ESCH/ALZETTE
GUY VAN HULLE

Die Kultmarke aus Trollhättan fasziniert auch noch nach ihrem Ende

Marc Mostert, der 39jährige Alt-Escher und seit einigen Jahren „beigepraffter“ Hiehler sammelt seit etlichen Jahren ältere Autos, sowie andere Briefmarken. Dabei handelt es sich nicht etwa um extrem edle Oldtimer, mit denen sich „Schicki-Mickis“ bei versnobten Rallyes, „fir ee gudden Zweck“ ein paarmal jährlich in Szene setzen, sondern „lediglich“ um sehr gut erhaltene Klassiker verschiedener Fabrikate mit Kultcharakter.

Seit 2008 hat es eine ganz bestimmte Marke dem jungen Datenschützer besonders angetan. Die schon immer etwas anderen Fahrzeuge des schwedischen Flugzeug und Automobilherstellers SAAB. (Svenska Aeroplan AB ) . Wie es dazu kam schilderte uns Marc Mostert neulich beim skandinavischem „Skol Apero“ in seinem Garten.

Schon bevor er zufällig zum überzeugten „SAAB“-Freund wurde, hatte Marc „Dijon“ Gefallen an etlichen anderen Vintage-Autos gefunden und sie eifrig gesammelt. Zu seiner Einsteigersammlung gehörten und gehören, vier Vertreter der „FABRICA ITALIANA AUTOMOBILI TORINO“ (FIAT), darunter die seltene von Pininfarina gestaltete Oberklasselimousine FIAT 130. Zwei „Zitrounen“ (Citroën) - eine ID-19 sowie ein kleiner LNA - und ein niederländischer DAF mit seinem legendären Automatikgetriebe ergänzen die Sammlung.

Einen alten Schweden vor der Schrottpresse gerettet

Was die Liebe zu SAAB betrifft, so war dies keine auf den ersten Blick, wie Marc sagt, er war eher Italiens Kultur und seinen schön gestylten Produkte zugeneigt.

„Dass ich mich urplötzlich für die urigen SAAB-Autos interessierte war ein kompletter Zufall.“ Im Rahmen eines langen Abends auf dem „Beforter Camping“ wurde viel Blech und Benzin geredet. Nachdem Marc seine Vorliebe für Klassiker bekundet hatte, erzählte ihm eine Zeltnachbarin, dass sie von einem Auto der besonderen Art wüsste, das ihm gefallen könnte. Dabei handele es sich um einen SAAB 900, Jahrgang 1986, den eine ältere Dame aus Schifflingen verkaufen wollte. „Obschon ich zu dem Zeitpunkt keinen Bezug zur Marke hatte, beschloss ich der Sache nach zu gehen.“ Er fand einen extrem gut erhaltenen Youngtimer. Obwohl er nicht einmal 52.000 km auf dem Tacho hatte, wollte die Eigentümerin ihn „unverständlicherweise“ abstoßen und durch einen Kleinstwagen ersetzen.

Nach einer kurzen Probefahrt „iwwer Land“, war klar, dass es einer Schandtat gleichgekommen wäre, ein so wertvolles Auto zu verschrotten. Marc machte den Handel perfekt und erwarb den „Sedan 900“ in Rotmetallic für 900 Euro. „Das Fahrgefühl stimmte, ich fühlte mich rundherum sowohl aktiv wie passiv sicher, alles funktionierte einwandfrei, lediglich die etwas hart abgestimmte Federung war für mich anfangs gewöhnungsbedürftig…“ Schließlich war er ja von Citroën verwöhnt.

Es blieb nicht bei einem SAAB

Dem ersten SAAB folgten weitere acht Stück, gleich drei „900er“, zwei Cabrios, darunter ein „2,1l 16V ‚California‘“, ergänzt durch zwei weitere Exemplare der Baureihe 99, einem ‚EMS‘ von 1975 und einem ‚99 Jackfish GL‘. Ein noch sehr gut erhaltener 9000 aus Portugal kam neulich dazu. Ersatzteile hat Marc unterdessen reichlich gehortet und Neuteile gibt es auch heute noch aus Schweden - allerdings zu skandinavischen Preisen. Die Sammlung wurde vorläufig von einem runden Saab 96, der von einem V4-Motor von Ford angetrieben wird, vervollständigt.

Dieses Auto, das zusammen mit seinem fast baugleichen Vorgänger 93 - zum Teil noch mit Zweitaktmotor - auf verschneiten Rallyestrecken - zu allerhöchsten Ehren gelangte, u.a. in Monte-Carlo 1963 mit Erik Carlsson „Carlsson on the roof“, hatte in Schweden auf Grund seiner unverkennbaren Silhouette den Kosenamen „die Gurke“. Aber Vorsicht, die frühen SAABs sind nicht mit dem heckgetriebenen „Buckel-Volvo“ PV 444/PV544 zu verwechseln!

Zu gut für diese Autowelt…

Volvo und SAAB, zwei unterschiedliche Autophilosophien aus ein und demselben Land führten natürlich zu Rivalitäten. Aber leider alles vorbei. Seit 2012 werden nur noch Flugzeuge der Marke SAAB hergestellt. Die zwei Jahrzehnte zuvor an GM verkaufte und zuletzt selbstständige Autosparte stellte damals ihren Betrieb ein. Sämtliche Wiederbelebungsversuche scheiterten.

In unseren Breitengraden erfreuten sich die sicheren und für ihr eigenständiges Design berühmten SAAB einer recht großen Beliebtheit bei einer individuellen Kundschaft aus Freiberuflern und Akademikern. Der 9-5 von 2010 war das letzte Modell, das die auf Qualität achtenden und zu keinen billigen Kompromissen bereiten SAAB-Ingenieure - was die zeitweilige US-Mutter GM nie verstanden hatte - auf den Markt brachten. Vielleicht war es gerade diese Gewissenhaftigkeit, die der Marke paradoxerweise zum Verhängnis wurde?

Der sympathische SAAB-Tüftler Marc, eigentlich ein Büromensch, hat sich vorgenommen als Autodidakt weiter mit einigen Freunden an seinen Kultautos „Made in Sweden“ zu schrauben, um sie nach dem Motto: „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott“ in Schuss zu halten.


Eine Empfehlung des Autors für weniger begabte SAAB- Tüftler: Auto Herz GmbH ; SAAB -Zentrum , Eltzstraße 38; Trier/ Pfalzel ; Eine Adresse für noch junge und ältere „Schweden“