LUXEMBURG
SVEN WOHL

„Wizards of Luxembourg“ vereinen englischsprachige Harry Potter-Fans

Harry Potter ist und bleibt ein Phänomen. Seit dem Erscheinen des letzten Buchs bleibt die Welt weiterhin fest in unserer Popkultur verankert. Wir haben mit Eniko Kovacs, der Gründerin der „Wizards of Luxembourg“, einer englischsprachigen Harry Potter-Community, gesprochen:

Wie ist die Idee zu „Wizards of Luxembourg“ entstanden?

Eniko Kovacs Es gibt wenige Dinge, die mich so sehr beeinflusst haben wie das Lesen der „Harry Potter“-Bücher. Die „Wizarding World“ (so die Bezeichnung des übergreifenden Franchises, Anm. d. Red.) hat mir stets geholfen, das Konzept der zweiten Heimat fern von Zuhause zu begreifen. In ein anderes Land zu ziehen kann eine sehr intensive Erfahrung sein und sie endet oft im Kontaktverlust zu Freunden oder Hobbies, was sich in eine leichte Depression verwandeln kann.

Ich suchte in der englischsprachigen Gemeinschaft in der Hauptstadt, doch ich konnte keine finden. Meine finale Entscheidung fiel, als das Kino auf Kirchberg den Harry Potter-Marathon ankündigte. Ich wollte sichergehen, dass ich mit den Potterheads, die mit uns 20 Stunden Harry Potter geschaut haben, in Kontakt bleiben könne, damit wir mehr magische Erfahrungen miteinander haben könnten.

Was unterscheidet euch von anderen Harry Potter-Fanclubs des Großherzogtums?

Kovacs Der Hauptunterschied besteht darin, dass wir Englisch als unsere Hauptsprache betrachten und wir vorhaben, alle Altersgruppen und Nationalitäten bei uns begrüßen zu dürfen. Die Erfahrung der zweiten Heimat fern von Zuhause für die englischsprachige Expat-Community wird durch die Diskussionen und die Spiele mit den lokalen Menschen vertieft.

Wie hat der Harry Potter-Fandom es geschafft, so lange zu überleben?

Kovacs Ich denke, dass es stets da sein wird. Die Herausforderungen der „Wizarding World“ sind nah an dem dran, was wir in unserem menschlichen (muggle) Leben begegnen, vielleicht mit der Ausnahme, dass wir keine magischen Objekte haben, um mit dem Leben klar zu kommen. Für mich sind die drei Säulen des Potter-Fandoms Freundschaft, Liebe und Hoffnung. Dies bringt eine warme und inklusive Community mit sich.

Die Menschen können sich mit den Figuren identifizieren und es wird stets fantasievolle Menschen geben, die gerne glauben würden, dass es eine verborgene magische Welt gibt. Jene, die glauben, dass es einen Ort gibt, den sie sehr im Herzen vermissen und wo sie hingehören. Die „Wizarding World“ gibt ihnen eine Art Antwort darauf.

Wie hat sich der Fandom entwickelt?

Kovacs Die Teenager, die einst in Schlangen vor den Bücherläden standen, um den Mitternachtsverkaufsstart eines Buches zu erleben, sind nun erwachsen und haben ihre eigenen Familien. Die Magie der „Wizarding World“ hilft nun, die Generationen miteinander zu verbinden.

Die jüngeren Generationen verbinden den Fandom stärker mit den Online-Communities, was sie größer werden lässt. Sie sind jedoch nicht mehr so intim, wie die lokalen Buchklubs es einst waren.

Welche Aktivitäten bietet ihr an?

Kovacs Wir organisieren Butterbier-Treffen, wo wir Brettspiele spielen oder Trivia machen. Wir haben einen Harry Potter-Buchclub mit Diskussionen in der Nationalbibliothek für jene, die tiefer in die verschiedenen Themen der Bücher eintauchen wollen. Für jene, die auf dem Smartphone gerne Spiele zocken, haben wir eine kleine Gruppe, die „Wizards Unite“ zusammenspielen.

Wir haben zwei Team aktiver Mitglieder, die mehr involviert werden wollen, „Dumbledore’s Army“ und der „Order of the Phoenix“.

Wir haben begonnen, Quidditch-Spieler zu rekrutieren, um mindestens ein luxemburgisches Team für die internationalen Spiele auf die Beine zu stellen.

Wir helfen gerne beim Organisieren von „Wizarding World“-basierten Partys wie zum Beispiel Hochzeiten, Baby Showers oder Workshops. Ehe die Quarantäne begann, wollten wir eine Nacht der magischen Tränke und Cocktails organisieren. Demnächst wollen wir eine Open-Air Community Picnic Party organisieren, um den 40. Geburtstag von Harry Potter zu feiern. Die Figur wurde am 31. Juli 1980 geboren.

Wie geht ihr mit toxischen Fans um?

Kovacs Überall wo es Fans mit starken Gefühlen für ihre liebsten Charaktere gibt, kann es toxische Elemente geben. Jeder geht damit auf seine Weise um. Was die Fans normalerweise miteinander verbindet, ist die Liebe für das Potter-Universum. Wir sind offen allen Geschlechtern, Altersgruppen und sexuellen Ausrichtungen gegenüber und tolerieren kein toxisches Verhalten gegenüber diesen Personen. Bisher hatten wir keine solchen Fälle.

Beschränkt ihr euch aufs Harry Potter-Fandom?

Kovacs Ich würde sagen, dass es sich mit allem befasst, was auch nur entfernt mit der Welt von Harry Potter zu tun hat, da die Fans offensichtlich auch andere Dinge mögen.

Wie sehr muss man Fan sein, um sich bei euch wohl zu fühlen?

Kovacs Wer Harry Potter kennt und eine Diskussion über die „Wizarding World“ spannend findet, sollte sich wie zu Hause fühlen. Die Trivia-Spiele auf der anderen Seite setzen ein gewisses Wissen zu den Büchern, Filmen und sozialen Events voraus. Sie sind perfekte Eisbrecher, um herauszufinden, zu welchem Haus man gehört und welcher Patronuszauber zu einem passt.


Wer sich den „Wizards of Luxembourg“ anschließen möchte, kann die Verlinkungen zu sämtlichen sozialen Netzwerken
unter wizardsluxembourg.wixsite.com finden