LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Geberkonferenz: Zusammenarbeit bei Mikrofinanz und Klimaschutzmaßnahmen

Auf der Geberkonferenz der Europäischen Investitionsbank (EIB) haben Luxemburg und die EU-Bank ihre Zusammenarbeit bei Mikrofinanzierungen und Klimaschutzmaßnahmen verstärkt. Gestern bekräftigten sie in den Räumen der EIB ihren Willen, im Mikrofinanzbereich insbesondere in Afrika, der Karibik und dem Pazifik enger zusammenzuarbeiten. Die Zusammenarbeit betrifft auch die zweite Priorität, nämlich den Klimawandel.

Auf der jährlichen stattfindenden Konferenz der EIB haben beide Seiten einen Fonds für finanzielle Eingliederung eingerichtet, der 3,6 Millionen Euro für die Unterstützung von Kleinst- und Kleinunternehmen in Afrika, der Karibik und dem Pazifik bereitstellt. Sie vereinbarten auch, die 2017 gegründete Luxemburger-EIB-Klimafinanzierungsplattform um drei Jahre zu verlängern.

Der neue Fonds für finanzielle Eingliederung wird gemeinsam vom luxemburgischen Finanzministerium und dem Ministerium für auswärtige und europäische Angelegenheiten finanziert. Ziel ist es, den Zugang zu Finanzdienstleistungen für Kleinst- und Kleinunternehmen in den am wenigsten entwickelten und einkommensschwachen, aber auch in den Ländern der AKP-Region mit mittlerem Einkommen zu erleichtern. Der Fonds, der in erster Linie für technische Hilfe bestimmt ist, soll die Kapazität der Mikrofinanzpartner der EIB stärken und sie nachhaltiger und stärker machen. Er ist offen für Beiträge anderer Geber.

Weitere 40 Millionen Euro für den Fonds

Die Luxemburger-EIB-Klimafinanzierungsplattform, ein Fonds, der vom Großherzogtum mit zunächst 30 Millionen Euro ausgestattet wurde, investiert seit 2017 in Projekte, die einen starken Einfluss auf den Kampf gegen den Klimawandel haben. Die Partner haben nun beschlossen, ihre Zusammenarbeit zu verlängern, wobei Luxemburg weitere 40 Millionen Euro für den Fonds bereitgestellt hat. In einer Absichtserklärung, die von EIB-Präsident Werner Hoyer und dem luxemburgischen Finanzminister Pierre Gramegna sowie der Ministerin für Umwelt, Klima und nachhaltige Entwicklung, Carole Dieschbourg, unterzeichnet wurde, vereinbarten die Partner, die Laufzeit des Fonds bis zum 31. Dezember 2024 zu verlängern und ihn für andere Geber zu öffnen. Damit wird Luxemburg zum größten einzelnen Geldgeberland der EIB für den von der EIB gemanagten Trust Fund mit 77,6 Millionen Euro.

Kritische Finanzlücken schließen

„Ich freue mich besonders, heute diese beiden Initiativen mit dem Großherzogtum ankündigen zu können”, sagte EIB-Präsident Werner Hoyer am Hauptsitz der Bank in Luxemburg-Stadt. „Luxemburg ist nicht nur Gastgeber der Europäischen Investitionsbank, sondern auch einer unserer wichtigsten bilateralen Geber. Unsere weitere erfolgreiche Zusammenarbeit zeigt, dass die EU-Bank besonders geeignet ist, die individuellen Entwicklungsziele der EU-Länder und privater Geber zu unterstützen. Wir schließen kritische Finanzierungslücken, indem wir Darlehen mit Zuschüssen unserer Partner kombinieren. Diese innovativen Blending-Lösungen sorgen für eine hohe Wirkung - sowohl für die Geberländer und -institutionen als auch für die Menschen in den Projektregionen.”

Pierre Gramegna, luxemburgischer Finanzminister, fügte hinzu: „Luxemburg und die EIB verfügen über eine beeindruckende Erfolgsbilanz bei innovativen Finanzlösungen wie der EIB-Luxemburg Climate Finance Platform, die zur Eindämmung und Anpassung an den Klimawandel beiträgt.“ Paulette Lenert, Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Angelegenheiten, meinte: „Luxemburg hat sich zu einem wichtigen Kompetenzzentrum für integrative Finanzierungen entwickelt.“ Die luxemburgische Ministerin für Umwelt, Klima und nachhaltige Entwicklung, Carole Dieschbourg, erklärte: „Kollektive Klimaschutzmaßnahmen von Regierungen und Unternehmen werden dazu führen, dass etwa 75 Prozent der in der Pariser Vereinbarung festgelegten Verpflichtungen erfüllt werden. Das zeigt, warum wir eine erfolgreiche, faire und transparente Zusammenarbeit anstreben müssen, wenn wir eine sichere und klimabeständige Zukunft aufbauen wollen. Die luxemburgische Regierung verpflichtet sich, bis 2050 die Netto-Treibhausgasemissionen zu erreichen.“

Wichtiger Treffpunkt

Die EIB-Donor-Konferenz ist ein wichtiger Termin für die EU-Bank, bei dem Vertreter zahlreicher internationaler Verbände, Agenturen und Institutionen zusammenkommen, die mit der EIB arbeiten. Das Treffen dient sowohl dem gegenseitigen Kennenlernen als auch der Information über Projekte. Populärer Gastredner und Teilnehmer der gestrigen Veranstaltung war Bertrand Piccard, Gründer und Chairman der Solar Impulse Foundation. Der Schweizer Psychologe und Abenteurer umkreiste die Erde als erster sowohl in einem Ballon als auch in einem Solarflugzeug. Mit seiner Stiftung will er die Kluft zwischen Ökonomie und Ökologie schließen.

Die Donor-Konferenz ermöglicht jedoch auch den Kontakt zu politischen Vertretern von Regionen und Ländern, die sonst nicht so oft eingeladen werden, ihre Sicht der Dinge darzulegen. So nahm gestern die ägyptische Ministerin für Investment und internationale Kooperation, Sahar Nasr, ebenso an der Eröffnungssession teil wie Mourad Wahba, Direktor des UN-Entwicklungsprogramms für arabische Staaten. Sie saßen mit Hoyer, Gramegna und Piccard auf dem Podium.