LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Angeklagter soll Ehefrau bedroht, stranguliert und vergewaltigt haben

Seit Montag steht ein 46-jähriger Luxemburger wegen dreifacher Vergewaltigung in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch vor Gericht.

Die Opfer sollen seine Ex-Ehefrau und zwei weitere Frauen sein. Der Angeklagte bestreitet die Taten und spricht von gezielten falschen Anschuldigungen. Zu Vergewaltigungen sei es nie gekommen, erklärte der Angeklagte dem Gericht.

Der Prozess war am 29. Januar 2018 auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Der Verteidiger des Angeklagten hatte damals sein Mandat niederlegt, weil er nicht bezahlt worden war. Nun hat auch sein neuer Anwalt - in Absprache mit dem Angeklagten - das Mandat niedergelegt, weil das Honorar nicht zugesichert ist. Richter und Anklagevertreterin wollten den Gerichtsprozess im Hinblick auf mögliche Verfahrensverschleppung jedoch nicht mehr vertagen.

Am Montag wurde der Angeklagte über die Voraussetzungen und Folgen belehrt:

Der Mann hatte die Wahl, dem Prozess fern zu bleiben, ihn selber zu führen oder sich durch einen Anwalt vertreten zu lassen - vor Gericht besteht kein Anwaltszwang. Der Mann entschied sich für die Selbstverteidigung. Der Vorsitzende Richter machte ihm aber klar, dass er auf eine juristische Beratung dennoch nicht verzichten sollte. Einen Anwalt könne er in jedem Moment im Prozess hinzuziehen.

Schwere sexuelle Handlungen

Mit der Vernehmung einer Kriminalbeamtin hat im Prozess gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger dann der erste Verhandlungstag begonnen. Ihr hatten die drei angeblichen Vergewaltigungsopfer die mutmaßlichen Taten geschildert.

Die Ex-Frau zeigte ihren Mann aber erst 2011 an - ganze zwei Jahre nach der Trennung. Die Vergewaltigungen der anderen zwei Frauen gehen auf 2008 und 2009 zurück.

Neben der Polizeibeamtin, die die Aussagen der Hauptbelastungszeugen aufnahm, war auch die damalige Ex-Ehefrau des mutmaßlichen Täters geladen. Sie belastete ihren Ex-Ehemann schwer.

Zur möglichen Tatzeit 1999-2009 lebte er im gemeinsamen Haushalt mit seiner Ehefrau, die er permanent missbraucht haben soll. Er soll Sex mit Gewalt oder Gewaltandrohung erzwungen haben und seine Frau aufgefordert haben, sie solle ihn befriedigen und sexuelle Handlungen in Form von Oralsex bei ihm durchführen. Auch soll er sie nach einem Beziehungsstreit mit einem Messer bedroht, stranguliert und dann vergewaltigt haben. Der Mann wäre mehrere Male mit Gewalt in sie eingedrungen. Sie hätte immer wieder Nein gesagt. Er spricht hingegen von einvernehmlichem Sex. Die Frau sagte, sie habe ihn angeschrien, er solle aufhören. Sie habe sich extrem gewehrt. Doch irgendwann habe sie aufgegeben und „es über sich ergehen lassen“, auch der vier Kinder wegen, wie sie vor Gericht beteuert. Am 8. Mai 2009 wurde sie in eine Klinik eingeliefert. Wohl mit ausschlaggebend für das Urteil wird das psychiatrisches Gutachten sein. Laut Gerichtspsychiater Dr. Gleis sei der Mann oft gereizt und gestresst, er würde aber „kein Ventil“ dafür finden. Seine Waffe: kalte, kalkulierte Machtdemonstration beim Sex.

Umso wichtiger war es für Dr. Gleis, zu klären, ob der Angeklagte Beeinträchtigungen der Einsichtsfähigkeit und der Steuerungsfähigkeit hat oder nicht. Der Psychiater hat am Montag den Angeklagten für zurechnungsfähig erklärt. Diplompsychologin Claudia Grewe hatte das mutmaßliche Opfer am 9. Mai 2012 in ihrer Praxis gesehen. Die Aussagen der Frau seien konsistent und homogen, sagte die Psychologin. „Eine strategische Lügnerin sagt so was nicht. Ich kann nicht sehen, dass das erfunden ist. Das kommt aus einem eigenen Erlebnis.“ Die Diplompsychologin hat keinen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Hauptzeugin.

Die 7. Strafkammer will den Prozess möglichst nach drei Verhandlungen abschließen. Der Prozess wird mit weiteren Zeugen fortgesetzt.