LUXEMBURG
CATHERINE NOYER

Der Frühlingsbote und Glücksbringer fasziniert seit jeher Parfümeure und Designer

Ihr Duft ist betörend und ihr Look begeisterte Christian Dior 1947 und zuvor bereits Jacques Guerlain, der 1908 das erste Maiglöckchen-Parfüm komponierte. Die Blume mit den weißen Glöckchen an der grünen Rispe gehört zur Gattung Convallaria und gilt in verschiedenen Ländern als Glücksbringer zum 1. Mai.

Für Christian Dior war sie nicht nur Glücksbringer, sondern, als Frühlingsbote mit dem außergewöhnlichen Duft, seine Talisman-Blume schlechthin. Ihr Name und ihr reines Weiß beleuchteten zahlreiche seiner Defilees und seiner Kreationen, wie beispielsweise das Kleid „Muguet“, das ganz mit Glöckchen bestickt war. 1954 widmete Monsieur Dior der Blume, die Sinnbild des Frühlings ist, eine ganze Linie. Da er abergläubisch war, ließ er eine Rispe in jeden der Rocksäume einnähen und trug eine im Knopfloch. Selbst heute wird das Maiglöckchen von seinen Nachfolgern in den Kollektionen neu interpretiert wie aktuell als „New Lily of the Valley“.

Bereits ein halbes Jahrhundert zuvor hatte Jacques Guerlain 1908 einen etwas pudrigen Maiglöckchenduft mit Iris kreiert. 90 Jahre später brachte Jean-Paul Guerlain seine Version des Parfums heraus. Seit 2016 interpretiert Guerlain-Parfümeur Thierry Wasser jedes Jahr „Muguet“ neu.

Herausforderung in Parfümschulen

Verbindet er dazu das Maiglöckchen mit einem Glücksbringer? „Ja, weniger mit dem Tag der Arbeit. Ich denke eher an den Bärlauch, der ähnliche Blätter wie das Maiglöckchen hat. Er wächst im moosigen Unterholz der Wälder im Halbschatten, wo es kühl ist. Das Maiglöckchen dagegen bildet die Blüten und anschließend rote Früchte aus und ist sehr giftig“, erklärt Thierry Wasser.

Aber es ist der Duft, der die Menschen seit Jahrhunderten betört. Heute kann man ihn synthetisch herstellen und dabei einen wesentlich reineren Duft erzielen. „Man sollte diese Frage historisch aufschlüsseln. In den Parfumschulen ist es eine besondere Herausforderung einen Maiglöckchenduft herzustellen. Es ist eine große Aufgabe für die Parfümerie das zu können und hier möchte ich, außer Guerlain, Lily of the Valley von Floris (1847), Muguet des Bois von François Coty (1941) sowie Diorissimo (1956) von Edmond Roudnitska für Dior zitieren“, informiert der Parfümeur.

In der Parfümerie ist das Maiglöckchen neben der Rose einer der anerkanntesten Düfte. Wird es deshalb auch dementsprechend geschätzt?

Thierry Wasser: „Das Maiglöckchen blüht nur wenige Tage im Jahr, während Rosen permanent zu haben sind. Es ist im Okzident beliebt, während in anderen Ländern eher Rosen, Jasmin und andere Blumen die Favoriten sind. Seine Blüten sind zwar klein, aber der Duft ist sehr stark. Ich selbst benutze die Duftnote nur als Fragment oder minimal wegen seiner außergewöhnlichen Seite, da sie den Kompositionen einen Frischekick gibt.“

Wenn auch der Duft wenig verändert wird, so steht jedes Jahr eine Sonderedition des „Muguet“-Flakons an. Es handelt sich dabei um den klassischen Bienen-Flakon Guerlains, der kunsthandwerklich neu gestaltet wird. In diesem Jahr ist es das für Brautschmuck bekannte Atelier Massillon, das dem Parfümflakon einen neuen Look beschert. •