LUXEMBURG
SANDY KUBAJ

Seit vergangenem Donnerstag ist der HIV-Selbsttest auch in Luxemburg erhältlich. In einer ersten Phase nur in Apotheken zum Preis von um die 25 Euro, ab Ende November dann auch in den Supermärkten.  In Luxemburg leben schätzungsweise rund 1.200 Personen mit HIV; davon wissen 15 Prozent nicht, dass sie HIV-positiv sind. Viele haben noch nie einen Test gemacht, teilweise aus Scham oder aber auch, weil sie sich nicht betroffen fühlen.

„Ein HIV-Selbsttest ist ein Test, der sich einfach selbst durchführen lässt, zum Beispiel ganz diskret zu Hause. Dabei wird etwas Blut aus der Fingerkuppe in das Teströhrchen gegeben. Der HIV-Selbsttest zeigt das Ergebnis nach ungefähr einer Viertelstunde an. Wie andere übliche Testverfahren auch, weist der Selbsttest nicht das HI-Virus direkt nach, sondern Antikörper, die der Körper nach einer Infektion entwickelt.

Eine Infektion kann ausgeschlossen werden, wenn das Test-Resultat nach einer Zeitspanne von drei Monaten zwischen Risikosituation und Selbsttest negativ ist, und die Person in dieser Periode keinem neuen Infektionsrisiko ausgesetzt war. Leuten, die regelmäßig Risikosituationen ausgesetzt sind, empfehlen wir übrigens, sich alle drei Monate testen zu lassen.

15 Prozent der Menschen, die in Luxemburg mit HIV leben, wissen Schätzungen zufolge nicht, dass sie HIV-positiv sind. Der Selbsttest kann Menschen den HIV-Test erleichtern, die sonst aus Angst oder Scham nicht zum Test gehen würden. Für andere stellt er eine Erleichterung dar, so dass sie sich häufiger testen können. Der Selbsttest trägt so dazu bei, dass Menschen früh von ihrer Infektion erfahren und behandelt werden können. Durch die antiretrovirale Therapie werden beim Betroffenen nicht nur Aids-Erkrankungen vorgebeugt, es werden auch weitere Übertragungen von HIV verhindert.

Der Selbsttest sollte also als zusätzliches Mittel angesehen werden, damit mehr Leute sich regelmäßig testen lassen. Es ist eine gute Sache, wenn man sich nicht nur darauf beschränkt. Es gibt ein breites Testangebot, je nach Präferenz und Bedarf. So kann man mit der klassischen Blutabnahme im Krankenhaus oder im Labor schon sechs Wochen nach einer Risikosituation ein zuverlässiges Resultat haben. Die ‚HIV Berodung‘ des Roten Kreuzes bietet Schnelltests an, bei denen man innerhalb einer Minute nach der Blutabnahme in der Fingerkuppe das Resultat bekommt und einem ausgebildetes Personal zur Seite steht.

Was manchmal befürchtet wird, ist, wenn der HIV-Selbsttest positiv ausfällt, und die Person, die den Test gemacht hat, alleine zu Hause sitzt. In diesem Fall kann diese sich an die ‚HIV Berodung‘ oder das CHL wenden, die auch auf dem Beipackzettel des Selbsttests in vier Sprachen vermerkt sind, um Rat und Unterstützung zu erhalten. Unsere Leute haben diesbezüglich eine spezielle Ausbildung erhalten.
Der Selbsttest ist eine Chance für alle, die sich bisher nicht getraut haben. Er sollte in Kombination mit anderen Präventionstools genutzt werden, wie das Kondom oder die Pre-Expositionsprophylaxe (PrEP). Am besten ist man ‚sécher ënnerwee‘.“