SIMONE MOLITOR

Hauptsächlich geht es ums Geld. Es geht immer ums Geld. Um volle Kassen. Um Rentabilität. Ausgaben müssen Einnahmen zur Folge haben, die die Unkosten möglichst übersteigen, damit sich die Investition lohnt. Das leuchtet ein. Aber: Die wirtschaftliche Dimension darf nicht das Alleinstellungsmerkmal sein, nicht die Maxime, der sich alles andere unterordnet. So in etwa hat es auch Medien- und Kommunikationsminister Xavier Bettel formuliert, als er am Montag vor die Presse trat, um die hohen staatlichen Investitionen in den Filmsektor zu rechtfertigen, die eben nie, zumindest nicht in Europa, in einer kompletten Win-win-Situation münden.

Grund für Bettels energisches Eintreten für die nationale Filmbranche war bekanntlich ein Audit über die Filmförderung und die Funktionsweise des Film Fund, das seit einem Jahr vorliegt, jetzt aber erst thematisiert wurde, nachdem es in einer parlamentarischen Anfrage sowie von verschiedenen Medien aufgegriffen wurde. Gravierende Mängel wollen die Prüfer von „Value Associates“ zwar nicht festgestellt haben, trotzdem werfen sie Fragen auf, die verständlicherweise nach Antworten verlangen. Manche davon gab es am Montag, vereinzelte Erklärungen wirkten etwas schwammig, einiges blieb unkommentiert.

Wenn derart hohe Summen an Staatsgeldern in einen Sektor fließen, muss eine ständige Kontrolle garantiert sein. Das ist klar. Und Film Fund-Direktor Guy Daleiden gab sich besonders viel Mühe, zu präzisieren, wie streng man Jahr für Jahr geprüft werde. Um die Gemüter zu besänftigen, soll nun der Rechnungshof mit einem Spezialbericht beauftragt werden.

Aber ja, es geht ums Geld. Es geht immer ums Geld. Und in diesem Fall geht es um rund 40 Millionen Euro. Natürlich erhitzt diese Zahl manches Gemüt innerhalb der Bevölkerung. Es fehlt an Verständnis. Vor allem da immer mehr Filme (ko)produziert werden, die auf der anderen Seite jedoch von immer weniger Kinobesuchern gesehen werden. Könnte dieses Geld nicht sinnvoller eingesetzt werden? Um die Armut zu bekämpfen, die Umwelt zu retten… Das ist eine berechtigte Frage. Würde es nur ums Geld gehen, müsste sie wohl oder übel mit Ja beantwortet werden.

Nun sind wir aber nicht in Holly- oder Bollywood, wo am fließenden Band Blockbuster produziert werden, die noch nicht einmal besonders originell sind, nein, wir sind in Luxemwood, wo auch ein „Superjhemp Retörns“ als erfolgreichster luxemburgischer Film aller Zeiten mit 60.000 Besuchern keine Millionengewinne einfährt. Der Markt ist begrenzt. Ähnlich ist es in ganz Europa. Überall sind Fördermittel nötig, um eine Filmproduktion zu ermöglichen. Sollte sie abgeschafft werden, weil sie kein gewinnbringender Wirtschaftszweig ist? Nein. Allerdings sollte der Faktor „Vertriebspotenzial“ vor der Bezuschussung stärker berücksichtigt werden.

Fakt ist unter dem Strich, dass unsere ganze Kulturlandschaft ohne staatliche Fördermittel um einiges karger aussehen würde. Und was bringt Kultur - das Filmgeschäft ist Teil davon - uns Menschen letzten Endes? Momente, die es uns erlauben, die Sorgen zumindest zeitweilig zu vergessen und dem Alltagsstress zu entfliehen, Momente, die uns andererseits die Augen öffnen und den Spiegel vorhalten. Das ist definitiv kein Verlustgeschäft.