NIC. DICKEN

„Alle wollen zurück zur Natur, aber keiner will zu Fuß dahin.“ Dieser mittlerweile gut 30 Jahre alte Spontispruch hat bis heute nichts an und seiner Aktualität eingebüßt, wobei letztere vielleicht sogar noch eine beachtliche Steigerung erfahren haben dürfte. Mit fortschreitender Besiedlung in allen Regionen des Landes ist gleichsam auch der Anspruch nach heiler und gesunder Umwelt, nach möglichst dichter An- und Einbindung in Mobilitätskanäle, nach Freizeit- und Entspannungsmöglichkeiten, nach optimalen Kinder- und Altenbetreuungsmöglichkeiten gewachsen. Praktisch alle Nachbarländer beneiden uns um einen nach außen getragenen Wohlstand, der aber im Innern mehr und mehr Auflösungserscheinungen zeigt bis hin zum verstärkten Zerbröseln ehemals fester Zusammenhänge.

In der Tat scheint es immer schwieriger zu werden, die legitimen Ansprüche einer steigenden Bevölkerungszahl nach Leben, Arbeit und Wohnen auf dem knapp 2.600 Quadratkilometer großen Territorium zu vereinbaren mit anderen, nicht minder wichtigen Anliegen wie Erhalt der Umwelt, der Landwirtschaft und der Anpassung der Verkehrswege an die wachsenden Mobilitätsansprüche. Die Vereinbarkeit dieser verschiedenartigen Ansprüche scheint auf eine Quadratur des Kreises hinauszulaufen, darf aber im Endeffekt nicht zum endgültigen Bruch zwischen den unterschiedlichen Teilen der Bevölkerung führen. Immerhin wäre es nicht mehr so lustig, wenn wir uns auf Landes- und Kommunalebene erfolgreich darum bemühen, aus anderen Ländern und Kulturen zu uns gereiste Menschen in unsere Gemeinschaft zu integrieren, die im übrigen längst schon durch diese Vielfalt geprägt wird, andererseits aber das soziale Geflecht, das besonders in vergangenen Krisenzeiten - erinnert sei nur an die Stahlkrise der siebziger Jahre - so hervorragend funktionierte, verlieren würden.

Man muss in diesem Zusammenhang begrüßen, dass sich in den letzten Tagen die maßgeblichen politischen Parteien des Landes darauf geeinigt haben, die delikate Thematik einer angemessenen Landesplanung, die den unterschiedlichen, ja zum Teil sogar gegensätzlichen Interessenlagen Rechnung tragen soll, nicht zu einem parteipolitischen Gemetzel ausarten zu lassen, sondern ehrliche und auch mit den Kommunen vor Ort abgestimmte Entscheidungen anzustreben.

Wesentlich bei diesem Prozess wird es sein, lokales Augenmaß und Sinn für regionale Besonderheiten zur Geltung zu bringen, damit im Nachhinein niemand das Gefühl haben muss, er sei im Regen stehen gelassen worden.

Noch hat sich nämlich der Eindruck nicht erhärtet, dass einzelne Gebiete des Landes absolute Prioritäten genießen, während zum Teil abgelegene ländliche Bereich immer klarer ausgegliedert werden. Das aber wäre der Fall, wenn man weiter die so genannte Konsultierung gleichsetzen würde mit Belehrungen à la „das ist nun mal so und damit müssen Sie sich eben abfinden!“ Dazu braucht es politische Verantwortliche, die ihre Kompetenz nicht einfach an Erfüllungsgehilfen abtreten. Und die haben wir doch!