Champagnergläser, strahlendes Lächeln, honorige Gäste, die alle froh sind, hier zu sein: In Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten ist die Eröffnung eines Projekts eher selten - besonders, wenn es die stolze Summe von 55 Millionen Euro gekostet hat.
Der Freeport Luxemburg ist so ein Projekt. Er wurde gestern feierlich im Beisein von Großherzog Henri, Wirtschaftsminister Etienne Schneider, Finanzminister Pierre Gramegna, Kulturministerin Maggy Nagel sowie zahlreicher Abgeordneter und weiterer Persönlichkeiten von dem Ex-Cargolux-Manager David Arendt eröffnet, der jetzt bei Freeport die Geschäfte führt. Der Luxusbunker bietet auf vier Etagen Platz für Gemälde, Fotografien, Edelmetalle, Luxus-Schlitten und feine Tropfen. Damit das alles hinein-passt, sind die Türen 3x3 Meter groß und die Decken bis zu 6,14 Meter hoch. Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden kontrolliert; je nachdem ob es sich um Gemälde (21 Grad C), Wein (13 - 16 Grad C) oder Fotografien (10 Grad C) handelt.
Wer in die imposanten Betonbunker gleich neben dem Findel will, muss entweder Kunde oder einer der Service-Anbieter sein und wird mehrfach kontrolliert. Klienten können ihre Werke auch einpacken, rahmen, restaurieren, fotografieren oder schätzen lassen. Wer ausstellen möchte, findet eigene Show-Räume vor. Ebenfalls möglich: Gemälde steuerfrei Museen wie dem Mudam oder dem Centre Pompidou zur Verfügung zu stellen.
Platz für 750.000 Flaschen Wein
Gepanzerte Fahrzeuge mit hochwertigen Gütern können direkt bis an den Bunker fahren. Es gibt zertifizierte Tresorräume für Edelmetalle und vier Weinkeller für 750.000 Flaschen. Natürlich können die edlen Tropfen auch vor Ort verkostet werden.
80 neue Stellen hat der Luxusbunker direkt geschaffen; weitere sollen in der Logistik und im Service entstehen. Der Freeport soll eine neue Klientel anziehen. Sein Betreiber, das Schweizer Unternehmen Natural Le Coultre, verfügt schon über Luxus-Freeports in Genf und Singapur, die beinahe saturiert sind. „Wir haben uns bei unserem Projekt in Luxemburg nicht nur auf unsere erfolgreichen Geschäftsmodelle aus Genf und Singapur gestützt, sondern diese auch noch optimiert“, erklärte Hauptinvestor Yves Bouvier anläßlich der Einweihung.
Seine Luxus-Freeports haben mit hunderten anderer Freihäfen oder -zonen wenig gemein. Der kleinste gemeinsame Nenner ist das Prinzip: Solange Ware im Freeport ist, fällt keine Mehrwertsteuer (TVA) an, auch dann nicht, wenn die Ware den Eigentümer wechselt. Erst wenn die Ware den Freeport verlässt, zahlt der letzte Eigentümer Steuern - falls er aus der EU kommt. Stammt er dagegen aus Ländern wie China oder Russland, fällt keine Mehrwertsteuer an.
Neues Standbein für den Finanzplatz
Der Freeport bedient die Nische der Superreichen, vor allem jener, die in Kunst investieren. Das interessiert die Fonds, Steuer-Experten und Berater. Deloitte veranstaltet deshalb heute eine ganztägige Konferenz dazu.
Wirtschaftsminister Schneider sieht in dem Freeport eine Chance: „Er wird stark zur Diversifikation des Wirtschafts-Standortes Luxemburg beitragen, besonders die logistische Plattform und das Finanzzentrum werden um bedeutende Aktivitäten ergänzt oder bereichert.“ Der Ruhm, der aus der Ansiedlung des Projekts resultiere, gebühre seinem ebenfalls anwesenden Amtsvorgänger Jeannot Krecké.
Und auch wenn die Grünen den Kasten nicht wollten und es Kritik über mögliche graue Geschäfte gibt: Finanzminister Gramegna betont, dass eine „vollständige Rückverfolgung aller aufgewahrten Güter“ im Freeport sichergestellt ist und dieser „im Einklang mit den internationalen Standards steht“. Alle Unternehmen sind registriert, jeder der kommt, wird von Kameras in jedem Winkel des Hauses aufgenommen, betonte der Finanzminister.
Über 60 Prozent der Kapazität sind schon vergeben
Den Kunden scheint das Konzept zu gefallen. Arendt, geschäftsführendes Verwaltungsratsmitglied, rät eher zur Eile: „Über 60 Prozent unserer Kapazitäten waren schon vor der Eröffnung vergeben.“
Die einigen hundert Gäste, die unter organisatorisch nicht immer einfachen Bedingungen per Bus vom Findel-Parkplatz zum Freeport gebracht wurden, durften noch eine neue Melodie genießen, die Gast Waltzing, seines Zeichens Jazz-Musiker, Filmmusik-Komponist und Musikprofessor, eigens für den Freeport komponiert hatte. Und das Gefühl haben, dass sie auf einem wichtigen Event waren, über den Spiegel, Figaro und das Fernsehen berichten werden.
Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen will, hat am 28. September ausnahmsweise Gelegenheit dazu. Dann öffnet der Freeport im Rahmen der „Private Art Kirchberg“, bei der Unternehmen ihre Sammlungen zeigen, den Blick auf das Betonrelief des Künstlers Vhils alias Alexander Farto. Es zeigt überdimensionale Köpfe aus Beton.



