LUXEMBURG
MARCO MENG MIT DPA

Führungswechsel bei Siemens

So schnell kann’s gehen: Unlängst hat der Aufsichtsrat von Siemens noch den Vertrag mit Peter Löscher vorzeitig bis 2017 verlängert - jetzt hat der den dramatischen Machtkampf am späten Samstagabend verloren: Er muss nach sechs Jahren seinen Chefsessel räumen. Ein tiefer Fall nach hoffnungsvollem Start. Konnte Löscher für das Geschäftsjahr 2009/2010 noch Rekordwerte präsentieren, haben die Aufsichtsräte von Europas größtem Elektrokonzern sich nach Marathon-Beratungen nun mehrheitlich auf die Absetzung Löschers und gestern auch auf die Berufung von Finanzvorstand Joe Kaeser als seinen Nachfolger verständigt.

Machtkampf hinter den Kulissen

Noch am Freitag hatte der 55 Jahre alte Österreicher Löscher wissen lassen, dass er nicht kampflos aufgeben will. Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der nach seinem Rückzug als Chefaufseher beim Stahlkonzern ThyssenKrupp selbst als geschwächt gilt, hatte den ehemaligen Pharma-Manager Löscher 2007 an die Siemens-Spitze geholt - und nun bei seinem Sturz mitgewirkt. Löscher war der erste Siemens-Boss, der von außen kam. Schon zu seinem Amtsantritt warnten Aktionärsschützer, es werde dem Manager schwer fallen, eine Hausmacht in dem Konzern aufzubauen. Damals steckte Siemens wegen des milliardenschweren Schmiergeld-Skandals tief in der Krise. Löscher baute den Konzern um. Doch er kämpfte auch immer wieder mit Problemen wie der Konjunkturflaute sowie hausgemachten Projektpannen. Dazu gehören die verspätete Lieferung von ICE-Zügen und Verzögerungen bei der Anbindung von Nordsee-Windparks.

Gewinnwarnung als Schlusssignal

Richtig eng wurde es für Löscher jetzt mit der zweiten Gewinnwarnung in kaum drei Monaten. Siemens hatte bekanntgegeben, dass die für 2014 angepeilte operative Ergebnismarge - also der Anteil des Gewinns am Umsatz - voraussichtlich nicht erreicht werde. Eine Pflicht, diese Prognose zu veröffentlichen, bestand zwar nicht, aber „bestimmte Kreise“ im Unternehmen hätten darauf gedrängt. Das hatte prompt die Aktien des Unternehmens in den Keller fallen lassen und Löscher - bildlich gesprochen - den Kopf gekostet. Mit dessen Absetzung, so der Siemens-Aufsichtsrat, habe man die Konsequenzen aus der Serie von Misserfolgen gezogen.

Am Donnerstag wird Siemens seine Quartalsbilanz vorlegen.