die Industrie, sondern schloss auch den Finanz- und Dienstleistungssektor ausdrücklich ein- zu beteiligen.

Dazu gehört auch das Bemühen um weitere Diversifizierung des Wirtschaftsgefüges, das sich die neue Regierung als einen der wesentlichen Programmpunkte auf ihre Fahnen geschrieben hat, wie Michel Wurth gestern unterstrich. Fachliche und unternehmerische Kompetenz gehören zu jenen Dingen, die Luxemburg zur Sicherung und Festigung des Standortes derzeit am meisten braucht. Dieser Beitrag setzt ein neues Zeichen auf dem eingeschlagenen Weg.