LUXEMBURG
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Die Entwicklung des Luxemburger Roten Kreuzes

Während bereits 1907 die Genfer Konvention über die Besserung des Schicksals der Verletzten und Kranken im Feldeinsatz von der Abgeordnetenkammer ratifiziert worden war, kam es erst nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs zur Gründung einer luxemburgischen Sektion des Roten Kreuzes, nachdem sich Großherzogin Marie-Adelheid, am 6. August 1914 bereit erklärt hatte, die Schirmherrschaft über eine humanitäre Organisation zu nehmen.

Nur zwei Tage nach dieser Erklärung, am 8. August 1914, hatten Emile und Aline Mayrisch zwölf Persönlichkeiten (den Vorsitzenden der Abgeordnetenkammer, den Präsidenten des Staatsrats, den Bürgermeister der Stadt Luxemburg, den obersten Befehlshaber der Armee, den Direktor des bakteriologischen Laboratoriums, den mit der Betreuung der Staatsangehörigen der alliierten Länder und der Soldatenfrauen beauftragten Regierungsrat, die Vertreter der drei Kirchen und den Hofmarschall) zusammengebracht, um notariell beglaubigt die Gründungsurkunde des Luxemburgischen Roten Kreuzes zu unterzeichnen. Im Oktober 1914 wurde es vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes anerkannt.

Der luxemburgische Stahlindustrielle und seine Gattin ließen dem Geist Henry Dunants denn auch Folge leisten: Ihren Wohnsitz in Düdelingen (später „Casino der ARBED“) wandelten sie in ein Kriegshospital um, in dem zahlreiche Verletzten und Kriegsgefangene versorgt wurden.

Nach dem Krieg wurden die Aktivitäten des Roten Kreuzes auch auf soziale Unterstützung und die Förderung der Gesundheit ausgerichtet. Nach der stürmischen Zeit der Jahre 1940 bis 1945 musste das Luxemburgische Rote Kreuz, von den Ereignissen schwer geprüft, seine Aktivitäten wieder aufbauen und neu ausrichten. Diese Reorientierung umfasste im Wesentlichen drei Ideen, wie die Organisation resümiert. Einerseits die Anpassung der in der Vergangenheit getätigten Aktivitäten an die Erfordernisse der Zeit und die Entwicklung neuer, den Bedürfnissen einer modernen Gesellschaft angepassten Dienstleistungen. Dann die Schaffung eines leistungsfähigen Systems zur Sammlung von Spenden durch die Einführung einer jährlichen „Quinzaine de la Croix Rouge“.

Und schlussendlich die Notwendigkeit der Einsetzung einer Verwaltung, die die Stetigkeit und die Vorschriftsmäßigkeit der sozialen und sanitären Dienstleistungen sicherstellte. Seitdem wurde eine ganze Serie von Dienstleistungen eingeführt.

 

Breite Palette

Heute ist das Luxemburgische Rote Kreuz, dessen Vorsitz Großherzogin Maria Teresa innehat und das über 2.100 Mitarbeiter zählt, in zahlreichen Feldern aktiv: Gesundheit (von Aidsberatung bis Rettungshundestaffel über Blutspenden und Rehazentrum), Soziales (von der Anlaufstelle für Prostituierte dropIn bis zu Sozialläden), Jugend und Familie (von Adoption bis psychologische Unterstützung) und internationale humanitäre Hilfe (Einheit für Nothilfe und Forschung über Notunterkünfte). Nachfolgend einige Projekte, welche die Bandbreite der Leistungen des Roten Kreuzes zeigen. 

