LUXEMBURG
BODO BOST

Zephyrin Biever aus Rollingergrund starb vor 100 Jahren als Generalvikar in Zypern

Eine Begegnung mit Pater Marie-Alphonse Ratisbonne (1814-1884), dem aus Straßburg stammenden Begründer der Kongregation Notre Dame de Sion, der vom Judentum konvertiert war und seit 1855 in Jerusalem in der Juden- und Islammission arbeitete, hatte den am 6. August 1849 in „Biewechgaart“ in Rollingergrund geborenen Jungpriester Zephyrin Biever bewegt im Alter von 27 Jahren auch nach Palästina zu gehen. Zephyrin Biever wurde 1876 Mitglied der Kongregation Notre Dame de Sion und arbeitete als Lehrer am „Institut St. Pierre“, einer 1874 von Pater Ratisbonne in der Nähe des Ecce Homo Bogens in der Altstadt von Jerusalem gegründeten Berufsschule für einheimische Knaben.

Eines der vier angemieteten Gebäude dieser Schule nannte man fortan „Klein Luxemburg“. 1879 wurde Biever die rechte Hand von Pater Ratisbonne und Direktor des „Institut St. Pierre“, das außerhalb der Altstadt neu errichtet wurde.

Ehren-Scheich

Mit seiner hünenhaften Gestalt und seinem langen wallenden Vollbart wurde Pater Biever schnell zu einer markanten Figur im religiösen Leben Jerusalems des 19. Jahrhunderts, das immer mehr auch zu einem Zielpunkt religiöser Juden aus der ganzen Welt wurde. Mit seinem weißen Schimmel, der die Muslime an den Schimmel Buraq mit dem der Prophet des Islam seine nächtliche Jerusalemreise durchgeführt haben soll, erinnerte, genoss Biever den uneingeschränkten Respekt auch der Muslime, die ihn später sogar zu ihrem Ehren-Scheich machten.

Nach dem Tode von Pater Ratisbonne 1884 ging Biever, dessen Gesundheit gelitten hatte, zwei Jahre zurück nach Luxemburg und wurde Vikar der Pfarrei Livingen bei Bettemburg. Nach zwei Jahren überkam ihn das Heimweh nach Palästina und er schiffte sich wieder Richtung Jerusalem ein. Joseph Weynandt, ein Laienmissionar aus Kolpach, den auch das Palästinafieber gepackt hatte, begleitete ihn diesmal. Der lateinische Patriarch schickte Biever in eine neue Pfarrei, Madaba, jenseits des Jordan im heutigen Jordanien, wo viele christliche Beduinen lebten. Die Beduinen gaben ihm den Namen Abuna Daud - Vater David -, den er bis zu seinem Lebensende behielt. Er passte sich der Lebensweise dieser Menschen an und lebte fortan die meiste Zeit des Jahres in einem Zelt.

Biever als Pionier der Pilgerstätte Tabgha und Pädagoge der arabischen Jugend

1890 wurde Pater Biever zum Leiter des neuen Großprojektes des deutschen Heiliglandvereins in Tabgha am See Genezareth berufen. Jos Weynandt übernahm den Landwirtschaftsbereich und konnte bis zu seiner Rückkehr nach Luxemburg 1893 durch den Anbau von Eukalyptus und Bananenstauden einen großen Teil der schädlichen Sümpfe trockenlegen und das Klima in der Region positiv verändern.

Biever erweiterte durch Zukauf am Ruinenhügel Chirbet el Minje, das Gelände des Projektes Tabgha auf etwa 800 Morgen. Arbeiter für Tabgha fand er in den christlichen Dörfern Galiläas, in Ar-Rama, Eilabun, Deir Hanna, und in Zentralgaliläa, in Sachnin, Arabeh, und Maghar. In all diesen Orten errichtete er auch die ersten Schulen und schrieb selbst einen Katechismus in arabischer Sprache.

Der ganze Erlös aus der Landwirtschaft Tabghas floss in diese schulische Arbeit. In Maghar errichtete er die erste arabische Mädchenschule in Galiläa, auch in dieser Beziehung war er ein Pionier. Auf einem der angekauften Grundstücke in Tabgha hatte Biever ein Hospiz für Pilger errichtet. Unter den ersten Pilgern 1893 waren der luxemburgische Bischof Koppes und Dompropst Nothomb.

Am 26. Oktober 1898 begrüßte Zephyrin Biever in Haifa als Vertreter des Heiliglandvereins auch das deutsche Kaiserpaar auf ihrer Heilig Land-Reise.

Karl May in Tabgha

Im Jahre 1900 besuchte auch der berühmte Schriftsteller Karl May den luxemburgischen Priester in Tabgha und ließ sich von ihm in die Geheimnisse des Orients einweihen. Biever hatte Tabgha durch seine gastfreundliche Art zu einem gern aufgesuchten Pilgerort im Heiligen Land gemacht. Tabgha, wo an die Brotvermehrung erinnert wird, ist heute eines der Zentren des christlichen Israeltourismus.

Mit dem Bau der Dormitio Abtei in Jerusalem seit 1906 vernachlässigte der deutsche Heiliglandverein seine Außenstelle Tabgha mehr und mehr, es kam zu großen Auseinandersetzungen zwischen Biever und dem Vorstand des Heiliglandvereins.

Ende 1906 bat er um seine Abberufung aus Tabgha. Vom lateinischen Patriarchen erhielt der Priester eine neue Pfarrei in Bet Sahur, dem Dorf der Hirten in der Nähe von Bethlehem, im heutigen Westjordanland.

1913 wurde Biever als Generalvikar nach Zypern berufen. Bereits von Krankheit gezeichnet, kümmerte er sich um die knapp 1.000 lateinischen Katholiken und 1.200 Maroniten auf Zypern, die dem Patriarchat in Jerusalem unterstanden.

In Zypern ereilte ihn am 24. Juli 1915 der Tod. Er wurde auf dem katholischen Friedhof von Nikosia beerdigt.