LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Sasha Baillie soll als Direktorin die Nachfolge von Jean-Paul Schuler antreten

Bei der staatlichen Innovations- und Promotionsagentur Luxinnovatin steht ein Wechsel bevor. Wie das „Journal“ erfuhr, soll Sasha Baillie Nachfolgerin von Direktor Jean-Paul Schuler werden, der sich in den Ruhestand verabschiedet hat. Die Luxemburgerin begann ihre Karriere 1997 im Außenministerium. Sie war unter anderem Botschafterin ohne dortigen Wohnsitz für Serbien und repräsentierte Luxemburg auch in Moskau als stellvertretende Botschafterin. Derzeit arbeitet sie als Beraterin von Etienne Schneider im Wirtschaftsministerium. Sie sitzt außerdem dem Nation-Branding-Komitee vor und ist an der Spitze des LuxGovSat Boards. Präsident des Luxinnovation-Verwaltungsrats ist seit kurzem Mario Grotz. Er ist im Wirtschaftsministerium als Direktor verantwortlich für den Bereich Forschung, geistiges Eigentum und neue Technologien. Grotz sitzt für das Ministerium in mehreren Verwaltungsräten, unter anderem bei Creos und bekleidet den Rang eines „Premier conseiller de gouvernement“. Vor allem aber genießt er das Vertrauen von Vizepremier und Wirtschaftsminister Etienne Schneider.

Agentur als verlängerter Arm

Hinter dem Personalwechsel steckt weit mehr. Das Wirtschaftsministerium will mehr Einfluss auf Luxinnovation haben und auch mehr Dynamik in der Organisation. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Beschwerden gegeben, die Institution bringe zu wenig, vor allem für das Personal, das sie beschäftigt. Im Moment sind das mehr als 60 Mitarbeiter. Es hat in den vergangenen Monaten einige Wechsel gegeben, die nicht unbedingt zusammenhängen. So ging Kommunikationschefin Martine Scheuren, die Schuler noch aus alten Zeiten bei ArcelorMittal kannte. Schuler selbst, der 2013 bei Luxinnovation die Zügel übernahm, hatte nach Aussage verschiedener Quellen nicht immer die gleiche Auffassung wie das Wirtschaftsministerium. Das sorgte vor allem nach dem Amtsantritt von Grotz für Diskussionen hinter den Kulissen - und für Druck. Dieser soll zumindest mit Grund für den Abschied des 62-Jährigen sein. Schuler verstand sich jedoch offenbar gut mit dem Aufsichtsratsmitglied Raymond Schadeck. Dieser hat sein Aufsichtsratsmandat ebenfalls niedergelegt und das lange zuvor angekündigt. Schadeck ist noch in vielen anderen Aufsichtsräten aktiv. Meinungsverschiedenheiten soll es unter anderem gegeben haben, weil Luxinnovation gern mehr Geld für Programme gehabt hätte, um Startups und Firmen zu binden, das Ministerium jedoch befand, dass Luxinnovation schon genug koste. Auch aus dem Industrieverband FEDIL wurde regelmäßig Kritik laut.

Luxinnovation selbst hat eine starke Wandlung durchgemacht. Unter Marco Walentiny als Präsident und Gilles Schlesser als Direktor für 15 Jahre - beide ebenfalls aus dem Wirtschaftsministerium - wurde es aufgebaut, war jedoch eines Tages für den Geschmack des Ministeriums einer Verwaltung zu ähnlich und zu wenig dynamisch. Schuler sollte für Dynamik sorgen, hatte jedoch dabei seinen eigenen Kopf. Ihm halten Kritiker zugute, dass er die Institution aus dem Dornröschenschlaf geweckt hat, sie monieren jedoch auch, dass die Leitung einer so großen Struktur eine andere Führung brauche.

Auf Baillie käme also eine große Aufgabe zu, zumal Luxinnovation sei 2015 auch die Aufgaben von „Luxembourg for Business“ übernommen hat, nämlich, den Standort zu bewerben. Ein weiteres Hindernis: Außerhalb von Luxinnovation gibt es ebenfalls Cluster, die aus historischen Gründen nicht dazu gehören. Und: Anders als in den Anfängen sind solche Agenturen längst Standard und es gibt einen internationalen Wettkampf um Startups. Geld reicht dabei nicht mehr. Die Politiker wollen sie, um zukunftsträchtige Arbeitsplätze zu schaffen. Auf Baillie warten keine einfachen Aufgaben.