LUXEMBURG-KIRCHBERG
CLAUDE MÜLLER

Gitarren-Guru John McLaughlin in der Philharmonie

Kaum ein anderer zeitgenössischer Musiker hat bis jetzt so viele verschiedenartige Spuren hinterlassen wie der britische Gitarrist John McLaughlin, der am vorgestrigen Dienstag ein memorables Konzert mit vier indischen Musikern in der Kirchberger Philharmonie gab.

Als Pionier der Rock-Jazz-Welt initiierte er mit seinem Mahavishnu Orchestra Kult-Alben, musizierte in Sessions und einer Produktion mit Carlos Santana, er spielte bei Miles Davis und kooperierte mit dem London Symphonic Orchestra und diversen Streichquartetten.

Der mit unzähligen Fachpreisen ausgezeichnete Musiker widmete sich dann in den 1970er Jahren dem Studium der indischen Musik und Philosophie und eben diese Erfahrungen setzte McLaughlin bei dem Treffen am Dienstag in der Philharmonie genial in Szene.

Wie gewohnt zeigte sich der Gitarren-Guru anfangs von seiner meditativen Seite, ehe dann länger andauernde Phasen seines virtuosen, konzentrierten Spiels im Vordergrund des einmaligen Konzerterlebnisses standen.

Ruhige sensible Klänge im Wechsel mit rasanten, manchmal fast furiosen, aber immer kontrollierten und genial konstruierten von einem ungeheueren Ideenreichtum geprägten Phrasen, charakterisierten während der ganzen Soiree die faszinierende, abenteuerliche Stimmung. Wir hatten schon vor über 40 Jahren, nämlich 1972, die Gelegenheit John McLaughlin in München in einem Rahmenprogramm der olympischen Spiele zu erleben und waren am Dienstag umso mehr beeindruckt, dass der Meister noch immer mit derselben phänomenalen Leichtigkeit und vitalen Intensität agiert.

U- und E-Musik-Universen

Eine solch intensive Aussagekraft einer fünfköpfigen Band ist ein rares Erlebnis, hier waren faszinierende Entdeckungsreisen durch das gesamte Universum der U- und E-Musik angesagt, mit als Höhepunkten die konzentrierten, von einem enormen Ideenreichtum sprudelnden Zwiegespräche zwischen dem Leader und dem mit halsbrecherischen Phrasen in überzeugender Manier dominierenden Mandolinenspieler Uppalapu Srinivas.

Ebenso beachtlich waren die atemberaubenden Duelle der beiden Perkussionisten Zakir Hussain und Vinayakram Selvaganesh mit ihren komplexen Figuren in manchmal ungeraden Taktarten

Der Vokalist Shankar Mahdevan entpuppte sich als Star des Abends mit einem immensen Wirkungsgrad und einem unübertrefflichen Gespür für originelle rhythmische Strukturen und perfekten Klang-Raffinessen.

Fazit: Hier waren ausschließlich Meister ihres Fachs am Werk, die beim begeisterten Publikum sensationell beeindruckende Momente hinterließen.