ESCH/BELVAL
CHRISTIAN SPIELMANN

Tournee-Produktion von „Cats“ gastiert in der Rockhal

In London lief Andrew Lloyd Webbers Musical „Cats“ auf den Tag genau 21 Jahre - von 1981 bis 2002. Das Musical wurde auf dem kontinentalen Europa zuerst in Wien (1983) gezeigt, dann in Budapest (1983), Hamburg (1986), Paris (1989), und die Faszination für das Musical hatte schnell den Kontinent erfasst. 2011 gastierte das Musical erstmals in einem Zelt auf dem Glacis in Luxemburg. In Wiltz zeigte Regisseur Stanislav Moša 2015 seine ausgezeichnete und zeitgemäße Vision von „Cats“. Als das Musical 2015 nach London zurückkehrte, schrieb der Komponist die Arrangements um und ließ zum Beispiel den Rum Tum Tugger seinen Song rappen. In der Rockhal gastiert noch bis Sonntag diese neue Fassung von „Cats“, eine Tournee-Produktion der deutsche Produktionsfirma BB Promotion. Am Dienstag fand die Premiere gar im Beisein von Premierminister Xavier Bettel statt, der von den Katzen begeistert war.

Tanzende Katzen

Das Bühnenbild stellt eine Müllhalde dar, auf der die Katzen ihren „Jellicle Ball“ feiern (Anmerkung: das Wort „Jellicle“ ist eine Abweichung von „dear little cat“ in der Sprache von Kindern). Am Ende der Feier wird eine Katze vom Anführer Old Deutoronomy (John Peter Ellis) ausgewählt, die wiedergeboren wird. Das ist der einzige Leitfaden in der Show. Der Rest besteht aus Liedern, mit denen sich die Katzen vorstellen, wie die dicke Katze Jennyanydots (Ceili Hanorah O’Connor), zu deren Lied eine extrem flotte Stepptanznummer mit den Katzen, die als Fliegen verkleidet sind, abgeht, dem gefräßigen Kater Bustopher Jones (Matthew Peter Harrop), dem Frauenliebling Rum Tum Tugger (Daniel Alexander Partridge), der Eisenbahnkatze Skimbleshanks (Matthew James Rowland) oder den räuberischen Mungojerrie (Billy James Mahoney) und Rumpleteazer (Kirsty Marie Ingram).

Immer wieder taucht die alte Glamour-Katze Grizabella (Jeanette Greenlees, deren Künstlername Jenna Lee James ist) auf, wird aber von den anderen Katzen verscheucht. Am Ende wird sie von Old Deutoronomy auserkoren und kann in den „Heaviside Layer“ (etwa: Der sphärische Raum) aufsteigen. Zuvor singt sie den absoluten Hitsong des Musicals „Memory“, der noch immer für Gänsehaut sorgt. Zwischendurch kidnappt noch der Ganove McCavity (Thomas William Inge) den Anführer, der aber vom Zauberer Mister Mistoffelees (Alex Paul Harrison) wieder herbeigezaubert wird.

Choreografin Gillian Lynnes Meisterarbeit

Neben den unsterblichen Liedern von Lloyd Webber, dominiert die meisterhafte Choreografie von der im Juli 2018 verstorbenen Choreografin Gillian Lynne. Alle Tanzeinlagen werden in absoluter Perfektion getanzt und passen sich stets dem Rhythmus der Musik an. Auch wenn der Schluss des ersten Akts mit „The Jellicle Ball“ unbedingt vom Arrangement her modernisiert werden müsste, ist diese Choreografie eine der beeindruckendsten der Show.

Die Tournee-Regisseurin Chrissie Cartwright hatte endlich den Mut die Szenen zu „The Awefull Battle of The Pekes and the Pollicles“ und „Gus: The Theatre Cat“ zu kürzen und den langweiligen „Growltiger’s Last Stand“ ganz wegzulassen. Stimmlich gefallen eigentlich alle, doch Jeanette Greenlees als Grizabella dominiert wegen des Hits „Memory“. Daniel Alexander Partridge steht als Frauenheld mit seinem Rum-Tum-Tugger-Rap ebenfalls im Vordergrund. Mit dieser Fassung sind die „Cats“ sicher für immer und ewig magisch geworden.

„Cats“ wird noch bis zum Sonntag gespielt. - Tickets unter www.rockhal.lu