LUXEMBURG
JOS SCHEUER

Jedes Jahr am Pfingstdienstag versammeln sich Pilger und Zuschauer aus dem In- und Ausland, um an diesem einzigartigen Kultphänomen teilzunehmen. Rund 10.000 Pilger sind es, die an dem Zug durch die Stadt bis zum Grabe des Heiligen Willibrord teilnehmen. Die Echternacher Springprozession wurde am 16. November 2010 auf die Unesco-Liste der immateriellen Kulturgüter der Menschheit aufgenommen, dies auch Dank eines Beschlusses, der einstimmig von der Luxemburger Abgeordnetenkammer angenommen worden war, scheint der Bestand dieser jahrhundertealten Tradition gesichert. Doch manch einer sieht diese in Gefahr, allen voran Erzbischof Hollerich, da 2019 Pfingstdienstag nicht mehr als offizieller freier Schultag geführt wird. Der ehemalige Abgeordnete und Echternacher Bürgermeister Jos Scheuer hat daher eine Petition eingereicht, die diesen Schutz der Tradition „Springprozession“ untermauern soll.

„Im Blick auf die allgemeine rechtliche Verpflichtung der Regierung, alle Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, die Erhaltung und Verbesserung des immateriellen und materiellen Unesco-Kulturerbes des Großherzogtums Luxemburg zu fördern, habe ich diese Petition eingereicht. Der freie Pfingstdienstag ist aus dem Schulferienkalender gestrichen worden - durch einen Akt, der wie politische Kraftmeierei anmutet. Man mag nun die Springprozession als religiöse Manifestation sehen oder auch als in der Tradition verankerte Folklore. Fakt ist, dass sie durch ihr einmaliges Ritual, durch ihre Verankerung in der Kulturgeschichte unseres Landes und über dessen Grenzen hinaus, der Stadt Echternach und auch dem Lande eine immense, dauerhafte Notorietät sichert. Politisch tiefgreifende Krisen haben sie nicht ausradieren können. Die erste Springprozession nach der Befreiung wurde in den Trümmern der Stadt Echternach zu einer der markantesten Demonstration der luxemburgischen Identität. Auch dies ist tief im kollektiven Gedächtnis verankert.

Es sieht nun so aus, als werde die Echternacher Springprozession geopfert auf dem ideologischen Altar der Trennung von Kirche und Staat. Diese ist doch vollzogen und es wäre ein Armutszeugnis für die Politik, wenn vor diesem Hintergrund der Fortbestand eines Weltkulturerbes kompromittiert würde. Wenn diese Entscheidung so bleibt, wird es im Jahre 2019 zu einem einschneidenden Rückgang der Teilnehmerzahlen, der Springer, der Musikgruppen, der Zuschauer kommen. Das Beschneiden einer Tradition, eines Rituals, läuft ganz sicher auf ein schleichendes Absterben hinaus. Förderung war versprochen, Behinderung wurde dekretiert.

So fordere ich in meiner Petition die Regierung auf, dass ein ‚Tag des Luxemburgischen Weltkulturerbes‘ festgelegt und an diesem Tag die ‚geadelten‘ Kulturgüter des Luxemburger Landes ins Rampenlicht gerückt werden sollen, und zwar die historischen Teile der Stadt Luxemburg, die Ausstellung ‚Family of Man‘ in Clerf, die Springprozession von Echternach und demnächst, mit großer Wahrscheinlichkeit, die Naturdenkmäler Müllerthal und die Industriebrachen im Süden des Landes.

Ferner soll der Pfingstdienstag, unabhängig vom Zeitraum der Pfingstferien, zum generell schulfreien Tag erklärt werden. Der schulfreie Pfingstdienstag soll nicht nur einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Überleben der Springprozession liefern, sondern auch einen von der Regierung gewünschten und getragenen Zeitrahmen abgeben für das Herausstellen des gesamten Weltkulturerbes in Luxemburg.“