SPLIT
DANIEL OLY

Skodas neuer „Scala“ ist ein selbstbewusstes Raumwunder

Es wird alles anders. Mehr Image, mehr Prunk, mehr Platz, mehr Leistung - und mehr fürs Geld. Skoda schickt sich mit dem nagelneuen „Scala“ an, die Kompaktklasse durcheinander zu wirbeln. Denn der kleine Neue, der ab sofort die Modellreihe „Rapid“ ablöst und zum Kampfpreis ab 21.750 Euro an den Start geht, bricht mit Konventionen, um den Markt im Kompaktsegment anständig aufzumischen.

In den dinarischen Bergen rund um Kroatiens Adria-Perle Split konnten wir den Neuling ausgiebig testfahren. Drei Motorvarianten (ein Diesel sowie zwei Benziner) standen zur Auswahl. Ein klares Fazit: Der spaßigste Kandidat war im direkten Vergleich vor allem der 115 PS starke 1-Liter-Dreizylinder, der dem größeren Benziner durch seine Verbrauchswerte und nur unwesentlich geringere Performance den Rang ablief. Eine Rolle könnte gespielt haben, dass es den 1.5-Liter Turbobenziner lediglich in Kombination mit der Siebengang-Automatik zu fahren gab, während der „Kleine“ mit manuellen sechs Gängen daher kam. Das bewirkte, dass man immer mal selbst Hand anlegen musste. Auf der Autobahn ist das Automatikgetriebe sicher besser aufgehoben, in den Serpentinen rund um Split rührten wir aber lieber selbst im Tank.

Name ist Programm

„Scala“ heißt „Maßstab“, und beim neuen Tschechen ist der Name Programm: Skodas Neuling will der Konkurrenz im Kompaktsegment zeigen, wie die Zukunft aussieht und bietet dementsprechend überdurchschnittlich viel Platz, Stauraum, Technik und Luxus für den schmale(re)n Geldbeutel. Das große Panoramadach etwa rollt sich von hinten nach vorn zusammen, um den Passagieren im Fonds mehr Kopffreiheit zu bieten. Auch die restlichen Maße sind großzügiger bemessen, um mehr Platz im Innenraum zu schaffen; besonders für größere Menschen sehr angenehm. Auch in der Heckklappe ist - Skoda-typisch - sehr viel Platz. So weit, so gewohnt.

Der „Scala“ bricht aber auch mit Skoda-Konventionen; neu im Programm ist nämlich eine ganz starke Markenidentität, die der „Scala“ auf der Heckklappe platziert. Schluss mit schlicht und Understatement, Skodas tragen künftig den Markennamen stolz und in Hochglanz-Lettern. Daran müsse sich die Welt jetzt gewöhnen, erklärt man uns im Gespräch mit den Leuten von Skoda.

Gewöhnen darf man sich auch an einen starken Auftritt bei der Technik; nicht nur, weil der „Scala“ optional alles aufnehmen kann, was in der VW-Gruppe inzwischen möglich ist - vom großen Touchscreen-Navi über die volldigitalen Instrumente bis hin zum Spurassistenten, der teilautonomes Fahren erlaubt.

Skoda führt mit zusätzlichen Warnblinkern am Seitenspiegel zudem eine weniger nervige Version des Assistenten ein, der vor Fahrzeugen im toten Winkel warnt. Manchmal sind es eben die kleinen Dinge. Und die stehen bei Skoda bekanntlich sowieso unter dem „Simply Clever“-Motto im Programm. So ist wenigstens nicht alles anders geworden.

Update soll Softwarefehler lösen

Neu ist auch, dass die Integration des Smartphones über Apples „CarPlay“ oder Googles „Android Auto“ jetzt auch schnurlos geht, statt wie bislang zwingend ein Kabel zu verlangen. Das funktionierte bei den Testfahrzeugen auch schon ganz gut, für einige Augenblicke zumindest zauberte es Navigationsdaten auf den Bildschirm. Das Vergnügen hielt aber nicht lange an, denn irgend ein Softwarefehler - Skoda zeigte sich zuversichtlich, das Problem durch ein Update lösen zu können - führte auf den Vorserienmodellen zu einer verlorenen Verbindung und einem ebenso verlorenen Autojournalisten, der sich in den Bergen rund um Split anständig verfranste.

Wenigstens kamen so reichlich Test-Kilometer zusammen, und so kann man sicher sein: Der neue „Scala“ ist ein würdiger Skoda im Kompaktsegment, der mit reichlich Platzangebot sowieso schon seine Daseinsberechtigung hätte. Wirklich überzeugen kann der Neue aber durch seine gute Agilität, die man einem bescheidenen Tschechen nicht unbedingt zugetraut hätte. So ist letztendlich doch alles anders: Neues Auftreten, wendiger Flitzer, gutes Fahrgefühl, solide Motoren, gutes Design. Der „Scala“ trägt seinen Namen zurecht.