LONDON
ULI HESSE (DPA)

Seit 60 Jahren schreibt Alan Ayckbourn tiefschwarze Komödien und Grotesken für die Bühne wie „In bestem Einvernehmen“ oder„Frohe Feste“ - nun wird der Erfolgsdramatiker 80

Alan Ayckbourn nimmt sich selbst und seine Schreibgeschwindigkeit gerne auf die Schippe: Drei fertige Stücke liegen bei ihm schon in der Schublade - in den nächsten Jahren wird er sie inszenieren, eines pro Jahr. Aber über deren Inhalte will er nichts verraten: „Je weniger über sie gesagt wird, desto besser. Vielleicht werde ich sie noch durch andere ersetzen!“ Am kommenden Freitag (12. April) feiert der erfolgsverwöhnte Autor seinen 80. Geburtstag im engsten Familienkreis.

Mehr als 35 Auszeichnungen und Ehrungen hat der Dramatiker bisher erhalten, darunter die britischen und amerikanischen Theater-Oscars sowie internationale Ehrungen für sein Lebenswerk. Mehrere seiner Bühnenstücke wurden für die Leinwand adaptiert, unter anderem vom preisgekrönten französischen Regisseur Alain Resnais (1922-2014).

Geboren wurde Ayckbourn am 12. April 1939. Seine Mutter schrieb Kurzgeschichten für Frauenmagazine, um sich und den jungen Alan finanziell durchzubringen. „Ich kopierte sie, weil ich annahm, dass alle Familien auf diese Weise ihr Einkommen verdienen“, sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Doch beruflich versuchte er sich erst als Schauspieler, bevor er sich dem Schreiben zuwandte. 1961 führte er zum ersten Mal Regie bei Patrick Hamiltons «Gaslicht» und inszenierte ab 1963 die Uraufführungen aller seiner Werke. „«Es wurde viel einfacher (Regie zu führen und zu schreiben), als ich aufhörte, in ihnen aufzutreten!“

Insgesamt hat er mehr als 80 Theaterstücke geschrieben, darunter viele hintersinnige Komödien und treffsichere Glossen. Auch auf deutschen Bühnen liefen seine Werke mit großem Erfolg: In der skurrilen Bühnenstory „Ab jetzt“ besitzt die Maschine mehr Gefühl als die Menschen um sie herum; Ayckbourn nimmt Vereinsamung und Technikwahn aufs Korn. Und im Komödienklassiker „Schöne Bescherungen“ wird das Weihnachtsfest zur Katastrophe: Statt Besinnlichkeit und Harmonie dominieren Frustration, Aggression und illegitime Lustausbrüche.

Ayckbourn ist bekannt dafür, dass er schnell schreibt und kaum ein Wort ändert, sobald ein Stück fertig ist. Dazu strukturiert er alle Einzelheiten vorher im Kopf. „Sobald ich die Reise einschließlich des Endziels eindeutig kartiert habe, führe ich die Protagonisten ein und schließlich den Dialog.“

In den vergangen sechs Jahrzehnten, in denen er beruflich schrieb, litt er nie an einer Schreibblockade - mit einer Ausnahme: 2006 hatte er einen Schlaganfall und lag acht Wochen im Krankenhaus „ohne eine einzige Idee oder einen einzigen Protagonisten im Kopf. Es war eine sehr einsame Zeit, bis sie Gott sei Dank wieder zurückging.“ Danach gab er seine Posten als künstlerischer Leiter des Stephen Joseph Theatre in Scarborough auf. Mit dem kleinen Seebad an der Nordseeküste verbindet ihn viel.

Es ist nicht nur privat seit vielen Jahrzehnten seine Heimat, sondern auch kreativ: Das liegt daran, dass er am liebsten für Arenatheater schreibt, wie eben das ungewöhnliche Steven Joseph Theatre, bei dem die Zuschauer um die Bühne herumsitzen. «Es ist flexibel und nicht an strenge szenische oder technische Konventionen gebunden und konzentriert sich sehr auf die Darsteller und das Geschichtenerzählen», erklärte Ayckbourn die Vorzüge. „Außerdem muss das Publikum im selben Raum sitzen - was für mich das Wesentliche am Theater ist.“

Sein legendäres Durchhaltevermögen hält er für seine größte Errungenschaft. Er fing als Junge mit zehn Jahren an zu schreiben und hat seither 86 Stücke verfasst. Das 83. Stück - „Birthdays Past, Birthdays Present“ über einen Vorstadt-Schürzenjäger und seine Verlobte - wird im September in Scarborough uraufgeführt. Rückblickend sagte der Altmeister der grotesken Komödie über seine vielen Werke: „Mit einigen davon bin ich tatsächlich sehr zufrieden, andere vergesse ich lieber, aber trotzdem - man lernt ja nie aus.“