LUXEMBURG/BRÜSSEL/MOSKAU
LJ MIT DPA

Fall Skripal: 140 Russische Diplomaten aus 25 Staaten ausgewiesen

In der Affäre um den Giftgasanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal haben außer Großbritannien jetzt 17 weitere der insgesamt 28 EU-Staaten 57 russische Diplomaten ausgewiesen. 83 russische Diplomaten und Geheimdienstmitarbeiter müssen sieben weitere Länder - die USA, Kanada, Australien, Albanien, Mazedonien, Norwegen und die Ukraine - verlassen.

Auch Nato lässt russische Diplomaten ausweisen

Auch die Nato schließt sich dem mit sieben beantragten Ausweisungen und der Verweigerung von drei Akkreditierungen an. Die Bündnisstaaten hätten zudem beschlossen, die Maximalgröße der russischen Delegation von 30 auf 20 Personen zu begrenzen, wie Generalsekretär Jens Stoltenberg gestern unterstrich. Die Nato sende damit die klare Botschaft an Russland, dass unakzeptables und gefährliches Verhalten Kosten und Konsequenzen habe, kommentierte Stoltenberg.

Luxemburg weist seinerseits erst einmal keine russischen Diplomaten aus, wie Außenminister Jean Asselborn, der momentan auf Arbeitsvisite in Armenien ist, gestern gegenüber RTL Radio unterstrich. Da Luxemburg jedoch solidarisch mit Großbritannien sei, habe es die EU darin unterstützt, den EU-Botschafter in Moskau für einen Monat zurückzurufen.

In Luxemburg selbst, so Asselborn, hätten wir nur eine extrem kleine Anzahl an russischen Diplomaten, und bis jetzt weise nichts darauf hin, dass hier ein Spion oder Leute dabei wären, die gegen die Interessen Luxemburgs arbeiten würden.

Bei dem Anschlag in Salisbury waren Anfang März der frühere Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Yulia schwer vergiftet worden. Die Täter nutzten dabei nach derzeitigem Ermittlungsstand den in der Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok. Russland streitet jegliche Verantwortung für den Anschlag allerdings ab.

Die Nato-Staaten hatten den Anschlag auf Skripal bereits Mitte des Monats verurteilt und ihre Solidarität mit Großbritannien zum Ausdruck gebracht. Jens Stoltenberg deutete an, dass ein Teil der Diplomaten verdächtigt wird, für russische Geheimdienste zu arbeiten. „Russland wird reduzierte Möglichkeiten für Geheimdienstarbeit in diesen Ländern haben“, sagte er. Die Nato hatte die Arbeit der russischen Nato-Vertretung bereits im Zuge des Ukraine-Konflikts stark eingeschränkt.