PARIS/LUXEMBURG
CATHERINE NOYER

Chanel und Dior präsentierten ihre Haute Couture Schauen online in einem besonderen Ambiente

Es ist eine Märchenwelt mit Nixen, Seejungfrauen, Nymphen und anderen fantastischen Figuren, in denen sich die Haute Couture von Dior bewegt. Eine etwas befremdliche Atmosphäre, die nur durch einen Film erzeugt werden kann und auf einem traditionellen Catwalk nicht in dieser Weise möglich ist.  

„Surrealistischen Bildern gelingt es Dinge sichtbar zu machen, die eigentlich unsichtbar sind. Mich interessieren Geheimnisse und Magie, die auch eine Art und Weise sind, um gegen die Unsicherheit der Zukunft anzugehen“, umreißt Maria Grazia Chiuri ihre Haute Couture Kollektion für Herbst und Winter 2020/2021.

Alles ist anders in diesem Jahr. So hat die künstlerische Leiterin der Damenkollektionen des Hauses Dior ihren Blick auf Künstlerinnen wie die Fotojournalistin Lee Miller, die Malerinnen Dora Maar und Jacqueline Lamba gerichtet. Sie alle wurden aufgrund ihrer Schönheit zu Musen reduziert, was sie wiederum bewog, ein neues Frauenbild zu kreieren.

Die Verwandlung der Natur im Lauf der Jahreszeiten ist das Thema dieser Kollektion. Die surrealistischen Künstler haben den Frauenkörper miniaturisiert, womit der Begriff Modepuppe eine neue Bedeutung erhält. Hier sind die Schneiderpuppen  zentrales Element der Haute Couture. Im Film werden diese Puppen in einem Koffer, einer Nachbildung des Hauses Dior, Avenue Montaigne 30, zu verschiedenen Orten transportiert – als Weltreise der Haute Couture. Die Kleidermodelle der Kollektion wurden alle in Miniatur angefertigt, aber im Film sowohl als Miniaturen gezeigt, als auch in reeller Größe von den Models vorgeführt.

Von Karl Lagerfeld inspiriert

Virginie Viard entführt in der Chanel-Kollektion in eine realistischere Welt. „Ich dachte an eine Punk-Prinzessin, die am frühen Morgen aus dem Palace kommt, im Taftkleid mit voluminöser Frisur, Federn und viel Schmuck. Die Kollektion ist eher von Karl Lagerfeld als von Gabrielle Chanel inspiriert. Karl besuchte oft das Pariser Palace Theater in Begleitung von exzentrischen und extrem aufgeputzten Frauen“, erklärt die Chanel-Designerin.

In einem Film, der weniger als zwei Minuten dauert um 30 Modelle vorzuführen, defiliert die Kollektion in kleinen Spots durch die Szenerie. War die Frühjahr-Sommer-Kollektion 2020 einfach und der Klosterschülerin entsprechend, die Gabrielle Chanel einmal war, so ist diese genau das Gegenteil: opulent und glanzvoll.

„Ich mag diese Art zu arbeiten, in der nächsten Saison eine total gegensätzliche Kollektion auf die Beine zu stellen“, unterstreicht Virginie Viard.

Mit Pailletten, Straß, Steinen und Perlen bestickte Tweeds sowie Diamanten auf den Schultern von schwarzen Hosenanzügen zieren die Kleidungsstücke.  Kurze Kleider mit enger Taille und Corolle-Röcken stehen langen Roben gegenüber, die an die Mode des Grand Siècle erinnern und edel und autoritär wirken wie die der Damen auf den Malereien des 19. Jahrhunderts.

Grau- und Anthrazit-Töne erhalten oft Rosa-Noten, Spitze steht zu Tweed verarbeiteten und mit Silberfäden versetzten Bändern gegenüber. Eine Tweed-Weste mit gesmokter Taille über einer Veloursledernen Stiefelhose steht für rockige Romantik. „Für mich ist die Haute Couture einfach romantisch, da in jeder Silhouette sehr viel Liebe steckt“, bringt es die Chanel Designerin auf den Punkt.