CLAUDE KARGER

Ein „Land“-„Etat de la Nation“-Beobachter wähnte sich in der grimm’schen Parallelwelt am Dienstag nach dem historischen Tonausfall in der „Chamber“, die „durch ihr Disneyland-Dekor mit goldenen Kronleuchtern, Säulen aus Marmor-Imitat, falschen Kerzenhaltern, drapierten Plüschvorhängen und schwerem Teppichboden bestens zur Aufführung des Märchens von Dornröschen geeignet“ sei. Und tatsächlich: „Wie im Märchen räkelten sich die Minister und Abgeordnete in den Vorzimmersesseln, spielten gelangweilt auf ihren Handys und warteten gemütlich auf ein Ende der Sprachlosigkeit“. Na, zum Glück sind alle wieder schnell aufgewacht, als der Parlamentsboss verkündete, das werde nichts mehr mit dem „Chamber“-Ton. A propos Dornröschenschlaf: Da fragte dieser Tage ein „Wort“-Redakteur den „progressiven konservativen“ Arbeitnehmerkammerchef, wann die Gewerkschaften denn aus dem ihrigen erwachen würden. „Das war kein Dornröschenschlaf“, meinte der Ex-OGBL-Boss etwas pikiert... Überhaupt sollte man sich nicht von scheinbarer Gemütlichkeit täuschen lassen. So fand ein „Welt“-Reporter unlängst heraus: „Der Zugang Luxemburgs zum Weltall liegt hinter idyllischen Wiesen und Misthaufen versteckt“. Und konnte sich überzeugen, dass in Schloss Betzdorf und darum herum alles andere als geschlummert wird.