Seine Feuertaufe hat Xavier Bettel am Dienstag bei seiner Regierungserklärung mit Bravour bestanden. Der neue Premier drückte bei seiner Jungfernrede in dieser Position sprachtechnisch gesehen zwar - seinem Temperament entsprechend - etwas allzu arg auf’s Gas (er selbst sprach dann auch von einem „TGV-Tempo“), aber das wird er sich im Laufe der nächsten Wochen schon noch abgewöhnen, will er sich nicht zum Feind der Dolmetscher und Journalisten machen. Das mit den Details, die am Dienstag vermisst wurden, dürfte sich in den kommenden Monaten dann hoffentlich ebenfalls klären. Ihre Feuertaufe bestanden hat aber gleichzeitig auch die neue Regierungsmannschaft, die sich tags darauf bei den Debatten zur Regierungserklärung trotz der Attacken der Opposition aus CSV, adr und „déi Lénk“ nicht aus der Ruhe bringen ließ und ihre gute Laune behielt. Als besonders peinlich erwies sich hier die erste Intervention des neuen CSV-Fraktionschefs, der seine Feuertaufe definitiv nicht bestanden hat und sich zuweilen eher wie ein kleiner Feuerteufel denn wie ein ehemaliger Staatsminister benahm.

Nachdem es am Anfang seiner Ausführungen ganz kurz so ausgesehen hatte, als würde sich Jean-Claude Juncker tatsächlich für die Pläne und Zielsetzungen von Blau-Rot-Grün interessieren und diese auch konstruktiv bewerten, so schaltete er doch direkt danach auf Angriffsmodus. Beispiel: Er könne mit der Regierungserklärung leben, da 80 Prozent selbiger auf die Arbeit der vorigen Regierung zurückgehen würde oder auf das CSV-Wahlprogramm, das einfach vom Deutschen ins Französische übersetzt worden sei. So richtig um Kopf und Kragen redete sich der neue CSV-Fraktionsvorsitzende aber zum Schluss seiner Rede, als all der während den vergangenen Tagen und Wochen in ihm angesammelte politische Frust regelrecht aus ihm herausbrach und dieser die Männer statt die Bälle spielte. Das, was Juncker am Mittwoch im Parlament ablieferte, lässt jedenfalls tief blicken und war eines Politikers seines Formats nicht würdig.

Hier konnte das ganze Land live dabei zusehen, wie sich ein politisches Denkmal selbst demontierte, und dann auch noch glaubte, eine gute Rede gehalten zu haben und im Recht zu sein. Seinen politischen Kompass, der ihn all die Jahre an der Spitze hielt, hat der Ex-Regierungsmethusalem indes schon lange verloren, es selber aber noch nicht bemerkt. Und sollte das stimmen, was gestern bekannt wurde, nämlich dass Jean-Claude Juncker als Premierminister den ehemaligen Geheimdienstchef stockbetrunken bedroht haben soll und dabei ein ganzes Arsenal an F...-Wörtern vom Stapel gelassen haben soll, dann wird Juncker definitiv auch zum Problem für die CSV. Diese hatte der DP ja anscheinend nach den Wahlen vorgeschlagen, es doch ohne Juncker zu versuchen, wie Premier Bettel am Mittwoch so nebenbei im Plenum zu enthüllen wusste, nachdem er und sein Vizepremier die ganze Zeit von Juncker angepöbelt worden waren. Bei der immer noch größten politischen Partei dürften dieser Tage mit Sicherheit kräftig die Messer gewetzt werden, und das bestimmt nicht nur zum Tranchieren der Weihnachtsgans...