LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Noémie Hengel über ihren Weg ins Konditorhandwerk

Wir treffen Noémie Hengel nach der Arbeit. Um 15.30. Zu diesem Zeitpunkt hat sie bereits einen langen Arbeitstag hinter sich. Denn als „Pâtissier-Chocolatier-Confiseur-Glacier“ muss man auf jeden Fall Frühaufsteher sein. Und Leidenschaft für seinen Beruf haben, unterstreicht die junge Frau, die auch eine passionierte Basketballerin ist. Ihr Engagement hat ihr 2015 den Titel als „Auszubildende des Jahres“ unter 422 Lehrlingen eingebracht. Im Interview erzählt sie, weshalb sie sich für ein Handwerk entschieden hat, was sie da am meisten begeistert und wie sie ihre Zukunft sieht.

Wie sind Sie zum Konditorberuf gekommen?

Noémie Hengel Während der Schulzeit gab es jede Menge Praktika und ich habe eins bei einem Bäcker bei mir um die Ecke in Wormeldingen gefunden. Das hat mir gefallen und ich habe später dort auch für einen Ferienjob angeheuert. Anschließend habe ich mich dann im Technischen Lyzeum Bonneweg eingeschrieben und meine Lehre begonnen.

Da macht man aber nicht gleich Superkuchen, oder?

Noémie (lacht) Nein, man beobachtet zuerst mal sehr viel. Man steht den ausgebildeten Konditoren zur Seite, bringt ihnen das, was sie benötigen, schneidet Obst, putzt. Erst nach und nach bekommt man weitere Aufgaben, wie etwa einen Tag zu präparieren. Man lernt vor allem auch, wie eine professionelle Mannschaft zusammen funktioniert, im Stress, im Streit und im Stolz über das Geleistete. Man braucht natürlich etwas Zeit, um mit dem Rhythmus klarzukommen und um zu merken, wann die richtigen Momente sind, Fragen zu stellen, und wann man Unterstützung beantragt.

Die Unterstützung hatten Sie?

Noémie Ja, von Anfang an. Ich hatte einen Super-Lehrmeister, der mir viel gezeigt und mich auch mitgenommen hat zu Kunden. Er hat mir auch die Chance eingeräumt, ein paar Wochen in der Schweiz richtig viel dazuzulernen. Ich durfte auch meine Kreativität beweisen, indem er mich bei der Kuchendekoration einsetzte.

Wie plant man denn einen Kuchen am besten?

Noémie So, dass er den Wünschen des Kunden völlig entspricht, sowohl vom Aussehen her als auch natürlich vom Geschmack. Das ist jetzt leicht gesagt, nicht? Dahinter steckt aber sehr viel Arbeit und erstmal Planung. Dann versucht man, den Plan umzusetzen. Manchmal haut das nicht sofort hin, weil man zum Beispiel etwa feststellt, dass Teile des Kuchens nicht zusammenhalten. Also muss man sich einen anderen Weg einfallen lassen. Meistens unter Zeitdruck. Aber mit der Erfahrung bekommt man die Grundlagen immer besser in den Griff und behält noch Zeit, richtig kreativ zu sein.

Was würden Sie rückblickend einer Auszubildenden raten?

Noémie Geduld zu haben. Nicht gleich einzuschnappen, wenn es mal im Stress auch lauter zugeht. Am Anfang braucht man einen langen Atem, um das zu verdauen. Manchmal fällt es auch schwer, Abstriche beim Familien- und Freizeitleben zu machen, denn man muss ja früh raus und schläft manchmal schon, wenn Freunde gerade zur Feierabendparty aufbrechen. Man muss sich auch an ein technisches Vokabular in verschiedenen Sprachen gewöhnen. Vor allem aber muss man sich die Leidenschaft für diesen Beruf bewahren, der nie eintönig ist. Auch wenn man hundert Mal die gleichen Patisserien macht: Man kann immer dazulernen.

Probieren Sie eigentlich auch zu Hause neue Rezepte aus?

Noémie Natürlich. Ich habe eine große Familie, die gerne nascht und der ich sehr gerne kleine Freuden bereite.

Wie ist das, wenn Sie im Urlaub sind? Fällt da immer gleich ein kritischer Blick auf die Kuchen und Leckereien in den jeweiligen Ländern?

Noémie (lacht) Weniger kritisch als interessiert. Natürlich interessieren mein Freund, der auch Konditor ist, und ich uns für die Spezialitäten, die anderswo aufgetischt werden. Denn sie inspirieren uns auch.

Und was inspiriert Sie derzeit am meisten in Ihrem Fach-gebiet?

Noémie Ich habe mich in letzter Zeit viel mit Pralinen beschäftigt. Alles, was mit Schokolade zu tun hat, interessiert mich sehr. Man muss da sehr präzise arbeiten und vor allem auf Temperaturen achten. Eine perfekte Ganache hinzubekommen, ist schon eine Herausforderung.

Was planen Sie für die Zukunft?

Noémie Ich möchte den Meisterbrief machen, bin aber noch nicht sicher, ob ich ein eigenes Unternehmen eröffnen will. Auf jeden Fall werde ich bald in die nächste Etappe meiner beruflichen Karriere starten.