ANNETTE DUSCHINGER

Gestern war Internationaler Männertag und der ist beileibe nicht zu verwechseln mit dem Weltmännertag. Denn während es nur einen Internationalen Frauentag gibt, der auch Weltfrauentag genannt wird, stehen den Männern zwei Tage zur Verfügung, um auf ihre spezifischen Probleme aufmerksam zu machen. Am 3. November ist Weltmännertag, ein Aktionstag, der unter der Schirmherrschaft von Michail Gorbatschow 2000 erstmals begangen wurde und das Bewusstsein der Männer im gesundheitlichen Bereich erweitern soll. Immerhin liegt die Lebenserwartung der Männer im Durchschnitt sieben Jahre unter der der Frauen.

Auch am Internationalen Männertag liegt der Fokus auf Männer- und Jungen-Gesundheit, er soll aber auch die Gelegenheit bieten, Benachteiligungen von Männern und Jungen aufzuzeigen und ihren Einsatz für die Gemeinde, Familie, Ehe und Kinderbetreuung zu würdigen. Doch wo blieben die Pressemitteilungen, Diskussionsrunden, Konferenzen, Aktionen und Kampagnen? Das einzige, was uns gestern ins Haus flatterte, war die Einladung des Chancengleichheitsministeriums zu einer Konferenz über die sexuelle Gewalt gegenüber Frauen in bewaffneten Konflikten, die nächste Woche stattfinden wird...

Und dabei war es Chancengleichheitsministerin Françoise Hetto-Gaasch, die das Thema „Männerarbeit“ im Sinne von Arbeit mit Männern aufgriff, das vor einem Jahr zur Einrichtung des Beratungsdienstes „infoMann“ führte. 140 Kunden hatten innerhalb des letzten Jahres dieses Angebot genutzt und dabei ging es oft um Konflikte in Beziehungen, um veränderte Männerbilder. Aber die einzige Aktion, die infoMann zum Internationalen Männertag einfiel, war es, Äpfel zur Stärkung der Gesundheit an männliche Passanten zu verteilen, ihnen damit einen genussreichen Tag zu wünschen und sie daran zu erinnern, sich regelmäßig etwas Gutes zu tun. Aber ist die Männer-Gesundheit wirklich das vorherrschende Problem?

Sicher, Männer quälen sich erst zum Arzt, wenn ihnen etwas weh tut, haben Angst, Schwäche zu zeigen oder schlechte Nachrichten zu bekommen. Sie ernähren sich schlechter, rauchen und trinken mehr, sind gestresster und leben riskanter. Dieses Problem scheint sich aber nun von alleine zu lösen, denn die Lebenserwartung der Geschlechter nähert sich an. Nicht weil Männer gesundheitsbewusster leben, sondern weil Frauen inzwischen ähnlich viel arbeiten und entsprechend gestresster sind sowie ein ähnliches Rauch- und Trinkverhalten an den Tag legen.

Doch wie sieht es mit den anderen Pisten aus: Jungen sind schlechter in der Schule, öfter als Mädchen verhaltensauffällig, vielen fehlt es heute schon an männlichen Vorbildern, viele werden fast ausschließlich von Frauen erzogen - in Familie und Schule? Schade, dass darüber nicht mehr geredet wird, dass wir so wenig darüber wissen, wie sich in Luxemburg die Einstellung zu Geschlechterrollen entwickelt. Aktionen am Internationalen Männertag, die sich wie am Weltmännertag auch lediglich um Gesundheitssensibilisierung drehen, können wir uns eigentlich sparen.