HESPERINGEN/LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Übler Scherz endet vor Gericht und mit der Androhung von Sozialstunden

Am 18. Januar 2013 erscheint ein 28-Jähriger im Polizeikommissariat in Hesperingen und erzählt der Polizei, dass seine Freundin heimlich 500 Euro mit seiner Kreditkarte von seinem Bankkonto abgehoben habe.

Nachdem Claude N. im Kommissariat zum wiederholten Mal beteuert, er sage wirklich die Wahrheit und es handele sich nicht um einen „dummen Scherz“, nimmt die Polizei die Ermittlungen auf. Doch die Beweisführung ist aufwendig. Videos aus der Bank müssen ausgewertet, Gespräche mit Bankangestellten geführt werden.

Tagelang bemühen sich die Polizisten, den Fall zu Ende zu bringen. Und das schaffen sie auch. Aber anders als gedacht. Schlussendlich lassen die Polizeiermittlungen die Anschuldigungen wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Nach Androhung einer Anzeige bequemt sich N. dazu, den Polizisten zu erklären: „Ja, ich habe gelogen.“ Alles sei aus Missgunst und Rache geschehen.

Freundin hätte ins Gefängnis kommen können

Nun wurde der Fall vor der siebten Strafkammer in Luxemburg verhandelt. Der junge Mann saß mit gesenktem Kopf auf der Strafbank, als der Richter ihm vorwarf: „Hatten Sie keine Bedenken und nicht überlegt, dass solche Anschuldigungen ihre Freundin hinter Gitter bringen könnten?“ N. verneinte.

„Ich brauche nichts zu der hinterlistigen Art, wie der Beschuldigte seine Geschichte aufgebaut hat, zu sagen“, erklärte die Anklagevertreterin Colette Lorang in ihrem Plädoyer. „Verleumdung und falsche Anschuldigung sind die gemeinsten Straftaten, die unser Gesetzbuch aufweist.“ Sie fordert eine Haftstrafe und eine Geldstrafe für den Angeklagten.

Die Höhe der Freiheitsstrafe legte sie ins Ermessen des Gerichts. Allerdings gebe es auch mildernde Umstände in diesem Fall, denn der Angeklagte ist nicht vorbestraft, was ihm das Gefängnis wohl erspart. Denn dazu gibt es eine Alternative: Gemeinnützige Arbeit. Und der Angeklagte akzeptierte dies. „Jetzt soll er für andere schwitzen, statt im Gefängnis zu sitzen. Das sei das Prinzip der gemeinnützigen Arbeit“, erklärt ihm der Vorsitzende Richter.“ Das Urteil fällt voraussichtlich am 8. Oktober 2015.