LUXEMBURG
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50.561 Neuwagen: Die Branche ist zufrieden - Autofestival 2017 wirft seine Schatten voraus

Am 28. Januar ist es wieder soweit - und die ersten Motoren laufen bereits warm: Bis zum 6. Februar lockt das Autofestival die kaufwilligen Autofreunde in die Showrooms der unterschiedlichsten Markenhäuser. Mit tollen Angeboten, Prozenten, Ausstattungsextras sollen die Luxemburger und PS-Freaks der Großregion zum Kauf animiert werden.

Doch wie sieht die aktuelle Situation auf dem Luxemburger Automarkt aus? Welchen Herausforderungen muss sich die Branche stellen? Vor der traditionellen Festivalauftaktveranstaltung von Fegarlux und Adal, die heute Abend stattfindet, haben wir uns mit dem Fegarlux-Präsident Philippe Mersch unterhalten.

Ein Plus von 6,8 Prozent in Europa

Nachdem der europäische Absatz von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen im Jahr 2016 um 6,8 Prozent zulegt, wird sich die Erholung des Marktes spürbar abschwächen, prognostiziert die Unternehmensberatung PwC. Nach den kräftigen Zuwächsen des vergangenen Jahres zeichnet sich in den Kernmärkten der globalen Autoindustrie eine Abschwächung des Wachstums ab. So rechnet PwC für 2017 in Europa nur noch mit einem Absatzplus von 2,7 Prozent - was verglichen mit den 6,8 Prozent aus diesem Jahr eine merkliche Abschwächung bedeutet. Mit geschätzten 17-Millionen Einheiten gerät sogar das Rekordjahr 2007 in Reichweite, in dem europaweit 18,23 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge verkauft worden waren.

50.000er-Marke geknackt

Auch im Großherzogtum hat der Markt angezogen. 50.561 Neuwagen wurden zugelassen. 2015 waren es 46.433 und im Jahr 2014 49.793. 2016 zeigt somit ein Plus von 8,89 Prozent auf und „wir haben wieder die 50.000er-Marke geknackt“, sagt Mersch. „Mit diesem Plus können wir durchaus zufrieden sein.“

Vor allem die Nachfrage nach Geländewagen („SUV“) zeigte sich 2016 erneut dynamisch. Gemessen am Tiefpunkt während der Eurokrise 2012 haben sich die Zulassungen in Europa von 1,76 Millionen auf 3,37 Millionen Fahrzeuge fast verdoppelt. Verlierer dieser Entwicklung sind allerdings die „Multi Purpose Vehicles“ - auch bekannt als „MPV“ oder „Mini-Vans“ -, deren Absatz im gleichen Zeitraum um 15,8 Prozent auf 1,12 Millionen zurückging. Auch bei den angebotenen Modellen spiegelt sich diese Entwicklung: Während die Kunden in Europa mittlerweile zwischen 78 verschiedenen SUVs wählen können, gibt es nur noch 29 Minivan-Modelle. Beim Blick auf die einzelnen europäischen Länder fällt auf, dass von den 17 Millionen verkauften Pkw und leichten Nutzfahrzeugen allein 12,4 Millionen auf die fünf größten Märkte - also Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien - entfallen.

VW im Großherzogtum weiter vorne

Behaupten konnte sich in der Absatzrangliste des luxemburgischen Marktes Volkswagen mit 5.775 Einheiten knapp vor BMW mit 5.361 Einheiten. Auf dem dritten Platz folgt Mercedes mit einem Plus von 20,21 Prozent vor Renault. Bemerkenswert die Zuwächse im Bereich der Sport- und Luxuswagen, wo teilweise Zuwächse von bis zu 250 Prozent ausgewiesen werden. In Luxemburg wurden 2016 805 Porsche (+3,74 Prozent), 24 Aston Martin (+4,35 Prozent), 14 Lamborghini (+250 Prozent), 16 Lotus (+23,08 Prozent), neun Rolls-Royce (+125 Prozent), 61 Tesla (+84,85 Prozent), 43 Ferrari (+13,16 Prozent) und 30 Bentley (+42,86 Prozent) neu angemeldet.

Ausbildung ist weiter eine Herausforderung

Die Luxemburger stehen somit auch weiterhin zu ihrem liebsten Kind. „Wobei ich glaube, dass der Trend zu etwas kleineren Fahrzeugen geht, die aber bitte mit dem maximalen Paket an Sicherheit und ebensolchem Maximum an Komfort ausgestattet sind“, sagt Mersch. Doch SUV seien - natürlich etwas markenspezifisch - immer noch sehr gefragt. Was den „E“-Markt, also die Elektrofahrzeuge angeht, so bezeichnet Mersch manche von den EU-Ländern ausgegebenen Ziele als etwas hochgegriffen. „Ich möchte betonen, dass wir diese Politik zu 100 Prozent unterstützen. Man muss allerdings auch sehen, dass wenn man sich solche Ziele steckt, egal wer es nun ist, auch die Produkte und die Infrastrukturen nachkommen müssen.“

Ausbildung im Auge

Als große Herausforderung für das Jahr 2017 und darüber hinaus sieht Mersch die Ausbildung im Sektor. „Dies ist immer noch ein Arbeitsfeld für uns.“ Mit den zuständigen Ministerien will man auch weiterhin konstruktiv auf den politischen Feldern wie unter anderem der Steuerreform zusammenarbeiten. Die Autohäuser müssen sich nach Mersch als immerwährender Herausforderung vor allem dem Kunden und seinen Wünschen stellen. „Das ist ein absolutes Plus für uns. Wir können dem Kunden unsere Qualitäten vermitteln, wir können auf den Kunden eingehen, alles genau erklären. Und genau deshalb machen wir ja unser dezentrale Festival, dass der Kunde zu uns kommen kann und sich von diesen Qualitäten überzeugt.“