LUXEMBURGPATRICK VERSALL

Guy Rewenig erklärt Luxemburg für Fortgeschrittene

Luxemburgisch, eine Sprache getragen und gestützt von Archaismen? Keineswegs. Die luxemburgischen Muttersprachler sind weit mehr als nur „Fräschenhamesuckler“, also Stammkunden in Gourmettempeln, Polonäsetänzer an Bord einer „Kruasiär“, des „Alkoholkonvoi mit Statisten“ oder VIP-Gäste bei „Pimpmeitschöörtsch“-Weihrauch-Diskoabenden. Wir sind allesamt Wort-Erfinder, Neologismen-Düsentriebs und betreiben „Leiflonglörning“ in Sachen Sprachkreativität. Gesammelt werden alle Schöpfungen im kürzlich erschienenen „Häwwi! Lëtzebuerger Leckzikon“ von Autor und Verleger Guy Rewenig.

Wunde der luxemburgischen Selbstgefälligkeit

Das Nachschlagewerk im Miniaturformat auf Luxemburgisch hat, dies sei vorweg gesagt, keinen wissenschaftlichen Anspruch; „Lëtzebuergesch“-Novizen, sofern sie nur über ein Basiswissen verfügen, riskieren bei der Lektüre schnell den berühmten Faden zu verlieren, da das Gelesene ihnen nach ein paar Seiten vermutlich nur noch Spanisch vorkommt.

Rewenig begnügt sich keinesfalls nur damit, eine Liste oftmals kurios anmutender Sprachkunstwerke aufzustellen; in klassischer Wörterbuchmanier liefert er Begriffserklärungen, denen auf den ersten Blick vielleicht etwas Nichtaussagendes, gar Surreal-Absurdes anhaftet, der Leser spätestens beim zweiten Hingucken feststellt, dass der Autor seine Finger tief hinein in der Wunde der luxemburgischen Selbstgefälligkeit bohrt.

Rewenig wäre nicht Rewenig, sondern ein „Kamellenmonarch“, ginge es ihm vorrangig um die Erheiterung seiner Leserschaft. Reflektion satt, belegt mit einer Scheibe Polemik, statt inhaltslose Lokuslektüre bietet das kompakte 125-Seiten dicke Taschenbuch. Die perfekte Sommerlektüre für all diejenigen, die schon immer gerne wissen wollten, auf welchen „Iwänt“-Hochzeiten wir alle gerne tanzen.


Rewenig, Guy: Häwwi! Lëtzebuerger Leckzikon
Editions ultimomondo, 125 Seiten. 16 Euro. www.umo.lu