 

Erschwingliches Wohnen | luxemburgisches Rotes Kreuz wird auch in diesem Bereich aktiv

Mit der Wohnproblematik ist das Rote Kreuz seit langem in seinen sozialen Diensten konfrontiert, wo sich Leute melden, die unter anderem Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche haben. Auch bringt das Rote Kreuz mehrere hundert Menschen in seinen Strukturen wie Tagesstätten oder betreutem Wohnen unter. Eine gewisse Expertise bei Planung, Ausführung und Management von Wohnungen konnte also aufgebaut werden. Nun geht die Organisation aber noch einen Schritt weiter und will erschwinglichen Wohnraum schaffen mittels Immobilienprojekten. Ein Projekt in diese Richtung konnte im vergangenen November durch eine Konvention mit der Stadt Differdingen in Angriff genommen werden: „Jugendwunnen am Quartier Arboria“. Hier entstehen 37 Studios mit günstigen Mieten für junge Erwachsene (18 bis 30) aus der Region Differdingen, die sich in einer sozial schwierigen Lage befinden oder nicht mehr im Familiendomizil bleiben können. Wobei das Rote Kreuz auch die Begleitung dieser jungen Erwachsenen gewährleistet, vor allem auch was ihre Aus- und Weiterbildung anbelangt.

Von Kongo bis Ukraine | Wo das Luxemburger Rote Kreuz hilft

Die Vereinigung „Aide internationale de la Croix-Rouge Luxembourgeoise“ betätigt sich aktiv in verschiedenen Teilen der Welt. Sowohl in der Ukraine, wie im Nepal oder in Uruguay und in anderen Ländern Afrikas wurden Projekte gestartet, um Menschen in Not zu helfen. Das Rote Kreuz hilft aber auch im Niger, wo Gemeinschaften geholfen wird, widerstandsfähiger für den Klimawandel zu werden. Erst kürzlich hat das Rote Kreuz bei der von Großherzogin Maria Teresa organisierten internationalen Konferenz gegen Vergewaltigungen als Kriegswaffe eine Absichtserklärung mit Dr. Denis Mukwege unterzeichnet. Der Gynäkologe und Nobelpreisträger hilft in seiner Klinik in der kongolesischen Provinz Bukavu Vergewaltigungsopfern. Das Rote Kreuz beteiligt sich an Modernisierung und Ausbau der Klinik.

Psychotherapeutische Begleitung | Das „Centre Jean“ in Betzdorf

Am vergangenen 6. November konnte das erste Kind in der stationären Struktur des „Centre socio-thérapeutique Jean“ in Betzdorf/Berg aufgenommen werden. Die Struktur richtet sich an Familien, die eine schwierige Zeit durchleben und deren Kinder Zeichen von psychischem Leid zeigen, die sich durch Auffälligkeiten auf das Verhalten oder emotionale Ebene ausdrücken. Die Problematik kann sich zu Hause und/oder in der Schule äußern. Das Zentrum bietet eine psychotherapeutische Arbeit mit den Kindern, in der verschiedene Medien eingesetzt werden, eine psychotherapeutische Arbeit mit den Familien und dem Helfersystem und nach Bedarf eine Arbeit mit dem Schulsystem des Kindes.

Genesen im Schloss | In Colpach kann das „Centre de Réhabilitation“ 60 Patienten betreuen

Das Colpacher Schloss, das dem Roten Kreuz 1947 von Aline Mayrisch gestiftet wurde, hat sich über die Jahrzehnte zu einem Genesungszentrum entwickelt. Mit dem Spitalgesetz vom Frühjahr 2018 wurde das Zentrum umorganisiert. Das Schloss beherbergt nun zwei nationale Gesundheitsdienste: Den „Service National de Réhabilitation Post-Oncologique“ für Patienten, die an den Folgen einer Krebserkrankung, deren Behandlung oder eines mit solch einer Krankheit verbundenen Vorfalls leiden und den „Service National de Réhabilitation Physique“, wo Patienten nach einer akuten Phase einer schweren Erkrankung, einem Schub einer chronischen Krankheit oder auch infolge eines chirurgischen Eingriffs, sich wieder an ihrer Gesundheit und ihrem Leben erfreuen können. Jeweils stehen 30 Betten zur Verfügung.

Blut willkommen | 13.697 Personen spendeten 2018 Blut, Blutplättchen oder Plasma

Dem Blutspendezentrum des Roten Kreuzes kommt eine nationale Bedeutung zu. Es empfängt und managt die Spenden und bereitet sie vor, damit sie für Transfusionen bereit stehen. Laut Rotem Kreuz haben im vergangenen Jahr 13.697 Personen Blut, Blutplättchen oder Plasma gespendet. Weitere Spender sind willkommen.