LUXEMBURG
CLAUDE MÜLLER

„The Roger Cicero Jazz Experience“ beim „Printemps Musical“

Gespannt sein durfte man schon auf den Auftritt von Roger Cicero im Atelier. Dass einige Anhänger der gängigen Pop- oder Schlagerszene sich mit gemischten Gefühlen zu der Jazzperformance des beliebten Entertainers begaben, ist verständlich. Doch nehmen wir es gleich vorweg: Niemand wurde an diesem Abend enttäuscht und sowohl die Jazzfreaks, wie auch die Fans der kommerziellen Unterhaltungsbranche kamen voll auf ihre Kosten. Dass Roger Cicero vom zarten Kindesalter an permanent mit Jazz konfrontiert war, wie er gerne in Interviews erzählt, verdankt er seinem Vater, dem virtuosen Pianisten Eugen Cicero, der durch seine jazzorientierten Bearbeitungen bekannter Werke von Klassikern wie Liszt oder Chopin mit seinem Trio, zu dem der Schweizer Schlagzeuger Charlie Antolini gehörte, zu Weltruhm gelangte.

Kompakt musizierendes Trio

Begleitet von einem bemerkenswert kompakt musizierenden Trio mit dem aus Luxemburg stammenden Kontrabassisten Hervé Jeanne und zwei weiteren Mitgliedern seiner Big Band, bot Roger Cicero am Mittwochabend eine ansprechende musikalische Demonstration seiner heimlichen Liebe, dem vokalen Jazz aus der goldenen Ära der großen Crooner. Mit samtweicher Stimme eröffnete der charmante Sänger die Soiree mit „No Moon At All“ und zeigte gleich sein außerordentliches Können in Sachen Scatgesang und flexiblen Phrasierungen, ehe er mit James Taylors „Shower The People“ schon das gesamte, zahlreich erschienene Publikum überzeugt hatte, wobei der hervorragende Pianist Maik Schott mit einem großartigen Solo verblüffte. Mit verblüffender Leichtigkeit intonierte der Künstler dann selbst die äußerst schwierige Nummer „Moody’s Mood“, die auf einer Improvisation des Be Bop-Saxofonisten James Moody über den Evergreen „I’m In The Mood For Love“ basiert und in den 1950er Jahren von dem Entertainer Eddie Jefferson betextet wurde, eine wahre Meisterleistung, die allein schon den Besuch des pittoresken Konzerts wert war. Unplugged genießen konnte man anschließend raffiniert arrangierte Versionen von eher rar gespielten Kompositionen der Singer und Songwriter Paul Simon, Bob Marley und Stevie Wonder. Natürlich war gegen Ende des Konzerts ein vitales, modisch konzipiertes Schlagzeugsolo von Matthias Heusel angesagt, der mit seinem technischen Know How überzeugte.

Cicero zeigte sich immer wieder von seiner besten Seite als Publikumsliebling und strahlte permanent eine ansteckende Begeisterung für diese Sache aus, die eigentlich, neben seiner Haupttätigkeit als erfolgreicher Popstar der deutschen Szene, der mit einer mindestens zwölfköpfigen Big Band auf den Bühnen der großen Arenen steht, für ihn die Erfüllung eines Traums ist, der mit Liebe zum Detail und sorgfältigen Nuancierungen perfekt inszeniert war.

Relaxe Soiree

Studiert hat er sie alle, die großen Meister des Vocaljazz, von Mel Tormé über Chet Baker bis zu Al Jarreau und Bobby McFerrin. Auch die zwischendurch charmant eingefügten Anekdoten trugen zu der lockeren Stimmung der relaxen Soiree bei, erwähnte der Sänger zum Beispiel, dass vor zehn Jahren bei seinem ersten Versuch sein Jazzprojekt in Luxemburg zu präsentieren - im Redinger „Inoui“ bei einem mehrtägigen Engagement an zwei aufeinander folgenden Tagen - jeweils nur drei Zuhörer zugegen waren und die Band freundlich gefragt wurde, ob sie nicht eventuell früher abreisen möchte. Diesmal wird Roger Cicero seinen Auftritt im Atelier, seinem „ersten in einem unbestuhlten Club“, in bester Erinnerung an ein begeistertes, dankbares Publikum behalten.