Der Turmbau zu Babel ist eine der berühmtesten biblischen Erzählungen des Alten Testaments. In dieser vereitelt Gott den Bau eines Turmes, der den Himmel erreichen soll, indem er unter den Menschen eine Sprachverwirrung hervorruft. In Luxemburg, das sich vielfach seiner Multikulturalität und seiner Sprachenvielfalt rühmt, offenbaren immer mehr Presseberichte über Expats, Migranten oder Flüchtlinge, dass sich hinter der Mehrsprachigkeit unseres Landes Facetten der Kommunikation und der Kommunikationslosigkeit verbergen, dass Sprachen in unserem Land verbinden, aber auch trennen. Sprachen schaffen Grenzen zwischen den kulturellen Gemeinschaften, verhindern wirkliche Integration, sowie ebenfalls Kommunikation auf einer komplexeren Ebene.
Die sprachliche Kommunikation schafft nicht nur Barrieren zwischen Luxemburgern und Nicht-Luxemburgern, sondern ebenfalls zwischen Luxemburgern verschiedener sozialer Schichten, deren Ausdrucksfähigkeiten sehr unterschiedlich sein können, und bei denen sich der soziale Status in der Sprache reflektiert, was verbindend oder auch trennend sein kann. In den letzten Monaten offenbarten Interviews mit Expats, dass sie manchmal selbstbewusst und mehrsprachig nach Luxemburg kommen, allerdings die drei Luxemburger Landessprachen nicht beherrschen. Auf Anhieb wird es schwierig, Luxemburger Freunde zu finden, Gespräche auf einer tieferen Ebene zu führen, was dann viele Expats zu einem sozialen oder emotionalen Rückzug ermutigt. Flüchtlinge kommen manchmal mit guten Diplomen nach Luxemburg, als Ingenieure zum Beispiel, müssen aber nach einiger Zeit feststellen, dass sie nie einen Arbeitsplatz auf diesem Niveau finden können, eben wegen der hiesigen Auflagen bei ausgeschriebenen Ingenieursstellen, luxemburgisch, deutsch und französisch zu können. Es ist auch mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass Sprachbarrieren ein Mittel der Ausgrenzung sind, wenn man Luxemburgern, respektive Westeuropäern den Vorzug bei der Vergabe führender Positionen geben will, und dass sich durch die Sprachregelungen auch subtile Formen der Diskriminierung durchsetzen. Des Weiteren ist die Integration nicht-luxemburgischer Kinder in Grundschulen und Gymnasium ein Bereich, in dem Barrieren systematisch abgebaut wurden, und in dem Kinder aller Nationalitäten Chancen bekommen sollen. Trotzdem offenbaren Statistiken, dass die klassischen Gymnasien mehrheitlich Luxemburger zählen; deshalb ist der Zugang vom technischen Gymnasium zur Universität eine wichtige demokratische Errungenschaft.
Der Expat, der sich der Grenzen der Kommunikation bewusst wird, der Flüchtling, der nie seinem Niveau entsprechend arbeiten kann, obwohl seine Qualifikationen auf jeden Fall gebraucht werden, die Tatsache, dass in vielen wirtschaftlichen Bereichen qualifizierte Arbeitskräfte fehlen, und wir doch an den Sprachbarrieren scheitern, sollten uns zu denken geben. Die gesellschaftliche Kohäsion riskiert, trotz all unserer Bemühungen, an der Sprachenvielfalt und den -barrieren zu scheitern. Demgemäß sind wir in der Erziehung gefordert, nicht nur Sprachwissen, sondern auch Weltoffenheit und demokratisches Denken zu fördern, und an neuen politischen Wegen der Integration zu arbeiten.


