LUXEMBURG
ANNETTE WELSCH

Das nationale Herzzentrum INCCI feiert 15 Jahre und weiht neuen hybriden OP-Saal ein

Gegründet wurde es schon 1997, eingeweiht dann am 1. Juni 2001: Luxemburg bekam sein nationales Herzzentrum, das INCCI (Institut National de Chirurgie Cardiaque et de Cardiologie Interventionnelle), in dem alle invasiven Eingriffe bei Herzerkrankungen des Großherzogtums vorgenommen werden. Es vereint alle Herz-Spezialisten an einem Standort, um vor allem die kardiologischen Notfälle zu versorgen. Deswegen arbeitet es auch eng mit allen Krankenhauszentren des Landes zusammen: Das Zentrum befindet sich zwar neben dem CHL, ist aber autonom und wird von einem Verwaltungsrat geleitet, der alle vier Krankenhauszentren vereint.

Gestern wurde das Referenzzentrum, das nicht ohne Grund stolz auf sein exzellentes internationales Renomee ist, gefeiert: Für sein 15-jähriges Bestehen und für seinen neuen Hybrid-OP, der seit Dezember genutzt wird und nun offiziell eingeweiht wurde. Es galt aber auch Abschied nehmen von Dr. Jean Beissel, dem ehemaligen Direktor des INCCI, der nun in die Pension verabschiedet wurde. „Er war maßgeblich am Aufbau des INCCI und der Kardiologie beteiligt und hat dabei eine zentrale Rolle gespielt“, sagte INCCI-Verwaltungsratspräsident Dr. Claude Braun. Er würdigte das Institut als „ein gelebtes Beispiel einer gelungenen Zusammenarbeit zwischen Ärzten und auch zwischen Krankenhäusern“.

Szenen aus dem Science-Fiction Film

Um sein Niveau zu halten und zu verbessern, müsse aber investiert werden - in das Team und die technische Ausstattung. „Unser neues Kind sucht über die Grenzen hinaus seinesgleichen“, sagte Braun. Gemeint war der Hybrid-OP, der ein kompletter OP-Saal und gleichzeitig ein hochkomplexer Röntgenapparat ist. „Wir werden damit mit hoher Präzision arbeiten können. Es ist aber auch der Ausdruck davon, dass die Grenzen zwischen Herzchirurgie und interventioneller Kardiologie immer mehr verschwimmen.“ Der neue Saal bringe neue Dynamik für das „Häerz-Zenter“, freute er sich.

In einem Film wurde gestern eingespielt, was der neue Apparat alles kann - an Bewegung und an Präzision der Bildgebung. Unglaublich beeindruckend ist das mindeste, was man dazu sagen kann, da kam man sich schon vor, wie bei Szenen aus einem Science-Fiction Film. Man erfuhr bei der Gelegenheit auch, dass der Saal über den größten sterilen Airflow Europas verfügt. Glückliches Luxemburg.

Die Geschichte des INCCI ist eine Erfolgsgeschichte

„Die neuen Strukturen entsprechen dem Bedarf der Bevölkerung Luxemburgs“, sagte Lydia Mutsch, die sich - passend zur Präsentation - in einer Video-Botschaft an die Anwesenden wandte. Und die waren zahlreich. Eingefunden hatte sich gestern im ehemaligen Arbed-Gebäude am Rousegäertchen, das die BCEE für die Feierlichkeit zur Verfügung stellte, alles, was in Luxemburgs Medizin-Welt Rang und Namen hat.

Mutsch zollte dem INCCI Anerkennung für den Weg, den es zurückgelegt hat. „Seine Geschichte ist eine Erfolgsgeschichte“, sagte sie, „Seine multidisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb des Hauses und mit den anderen Krankenhäusern ist beispielhaft.“ Sie stellte in Aussicht, dass die Aufnahmekapazität des INCCI von 20 auf 30 Betten erhöht wird. „Die Zahl der Patienten dürfte weiter steigen - durch das grenzüberschreitende Renomee und diejenigen, die bislang aus medizinischen Gründen nicht behandelt werden konnten.“

DAS „HAERZ-ZENTER“ INCCI

15 Jahre rasante Entwicklung

In den letzten 15 Jahren wurden 32.000 Patienten im INCCI behandelt. Die Aktivitäten haben sich seit 2001 rasant entwickelt: Heute versorgt es 31 Prozent mehr Patienten im Jahr und verzeichnet fast zwei lebenswichtige Notfälle pro Tag, es werden 96 Prozent mehr Herzinfarkte, 50 Prozent mehr krankhafte Herzerweiterungen und 82 Prozent mehr Operationen am offenen Herz durchgeführt. 95 Prozent aller Herzerkrankungen des Landes werden hier behandelt.

Das Institut verfügt über einen Hybrid- und zwei konventionelle Operationssäle sowie 20 Betten. Im Gespräch ist, die Zahl auf 30 Betten zu erhöhen. 20 Ärzte, darunter Herzchirurgen, Kardiologen und Anästhesist-Reanimateure, sowie 90 Pflegekräfte kümmern sich rund um die Uhr um die Patienten.
Es werden pro Jahr:
- 3.000 Patienten versorgt
- 2.000 diagnostische Herzuntersuchungen sowie
1.000 chirurgische Eingriffe am Herzen, davon
415 am offenen Herzen durchgeführt
Das Jahresbudget beträgt 25 Millionen Euro.