LUXEMBURG
DANIEL OLY

Die Start-up ZReality bietet virtuelle Welten nach Maß

Die „Virtual Reality“ gilt als eine der zukunftsweisendsten Technologien am Markt; sie hat großes Potenzial, nicht nur beim Unterhaltungs-Sektor, sondern auch in der Werbebranche oder beim Produktdesign. Hersteller wie Audi oder Volvo machen es vor: Statt ein neues Auto in einem Video und auf Fotos vorzustellen, können Menschen dank VR-Brille direkt im neuen Modell Platz nehmen und vielleicht sogar auf Spritztour gehen. Besser geht es kaum. Ein solches Konzept entsteht aber nicht von selbst, sondern wird individuell erstellt - und das kostet Zeit und Arbeit. Um Firmen bei der Umsetzung zu helfen, gibt es Start-ups wie den Gewinner des „Mind & Market“-Preises bei der gleichnamigen Konferenz, die am vergangenen 13. Dezember am Universitäts-Campus in Belval abgehalten wurde: ZReality wurde 2016 in Deutschland gegründet und hat sich darauf spezialisiert, angepasste VR-Inhalte für Unternehmen zu erstellen. Die Firma sitzt derzeit noch in Kaiserslautern, wie Firmenchef Michael Neidhöfer erklärt.

Damit das nicht so bleibt, und um auch von dem Digitalisierungsprozess in Luxemburg profitieren zu können, soll aber jetzt ein Ableger im Großherzogtum entstehen. „Wir sind derzeit in der Gründungsphase“, sagt er. „Wir hoffen, dass wir bis April-Mai einsteigen können.“ Ausgewählt wurde auch das „House of Start-ups“ am Boulevard Royal, weil dort ohnehin bereits mit „UrbanTimetravel“ eine andere Start-up aus derselben Dachgesellschaft aktiv ist: Diese bietet Virtual Reality-Busfahrten durch das Pfaffenthal von 1867 an - ein Projekt, das gemeinsam mit der Stadt Luxemburg gestartet wurde und ähnliche Technologien verwendet, wie sie bei ZReality zum Einsatz kommen.

Hohe Nachfrage nach VR-Leistungen

„Wir sind ein Anbieter eines VR-Grundgerüstes, das man sich quasi wie einen Homepage-Baukasten vorstellen kann“, erklärt er. Kunden könnten so recht schnell eine virtuelle Visualisierung ihrer Produkte erstellen, was sich besonders für Produktvorstellungen auf Messen eignet. „Aber den Möglichkeiten sind natürlich keine Grenzen gesetzt, man kann weitaus mehr machen als bloß einzelne Modelle zeigen“, meint Neidhöfer. So eigne es sich auch zum Training von Mitarbeitern im Umgang mit neuen Geräten.

Entsprechend hoch ist die Nachfrage aus der Wirtschaft und der Industrie. „Wir haben in den letzten sechs Monaten rund 25 Neukunden gewinnen können, darunter auch Industriegrößen wie BASF, Hilti oder General Dynamics“, sagt er. Auch das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) sei inzwischen Partner und bietet eine virtuelle Kunstausstellung. „Wenn man es modellieren und ausstaffieren kann, kann es auch in unserem Produkt Platz finden.“ So habe sich etwa mit der Deutsche Messe AG ein guter Partner finden lassen, um die sonst eher komplexe Ausstellung von Bodenbelägen in VR zu verlegen. „Sonst hat man nur kleine Muster, in VR kann man hingegen einen ganzen Raum damit belegen“, meint Neidhöfer.

Weiterer großer Vorteil: Die Lösung von ZReality ist plattformunabhängig und lässt sich direkt aus dem Internetbrowser starten. „Keine Installation von zusätzlichen Programmen nötig“, sagt Neidhöfer. Damit sei man dann auch kompatibel mit praktisch allen derzeit auf dem Markt befindlichen VR- und AR-Brillen. „Dieses Cross-Plattform-Angebot ist eine unserer Stärken.“ Diese VR-Revolution führt aber auf lange Sicht auch zu einem Problem. „Das Internet und seine Inhalte werden damit früher oder später 3D-fähig sein müssen, damit sie für eine Kundschaft noch interessant bleiben“, sagt er.

Die Vorteile eines VR-Angebots konkret zu erklären falle deshalb höchstens dann schwer, wenn der Partner das Konzept überhaupt nicht kennt. „Wer aber erst einmal in AR oder VR eingetaucht ist, oder eine solche Visualisierung sieht, der ist schnell begeistert“, weiß er. „Unser Vorteil ist, dass wir schnelle Previews bieten können, sodass sich unsere Kunden schnell davon überzeugen können, wie es später aussehen kann.“ Manchmal kann der Vorteil sogar sehr seltsam ausfallen - abhängig von den Vorstellungen des Kunden. „Unser Partner General Dynamics bevorzugt VR beispielsweise deshalb, weil sie dann keine neuen Produktprototypen auf einer Messe aufbauen und vor Industriespionage schützen müssen“, weiß Neidhöfer. „In VR Haben sie mehr Kontrolle, was sie zeigen - und was der Nutzer sehen darf.“

Was hält die Zukunft bereit? „Es ist klar, dass es bei den Geräten noch viel Luft nach oben gibt“, betont Neidhöfer. „Das echte Killer-Gerät bleibt bislang aus.“ So gibt es sowohl bei der Interaktion als auch bei der Auflösung noch viel zu verbessern. Zudem zeige sich, dass der Trend in Zukunft eindeutig in Richtung „Multiple-User“ geht. Eine weitere Zukunftsvision von ZReality: „Wir wollen die umständliche Handarbeit, die bei der Erstellung eines VR-Modells noch immer nötig ist, so gut als möglich durch künstliche Intelligenz erleichtern und beschleunigen lassen“, sagt er. Entsprechend würde die bisherige Plattform ständig weiter entwickelt - davon profitieren dann alle Kunden, die die Plattform lizensiert haben.

Im bisherigen Firmensitz in Kaiserslautern sitzen derzeit acht Mitarbeiter. Hier könnten es ähnlich viele werden. Der Standort Luxemburg wurde dabei bewusst gewählt. „Hier gibt es know-how, die Sprachensituation ist besonders - und hier findet man zudem die richtigen Connections zu neuen Kunden“, weiß Neidhöfer. „Hier ist man stolz auf Tech, auf Start-ups, es gibt hier sehr gute Unterstützung für neue Ideen - besonders im digitalen Segment. Und auch logistisch liegt es gut.“

Auch in Luxemburg gebe es zudem potenzielle Kundschaft, wobei diese sich eher auf Dienstleistungen spezialisieren dürfte. Angekommen sind sie aber schon - zumindest indirekt. Bei der diesjährigen „Mind & Market“-Konferenz gewann die Start-up den 1. Preis . „Das hat uns sehr überrascht, aber andererseits haben wir ein überzeugendes Produkt, können Referenzen aufzeigen, haben bereits Kundschaft und schreiben positive Zahlen“, meint Neidhöfer. Trotzdem freue er sich sehr über den Gewinn: Einen gesponserten Messestand bei der Technikmesse „ICT Spring“.

Mehr Informationen unter www.zrealitysphere.com